butterfly2god

Gedanken
Glauben

El-Roi

19. Mai 2019

Es gibt Zeiten im Leben, die sind nicht wirklich einfach durchzustehen. Da braucht es eine Menge Geduld, Ruhe, Hoffnung, Glauben und Vertrauen. Wenn davon etwas fehlt, ist diese Zeit noch dunkler, windiger und schwieriger.

Mir kam neulich Hagar in den Sinn. Kennst du Hagar? Sie war die Sklavin von Sarah, die damals noch Sarai hieß. Und diese war die Frau von Abraham (der sich damals noch Abram nannte). Nachlesen kannst du ihre Geschichte hier.

Doch lass es mich kurz für dich in eigenen Worten zusammenfassen. Sarah und Abraham konnten keine Kinder bekommen. Dabei hatte Gott Abraham versprochen, dass er unzählige Nachkommen haben würde. So warteten sie und wie Menschen nun mal sind, wenn sie keine Lust mehr haben zu warten, nehmen sie ihr Schicksal selbst in die Hand. So kam Sarah auf eine ganz wunderbare Idee…

Hagar stand am äußerten Rand der Gesellschaft. Sie war eine Sklavin. Das bedeutet, sie gehörte jemanden. Sie war ein Gegenstand, mit dem ein anderer machen konnte, was er wollte. Wenn ihre Herrin ihr einen Befehl gab, hatte sie ihn zu erledigen. Wenn sie es nicht tat, konnte sie dafür bestraft werden. Sarah kam nun also zu Hagar und sagte vielleicht folgende Worte: „Geh ins Zelt zu meinem Mann Abraham und sei ihm zu Willen.“

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie sich Hagar in dem Moment gefühlt haben muss. Vielleicht fand sie die Vorstellung ganz angenehm, denn immerhin war Abraham ja ihr Herr, ihr Vorgesetzter. Vielleicht fand sie ihn nett? Doch wahrscheinlicher ist, dass sie diese Idee eher schrecklich fand. Sie musste sich mit jemanden einlassen, von dem sie genau wusste, dass er keine Gefühle für sie hat. Heutzutage nennt sich das „zur Prostitution gezwungen“. Sind wir doch mal ehrlich. Auch wenn es hart klingt. Dennoch hörte sie, denn die Konsequenzen waren wohl ungleich härter.

Nun wurde sie also tatsächlich schwanger. Sarahs Plan ging auf. Und auch hier reagiert Hagar ziemlich menschlich. Sie fühlt sich Sarah überlegen und lässt das auch deutlich raushängen. Jetzt findet Sarah ihren Plan wohl nicht mehr so gut. Statt sich selbst diese Konsequenz zuzuschreiben, beschwert sie sich bei ihrem Mann über diese Unverfrorenheit der Sklavin. Und auch von ihm ist keine Rückendeckung zu holen. Er sagt: „Mach was du willst mit ihr. Sie gehört dir.“ Hagar hat zwar Abrahams Kind unter ihrem Herzen, aber sie ihn Schutz zu nehmen, wäre wohl zu viel verlangt… Also ist Sarah sehr hart zu Hagar und scheucht sie ordentlich durch die Gegend. Das hält Hagar nicht aus. Sie läuft davon.

An dieser Stelle kann ich Hagar so gut verstehen! Klar, sie hat sich sicher auch nicht prima verhalten, als sie Sarah gegenüber hochmütig wurde. Doch immerhin war es Sarahs Idee gewesen. Hagar wurde in eine Situation gebracht, die sie sich nicht selbst ausgesucht hat. Sie wurde fremdbestimmt. Ich möchte nicht behaupten, dass ich fremdbestimmt werde. In einigen Situationen mag mir das so erscheinen. Doch lebe ich unter Bedingungen, die mir ziemlich alle Freiheiten lassen. Jedoch „musste“ auch ich letztens meine Tasche packen, weil ich das Gefühl hatte, es hier nicht mehr auszuhalten. Ich dachte, ich hätte mein Leben einigermaßen im Griff. Ich bin längst nicht mehr in einem tiefen Depressionsloch. Ich bin ruhiger. Habe Gott wieder mehr im Blick und gehe durch bestimmte Situationen besser mit ihm hindurch. Doch dann gab es einen Moment, wo mir alles aus den Händen glitt. Ich reagierte, wie ich niemals reagieren sollte, oder wollte. Ich tat etwas, was in meinen Augen unverzeihlich ist und damit brach unter mir der Boden weg. Ich fiel und fiel und landete in dem Loch das ich so gut kenne. Ich riss meine Tasche aus dem Schrank, packte Dinge hinein, überlegte, wohin ich nun gehen könnte. Ich wollte einfach nur weg. So wie Hagar. Sie hielt die Situation nicht mehr aus. Und ich ebenfalls nicht.

Doch Hagar hatte jemandem, der ihr nachlief. Er fand sie in der Wüste an einer Quelle. Und er spricht sie an. Faszinierend ist hier, dass er sie mit ihrem Namen anspricht. Und auch mit ihrer „Identität“. „Hagar, Sklavin von Sarah“ sind die ersten Worte, die sie von ihm vernimmt. Er weiß, wer sie ist. Und was sie ist. Und sicher weiß er noch viel mehr. Dennoch fragt er weiter: „Woher kommst du und wohin gehst du?“ Er will es von ihr wissen. Er möchte mit ihr ins Gespräch kommen. So ist Gott! Er kennt unseren Namen und er kennt unsere Identität. Er weiß auch, was uns dazu gebracht hat, wegzulaufen. Doch er möchte es von uns hören und mit uns ins Gespräch kommen. Und sie erzählte es ihm. Und Gott gab auch ihr ein Versprechen. Sie sollte zurück gehen in ihr Leben. Sie sollte tun, was Sarah ihr befahl. Er würde dafür sorgen, dass sie ihren Sohn und noch viele Nachkommen bekommen dürfte. Er machte ihr klar, dass er sie sieht und dass er sie hört.

Hagar sagt:“Ich habe den gesehen, der mich sieht.“

Was braucht es mehr?

Ganz ehrlich: Meine gepackte Tasche steht immer noch im Zimmer. Einige Dinge sind schon wieder ausgepackt. Dennoch habe ich es noch nicht über mich gebracht, sie ganz wegzuräumen. Die Wunde die es in mir geschlagen hat, tut immer noch sehr, sehr weh. Ich habe weiterhin das Gefühl, dass ein Stein auf meiner Brust liegt, der einfach nicht leichter wird. Das Atmen fällt mir immer noch schwer. Doch dieser Satz „Ich bin der Herr, der dich sieht“ geht mir seitdem im Kopf herum. Warum habe ich nicht einfach die Tasche ins Auto geladen und bin losgefahren? Dafür gibt es einen einfachen Grund. Ich wusste schlicht nicht wohin. Das hat mich gelähmt. Ich wollte weg. Zu jemanden, der mich tröstet. Der mich versteht. Und doch wusste ich, dass es diesen jemanden hier nicht gibt. Ich wünsche es mir so sehr, dass es einen Menschen gibt, bei dem ich einfach sein kann. Doch den werde ich hier nicht finden. Es gibt nur einen, bei dem ich sein kann. Und dieser jemand, hat mir seitdem diesen Satz in den Kopf gesetzt: „Ich sehe dich. Ich bin ein Gott, der dich sieht.“

Das tröstet mich. Es tut immer noch sehr weh. Und die Bilder verschwinden nicht aus meinem Kopf. Doch Gott ist auch bei mir. So wie er bei Hagar war. Sie war eine Sklavin, niemand wichtiges. Sie stand ganz unten. Und dennoch sah Gott sie und nicht nur das. Er ging ihr nach, sprach mit ihr, gab ihr neue Hoffnung. Wenn er das damals getan hat, dann tut er das heute noch genauso. Er ist ein Gott, der mich sieht. Der dich sieht. Egal, wie die Umstände gerade sind.

El – Roi!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.