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Gedanken
Leben

Klein werden um groß zu sein

21. März 2021

Ja, doch, mich gibt es noch. Ich bin weder verschollen im Bermudadreieck noch untergegangen in Wäschebergen, Homeschooling oder was es sonst noch an Herausforderungen gibt die die Zeit an uns stellt. Ich war einfach nur beschäftigt mit anderen Dingen. Schade, oder? Es ist aber nicht so, dass ich keine Ideen hatte, keine Gedanken oder Inspirationen. Nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Oft hatte ich große Lust meine Gedanken zu ordnen, aber die Zeit hat es einfach nicht zugelassen.

Es ist definitiv richtig: Diese besondere Zeit stellt uns vor völlig neue Aufgaben. Nicht nur, dass jeder Tag anders ist als der vorherige, so müssen wir auch maximal flexibel bleiben was die psychosozialen Prozesse betrifft. Gerade heute habe ich wieder gelesen: eine Flugreise ist generell machbar, ein Restaurant- oder Kinobesuch jedoch darf nicht stattfinden. Manches scheint komplett unlogisch und gerade für mich als Rebellin ist vieles nicht vertretbar. Daher halte ich mich auch von Nachrichten möglichst fern, denn das Ganze regt mich nur noch auf. Geht es dir da anders?

Klar, wir haben immer noch das Glück ein Dach über dem Kopf zu haben und auch der Vorteil auf dem Land zu wohnen kommt uns sehr zu Gute. Jedoch finde ich es sehr anstrengend, dass meine Kinder keinerlei soziale Kontakte mehr haben außer zwei völlig ausgebrannter und kraftloser Eltern. Das das keine optimale Umgebung ist, muss selbst den unerfahrensten Sozio- und Psychologen klar sein.

Wie gut aber, dass wir wenigstens unseren Glauben haben. Oder etwa nicht? Oder kann es sein, dass sich der Glaube auch auf ganz neue Füße stellen muss? Wo ist Gott in all dem Corona Wahn? Warum erhört er die Gebete der Menschen auf der ganzen Welt nicht und lässt es einfach aufhören? Wie können wir als Gläubige dennoch zusammenkommen und Gemeinschaft haben. Wie und wo sind wir herausgefordert, anderen zu helfen und Gutes zu tun? Ich glaube, das es an vielen Stellen geschafft wird und mich begeistert sehr, wenn sich die Menschen trotz der herrschenden Umstände auf den Weg machen und trotz allem Jesu Beispiel folgen!

Ich gehöre leider nicht dazu. Ich sitze auf meiner Couch und tue mir selbst schrecklich leid. Weil ich meiner ohnehin spärlichen sozialen Kontakten beraubt bin. Weil ich alles so anstrengend finde. Weil ich keinen Raum mehr habe, der mir gehört und an dem ich zur Ruhe kommen kann, an dem niemand etwas von mir will. Weil ich meine Träume und Visionen nicht leben kann. Weil ich nicht in den Urlaub fahren kann, auf den ich mich schon so lange gefreut habe. Weil wir keine Feste feiern können. Weil ich meine Eltern nicht ohne schlechtes Gewissen besuchen kann, da ich ja eventuell doch infektiös sein könnte. Ja, in diesem Abschnitt steht sehr viel „ich“. Mir wird bewusst, dass „ich“ immer größer werde, dass „ich“ immer mehr Raum einnehme. Und das ist eins: anstrengend.

Doch wie kommt man aus dieser Falle wieder heraus? Johannes (der Cousin von Jesus) sagt:

Er muss immer größer werden, ich dagegen geringer.

Johannes 3,30 NBH

Huch. Dazu kann ich nur sagen: Setzen. Sechs. Voll versagt.

Wie kann ich es schaffen, in einer schwierigen Zeit mich selbst kleiner zu machen, damit Jesus wachsen und zunehmen kann in mir?

Hier muss ich vielleicht sagen: es ist damit nicht gemeint, dass ich mich selbst nicht wichtig nehmen darf. Sicher darf ich auf meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten achten. Doch gibt es ein Geheimnis bei Jesus, das sich dann entfaltet, wenn man den Weg mit ihm geht. Und zwar nimmt zu was ich gebe. Hast du das schon erlebt? Ich habe es schon an diversen Stellen entdecken können. Zum Beispiel in der Liebe: wenn ich mehr gebe, als ich meine zu haben, werde ich mit vielen Segnungen zurück beschenkt. Wenn ich finanziell mehr gebe als ich wollte und großzügig bin, bekomme ich garantiert etwas zurück, entweder in materieller Form oder auch in finanzieller. Gebe ich meine Zeit von der ich denke, dass ich sie gar nicht habe, werde ich dadurch gesegnet, dass sich jemand freut, bedankt oder sich an anderer Stelle unverhoffte Zeitfenster öffnen. Gott ist ein Gott, der es liebt zu geben. Und er fordert uns auf, seinem Bild ähnlicher zu werden. Also auch mehr zu geben. Zeit, Geld, Liebe, egal was dir sonst noch einfällt.

Was mir dabei immer wieder auffällt: Wir leben in einer Zeit (und damit meine ich nicht die aktuelle Corona-Pandemie, sondern vielmehr das generelle Leben) des Kampfes. Alles, was ich mir „erarbeitet“ habe, wird umkämpft. Und ganz besonders ist es mein Glaube. Ich weiß noch genau, dass ich aus meiner Reha wiederkam und meine Heilsgewissheit kein Thema mehr war für mich. Ich hatte auf einmal einen tiefen Frieden in mir und wusste: es reicht, dass Gott mich sein Kind nennt. Mehr braucht es nicht.

Nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich viel in Frage stelle. Weil ich zu oft als Mutter versage. Oder als Ehefrau. Als Gemeindemitglied. Als Freundin. Es gibt einfach zu wenig Möglichkeiten mich nach außen zu öffnen und dafür zu viele Gelegenheiten nach innen zu versagen. Kommt dir das auch bekannt vor? Oder hast du den Eindruck, diese Krise gut zu meistern. Ich wäre dir unendlich dankbar über jeden Tipp.

Denn eines ist doch klar: wir sind soziale Wesen. Gott hatte die Möglichkeit Adam als Einzelgänger weiterleben zu lassen. Doch er spürte, dass ihm die Tiere nicht ausreichten. Daher schuf er ihm eine Ergänzung. Und auch wenn damit vielleicht die menschlichen Probleme erst anfingen, konnten sie dennoch miteinander und aneinander wachsen. Und das ist es was bis heute Bestand hat: wir haben Probleme miteinander. Aber wir können auch aneinander wachsen. Jeder leistet einen wertvollen Beitrag. Jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge und kann damit den anderen bereichern. Und ohne einander sind wir verloren. Da dümpelt jeder in seinem Saft vor sich hin und dreht sich nur um sich selbst. Daher möchte ich meinen Kampf gegen meine eigenen inneren Dämonen immer wieder neu antreten. Aus mir selbst schaffe ich das nicht. Um an das oben genannte Zitat anzuschließen von Johannes: erst wenn ich feststelle, dass ich am Ende meiner Kraft bin, bin ich so klein, dass Jesus in mir zunehmen kann. Denn er ist die Kraft und die Stärke, die ich oft nicht habe, aber brauche. Wie das geht weiß ich noch nicht. Aber ich bin ja noch in der glücklichen Lage lernen zu können.

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