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Gedanken
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Richtungswechsel

25. August 2020

Kennst du gute Tage? Kennst du auch schlechte Tage? Kannst du mir erklären, warum sich gute Tage mit schlechten abwechseln müssen?

Gestern war ein guter Tag. Nach einer ziemlich vermurksten Woche war das wie ein Sommerregen nach einer Hitzewelle. Erfrischend. Die letzte Woche war wohl dem „Wiedereinleben“ geschuldet. Nach einem super erholsamen Urlaub mit vielen Highlights, war nun wieder „Alltag“ angesagt. Jeder von uns hatte mit verschiedenen Herausforderungen des Alltags zu kämpfen. Zu den ganzen Coronaeinschränkungen kamen eben auch wieder lästige Pflichten dazu.

Gestern morgen las ich in meiner Bibel:

Bleibt niemand etwas schuldig! Was ihr einander jedoch immer schuldet, ist Liebe. Denn wer den anderen liebt, hat damit das Gesetz erfüllt. Wenn nämlich das Gesetz sagt: »Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst keinen Mord begehen, du sollst nicht stehlen, du sollst der Begierde keinen Raum geben!« , dann sind diese und alle anderen Gebote in dem einen Wort zusammengefasst: »Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!«

Römer 13, 8-10

In mein Gebetstagebuch schrieb ich sinngemäß: „Wie wäre es, wenn ich heute einmal nur lieben würde? Ohne Erwartungen. Ohne Ansprüche. Ohne Eigennutz. Einfach meine Nächsten lieben. Ich weiß, dass es mir schwer fallen wird. Aber nur einen einzigen Tag. Erst mal.“

Dann ging der Tag los. Bis zum Mittag konnte ich eine positive Resonanz ziehen. Die Dinge, die ich erledigen musste, klappen einwandfrei. Ich hatte noch Energie um bei Streitigkeiten ruhig zu bleiben und selbst die Englischaufgaben konnten wir ruhig und sogar mit lachen abhaken. Ich hatte ein offenes Ohr für meine Kinder, konnte freundlich zu meinem Mann sein und nebenher noch Haushaltspflichten erledigen. Fast war ich die Frau, wie sie in Sprüche 31 beschrieben wird. Nachmittags ging ich eine Runde spazieren. Höchst zufrieden mit mir und dem Tag. Ich sprach mit Gott und sagte ihm (und mir!!!): „Dieser Tag ist wie ein Geschenk. Ich packe ihn aus und freue mich daran. Ich habe ihn nicht verdient und leider weiß ich auch, dass dieser Tag nicht die Regel bleiben wird. Es wird wieder ein schlechter Tag kommen. Und deswegen will ich jetzt dankbar diesen Tag annehmen und mich freuen, dass er so gut ist.“

Dann kam der Abend. Manchmal wäre es wohl besser, wenn Tage schon vor dem Abend enden würden. Denn dann könnte man ihn nicht mehr verpatzen und einfach glücklich, zufrieden und dankbar ins Bett fallen. Nun ja. An diesem gestrigen Abend eskalierte dann noch eine Situation und ich habe so deutlich gespürt, wie ich versagte. Ich blieb nicht in der Liebe, die ich mir vorgenommen hatte. Ich fing an, Grundsatzdiskussionen zu führen, von denen ja jeder weiß, dass sie a) nervig sind, b) schon längst vergessen sein sollten und spätestens c) eh fruchtlos sind. Ich ärgerte mich also so sehr über mich und meine unangemesse Reaktion und das euphorische Gefühl des Geschenkeauspackens war komplett vergessen.

Nach meinem Empfinden sind die schlechten Tage zur Zeit in der Überzahl. Warum ist das so? Schaue ich zu sehr auf das, was nicht gut läuft? Kann ich das, was gut ist, nicht richtig wertschätzen? Ich bin ein Gefühlsmensch. Das ist bei weitem nicht immer gut! Klar, es gibt Vorteile, die meinem sensiblen Empfinden entspringen. Aber ein ganz deutlicher Nachteil ist, dass ich meine Gefühle als echt, wahr und absolut einstufe. Da habe ich noch viel Lernbedarf. Denn Gefühle sind wie Instinkte. Sie warnen uns vor etwas. Sie weisen uns auf etwas hin. Aber sie müssen gesteuert werden vom Verstand. So wie ich letztes Mal schon geschrieben habe: wenn ich auch nicht fühle, dass ich geliebt bin, so weiß ich es doch.

Nun saß ich heute wieder vor meiner Bibel und las ganz andere Worte. Kurz vorher hörte ich ein Lied in dem die Sängerin von Gottes grenzenloser Liebe sang. Dass er sich auf den Weg macht um mich zu lieben, bis an das Ende der Welt. Und ich dachte:wow! Wie schön das sein muss, das zu singen und es auch ganz genau zu spüren. Heute morgen fühlte ich mich unendlich weit von dieser Liebe entfernt…

Dann kam noch der folgende Text dazu:

Wer mit ihm verbunden lebt, der sündigt nicht bedenkenlos weiter. Wer gewohnheitsmäßig sündigt, hat ihn nie gesehen, und nie begriffen wer er ist.

Wer Gott zum Vater hat, lebt nicht mehr in der Sünde, weil das Erbgut seines Vaters jetzt in ihm wirkt. Deshalb kann er nicht immer weiter sündigen, denn er stammt von Gott.

Wer Gottes Gebote befolgt, lebt in Gemeinschaft mit Gott und Gott lebt in ihm. Dass Gott wirklich in uns lebt, wissen wir durch den Heiligen Geist, den er uns gegeben hat.

1. Johannes 3, 6,9,24

Uuuuh wie schön wäre es, wenn es so einfach wäre. Für mich. Ich glaube, ich habe das mit der Liebe einfach noch überhaupt nicht begriffen. Ich habe noch nicht mal im Ansatz verstanden, wie sehr Gott mich liebt. Auch wenn ich immer wieder darum ringe und zur Zeit auch bewusst nur nach seiner Liebe suchen möchte, habe ich es immer noch nicht kapiert. Ich lese hier, dass ich wohl kein Kind Gottes bin. Denn die Sünde habe ich ja gestern wieder in Reinform praktiziert. Bin ich denn trotzdem geliebt? Auch wenn ich versage? Habe ich trotzdem den Geist Gottes, auch wenn ich wieder auf die Nase gefallen bin und was getan habe, was weder gut noch richtig war?

Ja. Unglaublich aber wahr. Ich bin geliebt. Denn auch wenn ich immer wieder versage und schlechte Tage habe, kann ich mir sicher sein, dass Gott mich sieht, dass er mir folgt und dass es keinen Ort auf dieser Welt gibt, an den er nicht hinkommt um mich in den Arm zu nehmen. Gott ist Liebe und er kann sich nicht selbst verleugnen. Er liebt Sünder so sehr, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Und der Sohn ist gekommen für die Kranken, denn die Gesunden brauchen keinen Arzt. Was ist das nur für ein Gott und was ist das nur für eine Liebe. Ich brauche gar nicht erst versuchen, ihm darin gleich zu werden. Denn das schaffe ich nicht. Aber ich darf ich mich immer wieder mit dieser Liebe füllen lassen. Und durch diese Liebe einen Minibruchteil weitergeben an andere. An guten Tagen mag mir das vielleicht besser gelingen. Aber auch an schlechten Tagen habe ich immer noch was zu geben. Denn Gott ist größer als jeder schlechte Tag!

Und mit dieser Proklamation gehe ich nun und mache aus dem schlechten Tag wieder einen guten!

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