butterfly2god

Gedanken
Jesus | Leben

Mein persönlicher Gottesdienst

25. Oktober 2020

Heute morgen ist es wieder passiert. Mein persönlicher Feind ist aufgetreten. Aber ich will am Anfang beginnen.

Wir saßen alle bereit um den Gottesdienst via Live – Stream anzuschauen. Auch nach fast 8 Monaten, wo man ja durchaus wieder live den Gottesdienst besuchen kann, schauen wir nach wie vor gern im Wohnzimmer. So auch heute. Es gab ein paar technische Probleme mit dem Ton. Der Lobpreis jedoch funktionierte. Mein Sohn machte schon im Vorfeld ein paar Mätzchen und nach einigen Bitten und Ermahnungen, es bitte bleiben zu lassen, explodierte ich mitten im Lobpreis. Wie peinlich.

Lobpreis ist für mich die Zeit, in der ich Gott ganz nah begegne. Die Musik, der Text, das Zusammenwirken ist für mich Gottesbegegnung pur. Und ausgerechnet in dieser Zeit nimmt sich der Feind die Macht und arbeitet gegen mich. Aber nicht nur das, ich lasse es auch noch zu. Danach war es mir leider nicht mehr möglich, den Gottesdienst anzuschauen. Denn mit soviel Wut und Selbsthass kann ich unmöglich in Gottes Nähe sein.

Also zog ich mich an und fuhr in den Wald um dort spazieren zu gehen, Äste klein zu hauen, mich selbst zu bemitleiden. Mir fielen die Worte ein, die ich morgens in meiner Andacht gelesen habe. „Ermutige dich selbst.“ Es war angelehnt an David, der mit seinen Männern einen großen Sieg errungen hatte, aber als sie nach Hause kamen, war ihre Stadt in Schutt und Asche gelegt und Frauen und Kinder entführt. (Nachlesen kannst du das im 1. Samuel 30, 1- 6) Dort steht in einer englischen Übersetzung, die ich mal ins deutsche hole, dass David sich selbst ermutigte durch Gott, seinen Herrn. David schaute auf Gott und holte sich bei ihm die Portion Kraft und Stärke ab, die er brauchte, um diese unschöne Situation überhaupt durchzustehen. Wohlgemerkt nach einem großen Sieg!

Als ich durch den Wald ging und mich, mal wieder, sehr allein fühlte, fielen mir diese Worte ein. Ich kann mich selbst ermutigen durch Gott. Was hat er mir zu sagen und aus welchen Worten kann ich Kraft nehmen? Der erste Versuch mich selbst zu ermutigen ging ziemlich schief. Ich fiel in die Abwärtsspirale aus Anklage und Selbsthass und dachte wieder einmal mehr, wie sehr ich im Alltag und in der Erziehung versage. Ich wollte wirklich positiv bleiben und habe wieder einmal mehr nicht gemerkt, wie Kleinigkeiten mich einnehmen und mir den Blick auf all die guten Dinge verstellen. Ich habe wieder einmal nicht den Nothalteknopf gedrückt. Ich bin Gottes nicht würdig.

In der Reha, die ich vor 2 Jahren besuchen durfte, hatte ich ein ganz besonderes Gespräch mit einer „Mitstreiterin. Das Thema diese Gesprächs, bei dem wir ein wenig albern waren, hat mir heute ganz besonders geholfen. Das ist sehr intim, aber ich finde es wichtig, es aufzuschreiben, damit ich selbst es nicht vergesse und es vielleicht auch dir eine Hilfe werden kann, wenn dich der Alltagsfrust überfällt.

Wir sprachen von einem „Inneren Team“. Jedes Gefühl wird einer Person zugeordnet, die mehr oder weniger präsent auf einer imaginären Bühne steht. Auf meiner Bühne stand nun die Wut und feierte ihren Erfolg. Sie tanzte und tobte dort herum, grölte alberne Schlachtlieder und gefiel sich in der Rolle des lauten Siegers ausgesprochen gut. Dazu gesellte sich die Anklage mit einer schauerlichen Fratze und feuerte die Wut an, noch lauter zu singen und noch wilder zu tanzen. Unter der Bühne saßen die Annahme und die Vergebung. Sie saßen unter einer Decke nebeneinander und hielten sich die Ohren zu, denn sie wollten die Feier und den Lärm dort oben nicht mitbekommen. Sie hatten ja versagt.

Da trat die Weisheit auf. Die Weisheit mag ich besonders gern. Denn sie strahlt soviel Ruhe und Reinheit aus, dass es schon beruhigend ist, ihr zuzusehen und sie anzuhören. Sie sagte zur Wut: „Du hast einen tollen Sieg errungen und darüber freust du dich natürlich. Aber nun ist es genug und du kannst von der Bühne herunterkommen.“ Doch die Wut wollte nicht. Sie meinte, sie hätte ihren Sieg noch nicht genug ausgekostet. Die Weisheit lies sie ein wenig weiterfeiern und appellierte noch einmal an sie, dass es nun genug sei und sie die Bühne bitte verlassen solle. Die Wut, immer noch angestachelt von der Anklage, ließ sich nicht darauf ein. Im Gegenteil, sie legte noch etwas nach.

Die Weisheit wäre nicht die Weisheit, wenn sie nicht auch weise handeln würde. Also sagte sie: „Nun gut, dann feiere noch etwas weiter. Wenn du fertig bist, geh bitte auf deinen Platz zurück.“ Und sie ging unter die Bühne, hob die Decke und setzte sich zwischen die Annahme und die Vergebung. Die 2 hatten immer noch die Finger in den Ohren. Die Weisheit legte einfach ihren Arm und sie und wartete ab. Die Annahme nahm zuerst die Finger aus den Ohren und die Weisheit konnte mit ihr reden. Sie überlegten, wie es dazu kam, dass die Wut nun so ausgelassen feiern konnte. Die Annahme verstand, dass sie sich von der Bühne hat schubsen lassen. Durch das Gerangel, wer von beiden ganz vorne zu stehen hatte, ist sie hinabgefallen. Sie verstand, dass sie die Wut an die Hand hätte nehmen sollen, mit ihr gemeinsam vor die Situation treten sollen und die Wut hätte ernst nehmen sollen. Die Wut ist eine Person, die auch gesehen werden mag. Die Aufgabe der Annahme ist es, diese Person ebenso anzunehmen wie alle anderen. Jede Person hat ihren Platz auf meiner Bühne. Keine hat eine größere Wertigkeit. Die Wut hat ihre Berechtigung, möchte mir etwas mitteilen. Aber sie darf nicht im Vordergrund stehen. Nachdem Weisheit und Annahme das aufgedröselt hatten, konnte auch die Vergebung ihre Finger aus den Ohren nehmen. Sie konnte ihrer Aufgabe nachkommen und mir vergeben, aber auch meinem Sohn, der sich ebenso nicht richtig verhalten hatte.

Dieses innere Team hat mich heute echt gerettet. Ich kann mich sehr gut in solche fiktiven Geschichten hineindenken. Durch die einzelnen Personen konnte ich wieder sehen, dass jede ihre Berechtigung hat. Aber auch jede hat ihre Zeit und Aufgabe. So habe ich mich selbst ermutigen können, wieder auf Gottes Stärke zu vertrauen.

Im weiteren Verlauf des Spaziergangs fand ich einige Eicheln. Ich hob sie auf und gab ihnen Namen wie „Selbsthass“, „Anklage“, „Streit“, „Versagen“. Jede einzelne warf ich ins Gebüsch, wissend, dass Gott alles weg nimmt, wenn wir loslassen.

Etwas freier ging ich weiter. Doch dann hatte ich den Gedanken, dass ich mir etwas mitnehmen könnte, was mich an die Annahme und die Vergebung erinnert. Mir fielen die Eichelhelmchen in die Augen. Wie passend, oder? Die Helmchen sitzen auf den negativen Gefühlen. Sie bedecken sie. Aber sie sind auch sichtbar ganz oben. Diese Helmchen nahm ich mit.

Noch weiter im Verlauf (ich war übrigens fast schon wieder am Auto) dachte ich, es wäre schön, ein besonderes Blatt zu finden. Als Hand Gottes quasi, in der ich liege und auf die ich die Helmchen legen könnte. (Ich brauche immer solche Bilder, mit denen ich was verbinde.) Ich fand ein Blatt und legte sie darauf.

Doch ganz zufrieden war ich noch nicht. Denn ich hatte vergessen, die „Wut“ wegzuwerfen. Dem aufmerksamen Leser mag es schon aufgefallen sein. Die Wut, die so dominant da war, dass ich nicht einmal den Gottesdienst weiter anschauen konnte. Eine einzelne Eichel fand ich noch. Nur eine. Wo vorher extrem viele auf dem Boden lagen. Ich musste sogar noch mal umkehren, weil ich die Eichel gar nicht nehmen wollte. Sie war mir zu dreckig. Wie passend aber doch zu der Wut, oder?

Also betete ich. Wer mich kennt weiß, dass ich ein echtes Mädchen bin. Und echte Mädchen können nicht werfen. Bei den Bundesjugendspielen brachte ich es einmal fertig, den Ball direkt vor meine Füße zu werfen. Ein anderes Mal habe ich sogar zurück geworfen. Peinlich. Mit dieser Wuteichel wollte ich das nun anders machen. Aber ich kann einfach nicht genug Kraft in meinen Wurf legen. Ich betete, dass Jesus mich stark macht für diesen wichtigen Wurf. Dass er meinen Arm nimmt und all seine Kraft hineinlegt. Dass er mir eine Stelle zeigen soll, wo ich die Wut hinwerfen kann. Und ich fand sie. Eine perfekte Stelle, wo viele Büsche eng an eng standen. Und nun kam der Wurf. Er war sicherlich nicht Olympiareif. Ganz bestimmt nicht. Aber ich habe mitten in die bewachsene Stelle getroffen. dort, wo die Blätter und Äste die Wuteichel perfekt überdecken und niemand sie finden kann. Jesus ist echt großartig, oder?

Das war ein viel besserer Gottesdienst für mich, als er auf der Leinwand hätte sein können. Er war viel persönlicher und Frieden bringender. Jesus war mit mir unterwegs und hat mir so viel Gutes getan, mir wieder einmal neu Vergebung gezeigt und meine Seele berührt. Der Feind hat nicht gewonnen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.