butterfly2god

Gedanken
Leben

Ende? Oder Anfang?

3. August 2019

Sprichwörter fallen mir eine Menge ein, wenn ich an mein momentanes Seelenleben denke. Oder zumindest versuche ich mir 2 davon immer wieder zu sagen:

  1. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus.
  2. Wenn dir das Leben in den Arsch Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen.

Das sind doch im Grund ganz nette Sprichwörter, die mir helfen können, nach vorne zu sehen und das, was mich gerade so umtreibt nicht allzu sehr zu dramatisieren, oder?

Im Grunde ist das durchaus richtig. Nur merke ich, dass ich leider immer wieder dazu neige, meine negativen Gefühle nach innen abzuschotten. Wenn mir etwas passiert, was mich aus der Bahn wirft, gebe ich mir keine Chance das alles zu verarbeiten um weiter zu kommen. Mit diesen netten Sprichwörtern versuche ich, meine negativen Gefühle und Gedanken zu deckeln. Leider passiert dann das, was irgendwann passieren muss, wenn man Druck deckelt: der Druck wird zu stark und irgendwann explodiere ich.

Manchmal wünsche ich mir eine Implosion. Die ist nicht besser, aber wenigstens schade ich damit nicht anderen. Wenn ich implodiere, schade ich nur mir selbst. Doch ich bin ein explosives Wesen und richte damit noch mehr Schaden an, der sich wie eine Spirale nach unten windet und mich immer weiter mit sich zieht. Da bleibt mir doch wahrlich nichts anderes übrig, als Zucker zu den Zitronen zu geben und die Limo zu trinken. Oder den Tritt zu nutzen mit ihm nach vorne zu schnellen und nicht zurück zu schauen.

Funktioniert nur leider gaaaar nicht!!!! Schlechte Ratgeber sind diese Sprichwörter.

Im Wald heute blieb mir beim laufen ein paarmal wirklich die Luft weg. Und das lag ausnahmsweise nicht an meiner mangelnden Kondition, sondern daran, dass mir immer wieder die Tränen in die Augen stiegen und ich sie mit Wut und Druck unterdrücken wollte. Das führt bei mir recht schnell zu Hyperventilation. Was beim joggen nicht wirklich hilfreich ist. Doch Tränen haben im Wald nichts zu suchen.

Dennoch habe ich mir überlegt, warum ich Wut, Frust, Enttäuschung, Ärger, Angst und wie die ganzen blöden Gefühle heißen, nicht in meinem Leben vorkommen dürfen. Mir wurde schon bewusst, dass ich nicht wütend auf jemanden sein möchte, weil Gott das nicht gefällt. Es steht in der Bibel an vielen Stellen, dass wir unseren Zorn im Griff haben sollen, die Sonne nicht über unseren Zorn untergehen lassen sollen und ein Dummkopf derjenige sei, der seinem Zorn nachgibt. An jeder Stelle (vor allem in den Sprüchen) wird mir heiß und kalt, weil mein Zorn wirklich oft unkontrolliert ist. Und ich mich somit wieder schuldig fühle.

Doch leider muss ich zugeben, dass ich auch sauer auf Gott bin. Wie kann das denn angehen? Bin ich etwa gar kein richtiger Christ? Sind alle meine Worte nur sinnlose Lippenbekenntnisse? Sind echte Christen sauer auf Gott?

Nehmen wir doch mal Hiob. (Neulich sprachen wir im Hauskreis über ihn.) Er wird der Willkür des Teufels ausgesetzt und verliert dabei nicht nur sein ganzes Hab und Gut, auch seine Kinder kommen alle ums Leben. Und was sagt Hiob?

„Jahwe hat gegeben und hat es wieder genommen. Gelobt sei der Name Jahwes.“

Bei alldem sündigte Hiob nicht und schrieb Gott nichts Ungebührliches zu.

NBH, Hiob 1, 21-22

Was für ein Mensch! Im Prinzip finde ich es super, dass Hiob nichts gegen Gott vorbringt, sondern einfach das alles so nimmt, wie er es erlebt. Es klingt so, als würde er seinen Verlust mit einem Schulterzucken abtun und sich sagen, tja, ist halt so. Doch verstehen kann ich das nicht.

Ich habe das Gefühl, dass mein Hintern schon grün und blau ist von all den Tritten, die das Leben mir so gibt. Im Wald kam ich nicht umhin Gott dafür auch anzuklagen. Warum schickt er mir immer wieder Menschen ins Leben, die mir wichtig werden und dann muss ich sie erneut loslassen. Ich habe dafür keine Kraft mehr. Jedesmal endet die ganze Geschichte wieder in einer neuen depressiven Phase. Ich sollte das schon kennen und dem aus dem Weg gehen. Doch Gott sollte das noch viel mehr wissen und mich dieser Challenge nicht mehr aussetzen. Was soll ich denn davon lernen???

Eine leise Stimme sagte es mir heute morgen. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, aber ich kann sie nicht ignorieren. Gott schenkt mir Menschen und ich mache sie mir zu eigen. Daraufhin nimmt er sie mir wieder weg. Weil ich aus dem Blick verliere, dass sie immer noch ihm gehören. Nicht mir. Diese Begründung hilft mir ein wenig zu verstehen, warum Gott das zulässt.

Was mir gar nicht hilft, ist die Tatsache, dass ich anscheinend aus den vielen Lernfeldern nicht in der Lage bin oder war, die passende Lektion für mich zu begreifen. Ich mache den gleichen Fehler immer wieder und scheine dabei recht resistent zu sein. Sollte Gott mir dann nicht helfen und mir in der Beziehung zeigen, wie ich es richtig machen kann? Gibt es ein richtig?

Bei meinem Lauf habe ich mich wirklich gefragt, was mit mir denn nicht stimmt. Warum bin ich so, wie ich bin? Und warum kann ich nicht so sein, wie Gott sich das denkt? Was macht mein Christsein, meine Jesusnachfolge aus? Bin ich bereit ihm alles zurück geben zu können oder halte ich einfach nur sinnlos an meinen eigenen Gedanken fest?

Wieder einmal mehr fange ich an zu zweifeln an dem wer ich bin und wer Gott für mich ist. Wieder einmal drehe ich mich in der Spirale, ob ich gut genug bin oder ob ich eine Versagerin auf der ganzen Linie bin. Wieder einmal frage ich mich, ob ich es noch schaffe, dieses Leben weiter zu führen, oder ob ich aufgeben soll. Wieder einmal bleibt mir nichts mehr als an der Hoffnung auf seine Güte und vor allem Gnade festzuhalten.

Bild von Pixabay

  1. Hallo 🙂
    Ich glaube nicht, dass die Bibel alle Arten von Wut ablehnt. Die destruktive Art der Wut schon – davor warnt sie. Aber wir lesen auch von ganz menschlichen Wutgefühlen, zum Beispiel bei David. Wenn man in die Psalmen schaut, stutzt man oft: Mann, hat der viel Wut. Da stehen so Sachen wie: lass meine Feinde umkommen, zerschmettere sie an den Felsen. Oder: Gott, hast du mich vergessen? Oder warum geht es dem Gottlosen so gut? David stellt hier ungeschminkt seine Fragen und äußert auch seine Wut über Menschen, und manchmal sogar seine Wut auf Gott. Und dann, ein paar Verse weiter liest man plötzlich ganz andere Töne. Davon, dass Gott eingreift, davon dass er Trost und Schutz bietet. Und es klingt Frieden durch die Verse hindurch und Glauben an Gottes Güte. Wut darf also sein. Aber der Rahmen sollte eben der richtige sein. Und das ist nicht in der unmittelbareb Reaktion auf Menschen, sondern ohne Menschen, nur mit Gott zusammen. Da dürfen wir unsere Wut äußern. Da dürfen wir Gott auch unsere Zweifel hinwerfen und ihm sagen, was wir alles ungerecht finden. Gefühle müssen raus, sonst machen sie uns krank. Unterdrückte Wut führt u.a. zu Depressionen oder psychosomatischen Krankheiten. Sie muss also geäußert werden. Aber am besten bei Jesus – unter seinem Schutz. Und wenn sie raus ist, dann sind wir wieder frei unseren Blick auf ihn zu richten. Zu sehen, dass er doch da ist. Dass er gut ist. Uns nichts Böses tut. Und die Wut auf andere Menschen dürfen wir bei ihm abgeben – nachdem wir sie auch fühlen und äußern durften. Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen. Und ich hoffe, dass du sehr bald bessere Zeiten erlebst. Ganz viel Segen und liebe Grüße!

    1. Liebe Bettina! Ich danke dir für deine Erinnerung an David, der wirklich manchmal hart ins Gericht gegangen ist. Wahrscheinlich empfinde ich Wut und Zorn als so negativ, weil ich nie richtig gelernt habe, damit konstruktiv umzugehen. Denn tatsächlich gehören diese Gefühle zum Menschsein dazu und auch Jesus war manches Mal ziemlich wütend. Und ich danke dir erst recht für deine Aufforderung, meine Wut bei und mit Jesus abzuladen. Denn er ist gekommen um zu heilen. Und dieses kaputt machende Gefühl gehört damit eindeutig zu diesem Arzt. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich das am geschicktesten anstelle. Vielen Dank für deine Worte und auch dir wünsche ich ganz viel Segen!

  2. „Tränen haben im Wald nix zu suchen“ …….schon mal der 1. Satz über den ich in hohem Bogen geflogen bin! Warum ? haben Tränen da nix zu suchen? Erklär mir das bitte mal. Wo haben sie denn was zu suchen? Gibt es nur bestimmte Orte, an denen Tränen was zu suchen haben? Nur im stillen Kämmerlein? Nur wenn es keiner sieht? Wenn ich damit niemand brüskiere? Bitte nur dann, wenn ich alleine bin und vor mich hin heulen kann? Oh nein! Tränen sind soviel mehr können soviel mehr ausdrücken! Ich kann heulen, wenn ein Fußballspiel in die Hose geht. Oder wenn wir eins gewinnen. Ich heule wenn ich ein gutes Buch lese. Oder wenn ich mein Geld für ein schlechtes Buch ausgegeben habe. Wenn ich einen tollen Film gucke und da leg ich mich nicht fest auf ein bestimmtes Genre. Nein. Querbeet. Liebesschnulze. Western. Komödie. Tragödie. Krimi. Action. Thriller. Tränen passen überall! Und ich kann sie bei jedem Film verdrücken 🙂 Echt! Sie sind Ausdruck von unseren Gefühlen, unseren Stärken und Schwächen. Natürlich heißt das nicht, dass ich morgens aufstehe, mir ein „Heute ist mein Weintag Schild“ umhänge, rausgehe und mit tränenverschleierten Augen durch die Gegend renne, immer in der Hoffnung, dass mich a) jeder drauf anspricht oder b) keiner drauf anspricht, je nachdem, wie ich es gerne möchte. So wären sie ja Mittel zum Zweck.
    Nein. Tränen sehe ich als Reinigung von Körper und Geist. Ich fühle mich hinterher immer erleichtert und sauber. Frisch bereit für neue Taten. Befreit von einem Rucksack, den ich manchmal aufhabe. Und manchmal sind sie ein Ventil, wie bei einem Dampfdrucktopf, der den angestauten Druck nicht mehr zurückhalten kann und anfängt zu piensen. Bis sich das Ventil oder die Schleusen ganz öffnen. Dann kommt alles raus. Was muss, das muss. Und dann ist mir wieder ganz leicht ums Herz!
    Und den Rest kommentier ich dann morgen, liebe Astrid! Drücker für Dich! 🙂

    1. Liebe Silvia! Ich verstehe was du meinst. Auch ich kann weinen bei Filmen oder wenn ich ein gutes Buch lese. Das sind aber keine Tränen über mich und mein Versagen. Diese Art der Tränen fallen mir schwer. Und allzu gern verbiete ich sie mir. Vor allem, wenn ich etwas anderes mache. Wie zum Beispiel im Wald joggen zu gehen. Dann will ich laufen und nicht heulen. Aber ich glaube, ich muss lernen, diese Art der Tränen auch zuzulassen und dafür auch mal bewusst in den Wald zu gehen. Nicht zum joggen, sondern zum heulen. Und dann nehme ich Jesus mit und er kann mich gleich trösten. Aber ich danke dir, dass du mich daran erinnerst, dass es nach dem Weinen wieder leichter ums Herz ist. Das ist nämlich richtig. Der Rotz muss raus und darf nicht gedeckelt werden.
      Gottes Segen für dich, meine Liebe!
      P.S. Ich bin auf deine weitere Ausführung gespannt 😉

  3. Liebe Astrid, ich finde wieder einmal deine Offenheit sehr berührend und mir kam als erstes der Gedanke, der auch nicht neu ist, dass zum Glück Gottes Gnade größer ist als unsere eigene – sei es anderen gegenüber, aber vor allem auch dir selbst gegenüber.

    Dann aber die Frage: Wenn Gott will, dass ich etwas lerne, warum hilft Er mir nicht dabei? Warum verspricht Er, mich zu befähigen, und tut es dann scheinbar nicht? Fragen, die ich mir diesen Sommer des Öfteren gestellt habe und die deinen, glaube ich, ziemlich ähnlich sind. Eine vollkommene Antwort habe ich nicht gefunden, aber ich bin immer wieder zu dem Punkt gelangt, dass Er mich vielleicht anders befähigt, als ich es in dem Moment wahrnehmen kann. Ich will gleich die Früchte sehen, den Beweis für die Befähigung (den am besten natürlich die Menschen um mich herum auch sehen sollen…), aber so tickt Gott wohl nicht. An den Punkt, dass Er mir vielleicht etwas anderes beibringen will, als ich meine schon als Lektion erkannt zu haben. Hmm, diese Beschreibungen treffen es nicht ganz. Es war mehr ein Gefühl, dass ich trotz der unbeantworteten Fragen und trotz des Sauer-Seins auf Gott mit Ihm und Seiner Liebe verbunden war, und dass das mehr wog als meine negativen Empfindungen Ihm gegenüber. (Was nicht heißen soll, dass die Fragen weg sind, sie kommen immer wieder, aber sie werfen mich nicht mehr um.) Ich wünsche dir, dass du das auch so ähnlich erlebst, auf deine ganz persönliche Art!

    Und ich glaube auch, dass Gott nichts gegen Emotionen, einschließlich Zorn, an sich hat. Schließlich hat Er uns so geschaffen, dass wir Emotionen haben – hätte Er ja nicht tun müssen, wenn er grundsätzlich ein Problem damit hat 😉 Die Frage ist wohl eher, was wir damit machen… Vor Kurzem gab es bei uns eine Predigt über Psalm 137, wo in Vers 7 die schon in einem anderen Kommentar erwähnte Aussage steht „Glücklich ist, wer deine kleinen Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!“ Das will man gar nicht lesen! (Ich jedenfalls nicht, allein die Vorstellung tut schon zu sehr weh.) Ich erinnere mich nicht an alles aus der Predigt, aber ein Punkt war, dass die Israeliten im Exil, von denen dieser Psalm stammte, mit ihrem Leid, ihrem Zorn und selbst ihren Rachegedanken – und die waren wirklich nicht schön! – zu Gott kamen, es ihm entgegenschleuderten. Und ich hoffe, dass du das auch tun kannst. Dass du einen Weg findest, wie du Wut und andere Gefühle bei Jesus abladen und dann auch bei Ihm lassen kannst.

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