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Gedanken
Leben

Auf dem Gang

14. August 2020

Hier stehe ich nun. Auf einem langen Gang, der Lebensweg heißt. Wenn ich zurück schaue, sehe ich jede Menge Türen zur rechten und linken Seite. Manche stehen auf. Manche sind geschlossen. Sie stehen für verpasste Gelegenheiten. Ob gewollt oder ungewollt ist nicht mehr wichtig. Ich bin an diesen Türen vorbei gegangen und nun kann ich nicht mehr zurück.

Die geöffneten Türen sind auch nicht alle ohne Tadel. Manche wären wohl besser geschlossen geblieben. An manchen Türen haftet die Scham. An anderen das Glück. Doch jede Tür hat ihre Geschichte. Und diese gehört zu mir. Wenn ich andere Türen geschlossen bzw. geöffnet hätte, wäre es sicher immer noch mein Leben. Doch es wäre ein anderes!

Neulich las ich nochmal in meinem Lieblingspsalm 139, 16

Alle Tage, die noch kommen sollten, waren in deinem Buch bereits aufgeschrieben, bevor noch einer von ihnen eintraf.

Psalm 139,16b, NGÜ

Ja, so unglaublich das auch klingen mag: Gott hat alle Tage schon gekannt. In meinem Bild bedeutet das, er hat genau gewusst, welche Türen geöffnet werden und welche geschlossen bleiben. Nichts ist ihm verborgen.

Eine Tür, die nun endgültig geschlossen ist, ist quasi direkt neben mir. Es ist die Gegenwart. Einen kleinen Schritt habe ich schon weiter vorwärts getan. Doch noch kann ich die Tür sehen. Und jedesmal, wenn ich sie anschaue, tut es weh, dass sie nun zu bleibt. Doch spüre ich auch einen Frieden in mir, der mir sagt, dass es richtig war. Manche Entscheidungen tun weh. Sie sind nicht einfach. Doch wenn sie getroffen sind, dann gibt es eben manchmal kein Zurück mehr. Und daran nicht zu zerbrechen, sondern zu wachsen ist die wahre Kunst.

Jesus sagte zu seinen Jüngern:

Jede Rebe, die nicht Frucht trägt, schneidet er ab; eine Rebe aber, die Frucht trägt, schneidet er zurück; so reinigt er sie, damit sie noch mehr Frucht hervorbringt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wenn jemand in mir bleibt und ich in ihm bleibe, trägt er reiche Frucht; ohne mich könnt ihr nichts tun.

Johannes 15, 2+5,NGÜ

Das tut mir manchmal ziemlich weh, diese Worte zu lesen. Vor allem die ersten. Denn es bedeutet, dass Gott manchmal etwas in meinem Leben abschneiden muss. Doch das tut er, damit es mehr Frucht bringt.

Eine der Fragen, mit der ich mich in letzter Zeit vermehrt beschäftigt habe ist : „Wovor hast du Angst?“ Meine Antwort darauf war zuerst ganz einfach: „Vor nichts!“

Nein, ich bin keine besonders mutige Frau! Ich mag keine Spinnen und gehe sicher in kein Dschungelcamp. Auch die „Silver Star“ im Europapark muss ich nicht unbedingt erlebt haben, bevor ich sterbe. Doch Angst, die mich lähmt, Dinge zu tun, habe ich nicht. Oberflächlich gesehen ist sie nicht da. Beim tieferen graben durfte ich jedoch feststellen, dass ich sehr große Angst vor Ablehnung habe. Ich möchte so gern, dass die Menschen mich mögen, dass ich mich manchmal an ungerechtfertigten Stellen förmlich verbiege, damit ich ja keine Ablehnung erfahren muss. Ich bin ein „Gutmensch“. Lasse mir viel gefallen und halte meinen Mund. Aber innerlich brodelt es!

Da ist sie, die Angst. Vor lauter Angst sage ich nicht, wie es mir geht. Oder was mich verletzt hat. Oder was mich stört. Ich schlucke die salzige, manchmal sogar giftige, Brühe und wundere mich, warum ich Bauchschmerzen habe oder mir schlecht ist.

Ich muss lernen, die Tür der Angst zu schließen. Mich muss nicht jeder mögen. Ich mag auch nicht jeden. Dennoch kann ich jedem mit Respekt begegnen. Das hat jeder Mensch verdient. Ich kann trotzdem freundlich bleiben. Ich kann meine Meinung sagen, freundlich, aber deutlich.

Denn eines möchte ich mir immer wieder klar machen. Gott schneidet meine Reben nicht nur, weil sie schlecht sind. (Auch das kann durchaus vorkommen!) Er schneidet sie auch, damit sie mehr Frucht bringen.

Wer weiß? Vielleicht ist die Tür neben der ich jetzt noch stehe so eine Rebe? Denn es fühlt sich ja nicht mehr so arg nach Verlust an. Sondern eher nach Wachstum. In viele Richtungen. Einerseits, dass ich in der Lage bin, Entscheidungen selbst zu treffen und nicht abzuwarten, bis mir jemand die Entscheidung abnimmt. Andererseits kann ich ohne Ballast weitergehen und wieder nach vorne schauen. Weiter bin ich immer noch geliebt. Ebenso nehme ich die Gnade Gottes dort an wo ich Fehler gemacht habe. Ich erfahre Frieden. Und Leichtigkeit. Es ist viel Wachstum möglich im Verlust.

Vor mir liegen noch viele Türen. Manche werde ich wohl weiter ungestüm aufreißen. Weil ich neugierig und ungeduldig bin. So hat Gott mich gemacht. Manche bleiben zu, weil ich auch vorsichtig bin oder manches gelernt habe. Andere werden vielleicht sogar von innen geöffnet und ich merke beim hineinschauen, ob ich mehr davon sehen möchte.

Eins weiß ich aber: Gott kennt meine Türen und Tage. Er weiß, was mir noch widerfahren wird. Und ich möchte darauf vertrauen, dass er es zum Wachstum geschehen lässt. Damit meine Reben wachsen und Frucht tragen. Ihm zur Ehre!

Bild von Pixabay

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