butterfly2god

Gedanken
Jesus

Brot des Lebens

12. April 2020

Heute ist Ostern. Das Fest, an dem wir die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus feiern.

Dieses Jahr läuft alles ein wenig anders als wir es gewohnt sind. Wir leben in einer Zeit der Krise und wir müssen uns gewaltig umstellen, damit unser Leben weiter läuft.

Ich möchte gar nicht näher darauf eingehen. Das tun andere Blogschreiber sicher viel besser.

In einer Zeit, in der wir uns nicht mehr in Gruppen zusammentreffen können, wird alles ein wenig ruhiger. Wir haben die Gelegenheit, tiefer in manche Beziehungen, Gedanken und Gefühle einzutauchen. Und bei mir ist das durchaus auch meine Beziehung zu Jesus.

Seit einigen Jahren nun schon bin ich eine gläubige Christin. Mit Höhen und Tiefen, das ist klar. Wahrscheinlich sogar mehr Tiefen als Höhen. Jedes Mal jedoch, wenn ich die Passionsgeschichte in der Bibel lese, werde ich gepackt. Jedes Mal bekomme ich Gänsehaut über das, was damals geschah. Jedes Mal staune ich über die gleichen Dinge, manchmal entdecke ich auch Neues. So wie heute.

Ich habe einen Vers aus Johannes 6 gelesen, im 2.ten Teil der Bibel, der erst mal gar nichts mit der Passion zu tun hat. Jesus sagt dort:

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt wird nie wieder hungern. Wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.

Johannes 6, 35 NLB

So oft schon habe ich diesen Vers gelesen und ihn immer mit tatsächlichem Hunger verglichen. Wir in der westlichen Welt kennen Hunger kaum. Uns ist es eher fremd. Wir gehen in den Supermarkt und dort gibt es soviel was wir zu essen kaufen können, dass uns manchmal die Entscheidung schwer fällt, was wir denn nun eigentlich nehmen sollen. In anderen Teilen der Welt sieht das mit dem Hunger schon ganz anders aus. Die Menschen können mit der Qual des Hungers wirklich etwas anfangen. Wir sind oft so satt, dass wir denken, wir brauchen kein Brot des Lebens. Und dieses Sättigungsgefühl bezieht sich nicht nur auf den körperlichen Hunger. Es bezieht sich auch auf den psychischen Hunger.

Doch manchmal blitzt er auf, der psychische Hunger. Durch Angst, Unzufriedenheit, Streit, Ablehnung, Sorge, Krankheit etc. Auf einmal werden wir innerlich unruhig und spüren, dass da etwas fehlt. Wir machen uns auf die Suche nach Sättigungshilfen.

Bei mir persönlich ist es ganz stark, dass ich nach einer Beziehung suche, die diesen Hunger stillt. Im Inneren bin ich so einsam, fühle mich unverstanden und habe den Eindruck, dass ich alles allein bewältigen muss. Deswegen steigere ich mich immer wieder in Beziehungen hinein und sauge mein Gegenüber aus. Ich docke so nah an mein Gegenüber an, dass er sich schon kaum mehr bewegen kann, weil ich so schwer an ihm hänge. Das passiert mir immer wieder. Manchmal habe ich „Glück“ und die Menschen machen das eine kleine Weile mit. Dann erkennen sie, dass sie es nicht mehr schaffen, mich zu tragen und wenden sich ab. Um sich zu schützen, um andere Beziehungen zu schützen, vielleicht auch sogar, um mir etwas Gutes zu tun. In mir hinterlässt es jedes Mal aufs Neue eine immense Leere. Wieder ein Grund, warum ich nicht gut genug bin. Wieder jemand, der mich nicht verstanden hat. Wieder habe ich nicht alles richtig gemacht. Wieder einmal mehr ist es ein Grund, warum das Leben für mich einfach zu schwer ist.

Und ich lerne nicht daraus, dass ich mich umdrehe und zu Jesus renne. Nein. Ich lerne daraus, dass ich mich niemandem mehr nähern möchte. Ich möchte niemanden mehr meine Gedanken und Gefühle mitteilen. Bis jemand kommt, der zuhört. Der da ist. Der mich versteht. Dann fließe ich über vor angestauten Gedanken und Gefühlen. Und was passiert? Richtig, der Teufelskreis setzt wieder ein und ich ziehe mich in letzter Instanz noch weiter zurück.

Nun lese ich diese Worte neu aus Johannes und denke darüber nach was es heißt, dass ich nie wieder Hunger haben werde. In meinem Fall, dass ich nie mehr das Gefühl der inneren Beziehungsleere und damit auch das Gefühl der Unzulänglichkeit loswerde. Weiter frage ich mich, was es mit der Passionszeit zu tun haben soll. Und auf einmal tut sich wieder ein Stück Himmel auf. Ich erkenne, was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Wenn ich solch eine Erkenntnis habe, dann bin ich immer erst mal ein wenig geflasht. Diese „Offenbarung“ haut mich um. Im zweiten Moment denke ich dann, dass es wohl nicht so eine riesen Erkenntnis ist und das bestimmt schon theologisch 100 mal irgendwer und irgendwo begründet hat. Also, falls du diese Erkenntnis schon hattest, darfst du dich nun anderen Dingen zu wenden.

Jesus nimmt an seinem letzten Mahl mit seinen Freunden das Brot und sagt: „Nehmt, denn das ist mein Leib.“ (Nachlesen kannst du das hier.) Auch das ist etwas, was ich schon oft gelesen und gehört habe, was ich sogar als Metapher durchaus verstanden habe. Jetzt begreife ich jedoch die tieferen Zusammenhänge. Jesus hatte die Menschen schon vorher darauf hingewiesen, dass er allein das Brot ist, das den Hunger stillt. Und nun sagt er es wieder, dass sie den Leib nehmen sollen, den er geben wird.

Nur kurze Zeit später passiert das alles. Jesus hängt am Kreuz. Sein Körper, sein Leib, das Brot, das den Hunger stillt, hängt dort. Und warum? Weil ein paar Menschen ihn umbringen wollten? Nein. Weil es der Erfüllung eines tieferen Plans dient. Weil Jesus tatsächlich den Hunger stillen kann. Er kann sogar den physischen Hunger stillen, wenn wir ihn darum bitten. Er kann aber noch viel mehr den psychischen Hunger stillen. Er allein passt in das Loch, das mein Herz diese Leere spüren lässt. Er stillt meinen Hunger nach Beziehungen. Er stillt meinen Hunger in der Angst. Er schenkt mir Frieden.

Wir durften im Karfreitagsgottesdienst den Tausch, den Jesus uns am Kreuz anbietet, ganz praktisch mitmachen. Wir wurden aufgefordert, dass wir das, was uns belastet, was uns hungrig und unruhig macht, auf einen Zettel zu schreiben. Diesen haben wir dann ans Kreuz gelegt. Dabei bleibt es aber nicht. Denn wir dürfen im Austausch etwas mitnehmen. Denn sonst hätten wir wieder eine Leere. Diese Leere möchte Jesus aber füllen.

Ganz praktisch sieht es bei mir so aus: Wenn ich Jesus meinen Wunsch nach dieser tiefen Beziehung ans Kreuz lege, dann lässt er mich nicht leer zurück gehen. Denn er spricht mir zu, dass er mich liebt und mich nie allein lässt. Wenn ich ihm die Angst um die Zukunft nach dieser Krise ans Kreuz lege, lässt er mich nicht leer zurück gehen, sondern schenkt mir Hoffnung. Wenn ich ihm mein Versagen in der Erziehung ans Kreuz lege, lässt er mich nicht leer zurück gehen, sondern schenkt mir Vergebung und die Chance auf einen Neuanfang. Und das nicht nur einmal. Sondern 7 mal 70 mal und öfter. Denn er ist das Brot des Lebens und das wird nie leer. Wir dürfen immer wieder ein Stück davon brechen und zu uns nehmen um unseren Hunger zu stillen.

Mein Gebet in dieser verrückten Zeit ist, dass die Menschen verstehen, dass Ostern nicht eine einmalige Gelegenheit ist. Dass wir dieses Fest nicht feiern, um als Familie zusammen zu kommen, oder mal wieder die Kirche zu besuchen. Dass der Grund von Ostern nicht 2 freie Tage sind. Dass wir nicht Urlaub machen können, weil Ostern ist. Sondern dass es ein Fest ist, an dem es um mehr geht. An dem uns gezeigt wird, dass Jesus sich selbst, das Brot des Lebens, gegeben hat, damit wir satt werden. Damit unser körperlicher Hunger und auch der geistliche Hunger gestillt werden können.

Betest du mit?

Bild von Pixabay

  1. Wie schön, dass sich für dich ein Stück Himmel aufgetan hat, gerade jetzt an Ostern! Und dieses Stück Himmel wird auch offen bleiben. Jedesmal, wenn du zu Jesus rennst und Ihn deinen Hunger stillen lässt; jedesmal, wenn du den Tausch am Kreuz vollziehst, eine Last loswirst und dich von Jesus beschenken lässt… jedesmal greifen Erde und Himmel ineinander und du bist direkt in den Armen von Jesus, dem Auferstandenen. Was für eine wunderbare Oster-Botschaft! In diesem Sinne: Frohe Ostern…

    … und ja: Ich bete mit 😊

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