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Gedanken
Leben

Der richtige Blick

29. Mai 2020

Mein Tag ist bislang alles andere als gut. Zum Glück ist er noch nicht alt und hat durchaus Potenzial, dass er besser werden kann. Das Aufstehen fiel mir noch leicht. Die Zeit mit Jesus hat mir auch gezeigt, dass er mich sieht und wahrnimmt. Danach wollte ich laufen gehen. Genauer gesagt: Danach bin ich laufen gegangen. Doch da fing der Mist an. Nach 2 km hat mein Körper einfach gestreikt. Er wollte nicht mehr. Die Beine wollten mich nicht tragen, das Herz wollte nicht genügend Blut und die Lunge nicht ausreichend Sauerstoff transportieren. Ach ja. Und der Kopf wollte einfach keinen Spaß an dem finden, was ich da tat.

Nach unendlich langen Minuten, in denen ich nach Hause geschlichen bin, ging es grad so weiter. Ich musste meine Nähsachen wegräumen, an denen ich heute sicherlich Freude gehabt hätte. Mein Nähwerk muss 4 Tage zwangsruhen. Nicht, weil ich es will, sondern weil keine Zeit und Gelegenheit sein wird es aufzunehmen. Mein ganzer Körper ruft jedoch förmlich danach, mich kreativ zu betätigen. Die letzte Nacht habe ich darüber nachgedacht, wie mein Projekt aussehen soll. Jetzt brennt es in mir zu sehen, ob es auch tatsächlich so wird, wie ich es mir vorgestellt habe.

Ebenso ist heute voraussichtlich der letzte Tag des Homeschoolings. Ab morgen starten bei uns Ferien und danach werden die Kinder, zumindest wochenweise, wieder die Schule besuchen und sich dort garantiert besser benehmen als zu Hause. Ich kann mir schwer vorstellen, dass sie ihren Lehrern an den Kopf werfen, dass sie ihr Fach nicht leiden können und auch gerade absolut keinen Bock darauf haben. Das Schule sowieso Sch… ist. Nein. Dieses Alter haben sie noch nicht. Aber momentan darf ich mir das noch anhören. Und mich daran freuen, dass ich so unmotivierte Kinder habe, die eh alles doof finden. Sogar meine Motivationsversuche (die heute ja auch wirklich halbherzig sind) und meine Erklärungen sowieso. Versteht ja kein Mensch, was ich da sage und falsch ist es sowieso. Klar. Ich bin ja auch „nur“ Mama und kein professionell ausgebildeter Lehrer. Auch wenn ich das in den letzten Wochen sein musste. Ebenso wie Arzt, Friseur, Koch, Reinigungskraft, Sporttrainer, Motivatior, Gesellschafterin. Neben meinen Job. Wozu lernen manche Menschen jahrelang? Wozu müssen sie studieren? Wenn dann auf einmal alles in der Familie gestemmt werden muss?

Ja. Ich bin heute extrem frustriert. Ich habe eine Wut im Bauch. Ich bin angespannt. Ausgelaugt. Traurig. Ich bin wütend auf mich, dass ich es nicht besser hinbekomme. Das ich tagein tagaus versage. Meine Kinder anraunze. Nicht geduldig weiter erkläre. Keine Lust mehr habe. Das ich nicht mal meine lächerlichen 5,5 km laufen kann.

Und dann gibt es auch diese Momente :

Beim switch zwischen laufen und gehen höre ich ein Lied, das mich genau daran erinnert, dass ich nicht mehr in meinem eigenen dunklen Grab sitze, weil mich jemand bei meinem Namen gerufen hat und ich aus diesem dunklen Grab heraus treten kann.

Ich laufe an einer Wiese mit Mohnblumen vorbei. Diese erinnern mich immer an Blut. Mir kommt in den Sinn, dass Jesus sein Blut vergossen hat. Er hat es nicht punktuell getan in dem Wissen, dass einer die Rettung bekommt, ein anderer dabei leer ausgeht. Er hat es für alle getan. Und es waren keine kleinen Spritzer, sondern Ströme der Vergebung. Er hat mir meine Ungeduld, mein Versagen und sogar meine Schuld vergeben! Nicht nur einen kleinen Teil hier oder dort. Nein. Alles! Immer. Und immer wieder.

Meine Tochter kümmert sich um die Hasen, macht sie sauber, versorgt sie mit allem, was sie noch brauchen. Ohne das ich sie daran erinnern muss. Selbständig!

Ich esse ein Stück Kuchen. Ein Geschenk von einer wunderbaren Wegbegleiterin, die mir in den letzten Wochen viel Kraft gegeben hat durch ihren liebevollen Zuspruch und durch Zeit, die sie mir geschenkt hat.

Mein Sohn macht seine Aufgaben nun doch. Und auch wenn sie ihm keinen Spaß machen, schafft er es dennoch sich zusammenzunehmen und nicht mehr laut zu schimpfen.

Es gibt trotz des schlechten Tagesanfangs soviel Schönheit zu entdecken. Meine Aufgabe ist immer wieder, dorthin zu sehen und nicht auf die dunklen Seiten, die es zweifelsohne gibt. Klar. Es ist ein Kraftakt. Manchmal erfordert es alles. Aber wenn ich mir klar mache, dass Jesus sein Blut nicht vertröpfelt hat, sondern vergossen, dann sollte es für mich nicht mehr allzu kräftezehrend sein.

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