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Gedanken
Jesus

Guter Freitag

2. April 2021

Bekanntlich lernt man ja nie aus. So ging es mir auch heute morgen wieder, als ich meine Jesus Zeit hatte. Anscheinend nennen die Amerikaner unseren Karfreitag „good Friday“. Wäre ich noch Jugendliche, würde ich diesen Freitag nicht gut finden. Denn an Karfreitag war nichts erlaubt. Kein Fleisch, kein TV, nicht einmal Musik. Geschweige denn ausgehen. Heute finde ich die Regelung gut, dass bis Mitternacht alles geschlossen hat. Heute habe ich aber auch einen anderen Bezug zu diesem besonderen Tag. Wenn ich ihn auch bis vorhin nicht unbedingt als „gut“ angesehen hätte.

Die gesamte Fastenzeit nutzen viele Menschen inzwischen, um auf Dinge zu verzichten, die einen ungesunden Lebensstil aufzeigen. Schokolade, Zucker allgemein, vielleicht sogar eine gewisse Zeit komplett zu fasten (da gibt es ja diverse Modelle), Zigaretten, Alkohol, Kuchen, Medien etc. Die Liste ließe sich gewiss beliebig verlängern. Diese Zeit ist, zumindest für mich, nicht einfach. Oft schleiche ich um die Speisekammer herum und suche Alternativen, die ich zu meiner Schokolade finden kann. Meist werde ich fündig und gerade in diesem Jahr habe ich oft schokoladige Alternativen gefunden, die ich noch als „akzeptabel“ eingestuft habe. Mein Highlight: schokolierte Espressobohnen. Leeeeecker! Ja, ich habe es definitiv nicht geschafft, auf Schokolade zu verzichten. Lediglich deutlich eingeschränkt habe ich den Konsum der braunen Köstlichkeit.

Geben wir es doch zu: auf etwas zu verzichten fällt uns extrem schwer. Wir leben in einem Land, in dem wir konsumtechnisch über die Maßen gut ausgestattet sind. Wir leben in Freiheit und Sicherheit. Wir müssen auf wenig verzichten und die meisten von uns leben oberhalb der Armutsgrenze, haben ein Dach über dem Kopf und täglich genug zu essen. Unser gewohntes System wurde durch Corona ziemlich durcheinander gebracht. Dennoch haben wir grundsätzlich wenig zu meckern. Hey, sogar die Klopapierregale sind wieder gut gefüllt. Und was war das vor einem Jahr noch nicht gesichert!!!

Jesus dagegen hat auf sehr viel verzichtet. Er hat darauf verzichtet alt zu werden. Ein Leben zu führen, in dem er viele Menschen weiter hätte unterweisen können. Heilen können. Wunder tun können. Er hat darauf verzichtet, einen Tod zu sterben, der einem König würdig gewesen wäre: auf einem Krankenbett, umgeben von medizinischem Fachpersonal, die alle darauf aus sind, das Leiden so gering wie möglich zu halten. Statt dessen wurde er wie ein Verbrecher behandelt. Was mich an der ganzen Geschichte immer am meisten aufregt sind die Menschen die laut rufen, sie wollen Barabbas frei sehen, einen wirklichen Verbrecher, der Menschen getötet hat und einen Aufstand verursacht hat. Dagegen wollen sie Jesus ans Kreuz bringen, den Menschen, der vor ihren Augen Wunder getan hat, Menschen geheilt und Tote erweckt hat. Und Jesus? Der schweigt. Er sagt lediglich: „Du sagst es. Ich bin der König der Juden.“ Mehr nicht. In der ganzen Verhaftungs-/ Anklagezeit kommt kein weiteres Wort über seine Lippen. Wow. Also, ich könnte das nicht!

Jedenfalls: Karfreitag gipfelte diese Prozedur am Kreuz. Für uns gipfelt die Fastenzeit auch an diesem Tag. Viele verzichten heute noch mehr als die vorangegangen Tage auf irgendetwas. Und dann sagt die englische Sprache „good day“. Wo ist da der gute Tag? Jesus stirbt am Kreuz. Wir verzichten. Was ist daran gut?

Ich sage es dir: Gut ist, dass Jesus diesen Weg gegangen ist. Es ist so schwer zu verstehen und gleichzeitig so einfach: Jesus, der als absolut schuldloser Mensch diesen Tod auf sich genommen hat, hat es getan, damit wir, die wir in Sünde leben, das ewige Leben haben. Das klingt so seltsam, weil wir es nicht gewohnt sind, dass sich jemand mit seinem Leben für uns einsetzt. Die meisten Menschen gehen wenn es schwierig wird. Sie nehmen nicht den Kampf um uns auf. Sie sind sich selbst wichtiger als der andere. Jesus hat das nicht getan. Ganz im Gegenteil. Er hat mit seinem Leben alles gegeben. Für dich. Für mich. Für wirklich jeden!

Um das noch mehr zu verdeutlichen: Jesus wurde nicht alleine gekreuzigt. Rechts und links von ihm wurden Verbrecher ebenfalls ans Kreuz geschlagen. Und diese Symbolik wurde mir heute noch einmal mehr bewusst. Zuerst einmal war Jesus in ihrer Mitte. Er war eingerahmt von Schuld. Die Soldaten hätten die Reihenfolge sicher auch anders wählen können. In der griechischen Übersetzung steht wohl ein Wort, welches generell auch mit „Dieb“ übersetzt werden kann. Diebe nehmen anderen Menschen etwas weg. Vorsätzlich. Und Jesus macht das Gegenteil: er gibt! Diese Tatsache hat mich heute morgen tatsächlich sehr berührt. Der, der sein Leben freiwillig gab, damit wir leben können, wird selbst in seinen letzten Atemzügen von Menschen umrahmt, die absichtlich stehlen.

Nun stelle dich doch in Gedanken einmal vor diese Szene. Du stehst nun also vor den drei Kreuzen. Der eine Verbrecher verspottet Jesus und will sehen, ob dieser sich nicht selbst retten kann, wo er doch schon so vielen anderen geholfen hat. Der andere bittet Jesus, dass er an ihn denken soll, wenn er in seinem Königreich ist. Welcher der beiden steht dir näher? Zu welchem würdest du dich zugehörig fühlen? Würdest du weiter Jesus verspotten, weil er sich nicht selbt hilft? Weil er in der letzten Stunde quasi versagt hat? Oder würdest du erkennen, dass du selbst Vergebung brauchst. Dass es in deinem Leben Dinge gibt, die nicht so gut laufen und du eine Rettung oder Heilung dieser Dinge benötigst?

Interessant ist auch: Jesus antwortet nur dem einen: „Ich versichere dir: noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Ihm wird alle Schuld vergeben. Und warum? Einfach weil er geglaubt hat. Er hat für sich selbst nicht erwartet, ins Paradies kommen zu dürfen. Er wollte lediglich, dass Jesus an ihn denkt! Doch Jesus geht einen Schritt weiter. Er vergibt ihm alles, was er falsch gemacht hat und nimmt ihn mit auf seine Reise. Und nun noch einmal: Welchem Kreuz stehst du näher?

Und für mich wird nun klar, warum der Karfreitag „good Friday“ genannt wird. Es ist soviel Gutes an diesem Tag geschehen. So wie an jedem einzelnen Tag, den wir heute selbst unter Coronaumständen erleben. Wir müssen nur die Augen aufmachen und genau hinsehen.

Nachlesen kannst du übrigens die Szene hier: https://www.bibleserver.com/NG%C3%9C/Lukas23

Bildquelle: unsplash von „Sangia“

  1. Das gefällt mir! Sehr sogar! Guter Freitag! Eine sehr treffende Bezeichnung!
    Was wir da an Vergebung und Gnade erfahren, das kann man erst gar nicht begreifen. Weg mit der Schuld. Wir sind frei. Durch Jesus Tod am Kreuz. Was für ein guter Freitag!
    Mir gefallen auch deine Gedanken die ich da sonst noch lese. Dankbar sein für das was wir haben. An jedem neuen Tag. Trotz Corona und alles drum herum. Denn das vergessen wir so oft. Nix ist selbstverständlich. Vielleicht sind wir so coronageschädigt, weil wir alles immer als normal angesehen haben. Keine Gedanken daran verschwendet haben mal dankbar zu sein. Immer höher, weiter und noch mehr. Bis alles auf den Kopf gestellt wurde und wir uns neu sortieren mussten.
    DANKE Gott, für den guten Freitag! Und DANKE für deinen Blogeintrag als Denkanstoß!

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