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Gedanken
Jesus

Ein seltsamer Tag

19. April 2019

Hier sitze ich auf der Terrasse, mit Blick auf einem schneebedeckten Berg, davor ein tiefblau-türkiser Schwimmteich. Ich höre Vögel zwitschern, Wasser plätschern, Kinder lachen. Außerdem ist mein Bauch voll. Es gab ein leckeres Mittagessen und jetzt darf ich einfach den Frieden des Tages genießen.

Mir geht es gut. Ist das nicht wunderbar? Ja, natürlich ist es das. Denn das ist es doch, was die Welt uns immer wieder klar machen will. Dass es dir gut gehen kann, darf, soll, muss und du dafür auch die Verantwortung trägst. Easy, oder? Ich muss zugeben, an einem Ort wie diesem ist es das.

Doch da schreibe ich heute morgen eine Nachricht. Sie sprudelt nur so vor Euphorie, vor Freude auf den Tag. Und ich wünsche meinem virtuellem Gegenüber auch einen schönen Tag. Kaum lege ich mein Smartphone weg, fällt mir ein, was heute eigentlich für ein Tag ist. Ob ich da so euphorisch sein darf?!?

Beim Frühstück gebe ich meinen Eindruck an meine Kinder weiter. Wie schwer es mir fällt, an diesem Tag, der so voller Sonnenschein, Wärme, Vogelgezwitscher ist, etwas Schweres zu spüren. Wir überlegen, wie viele Menschen, die uns umgeben, eigentlich über diesen Tag Bescheid wissen.

Auf dem Weg zum Mittagessen fällt mir eine Schlagzeile der hiesigen Zeitung ins Auge. Dort steht: Er trägt sein Kreuz. Aha, es gibt doch noch Menschen, die mit dem Tag heute etwas anfangen können. Und jeder der Menschen hier um mich herum ist in der Lage, sich über den Tag klar zu werden.

Beim Mittagessen selbst gibt es nur Fisch. Kein Fleisch. So wie es sich für Karfreitag eben gehört.

Nun haben wir es also geklärt. Genau. Es ist Karfreitag. Der Tag an dem wir daran denken, dass Jesus am Kreuz gestorben ist.

Aber was bedeutet das heute noch für mich? Wie schon gesagt, fällt es mir an so einem hellen, sonnigen Tag schwer, mir das Geschehen überhaupt bewusst zu machen. Des weiteren frage ich mich, ob ich an diesem Tag überhaupt solch angenehme Dinge wie diesen Urlaub genießen darf. Darf ich Freude empfinden?

Nun, auf der anderen Seite: Wieso nicht? Ich kenne die Geschichte und ich weiß, wie sie ausgeht. Ich weiß, dass hinter der Trauer der heutigen Erinnerung pure Freude steht. Gleichzeitig finde ich es unglaublich, dass immer noch ein Veranstaltungsverbot an Karfreitag besteht. Das laute Musik, Feiern und Spaß haben nicht kommerziell stattfinden darf.

Damals in Jerusalem als Jesus vor Pilatus stand, feierte die Menge. Sie jubelten, als sie hörten, dass Jesus anstatt eines Mörders ans Kreuz genagelt werden sollte. Vielleicht tanzten auch einige dabei. Ich würde wirklich gern diese Energie miterleben, diesen Umschwung der Gefühle der Jerusalemer. Zuerst rufen sie: Hosanna, der König kommt! Dann schreien sie: Kreuzigt ihn! Was ist passiert, wer war der Redensführer, der die Stimmung so kippen konnte? Ich kann das nicht nachvollziehen. Doch auf der anderen Seite geht es mir heute micht genauso? Einerseits bin ich traurig, dass Jesus sein Leben für uns opfern musste, dass das sein Weg war, den er gehen musste. Andererseits bin ich glücklich, dass er es getan hat und gehorsam war.

Ups, da bin ich von der feiernden Menge abgeschweift. Kommen wir dorthin zurück. Sie jubeln, als Pilatus endlich verkündigt, dass Jesus ans Kreuz geschlagen werden soll. Eine Party kommt auf und auf seinem letzten, schweren Weg stehen die Menschen um ihn herum, feiern ihre perverse Party weiter, indem sie ihn anspucken, beschimpfen, schubsen, auslachen und das auch noch als Spaß empfinden. Wenn ich mich in diese Situation hineinversetzen will, dann fliehe ich sofort wieder in mein kuscheliges Terrassenfeeling. Das halte ich gar nicht aus. Nicht auf Seiten der feiernden Menschen, und erst recht nicht auf Jesus Seite. Wie er das geschafft hat, ohne den Menschen das Kreuz ins Gesicht zu werfen, ist mir ein Rätsel.

Doch was blieb, nachdem Jesus am Kreuz starb? Wäre jetzt nicht die Gelegenheit richtig abzufeiern und in Freudentaumel zu versinken? Hallo? Jungs! Ihr habt euren Willen bekommen. Ihr habt verspottet, vernichtet, gesiegt! Warum liegt ihr euch nicht in den Armen? Warum steigt kein Freudenfeuer? Warum schaut ihr auf einmal so traurig aus? So verwirrt? So schuldig?

Sie haben es erkannt. Sie haben erkannt, was sie getan haben. Sie haben verstanden, dass Jesus absolut unschuldig war. Dass er sogar der tatsächliche Sohn Gottes war. Und sie haben sich eines riesigen Verbrechens schuldig gemacht. Wie gut nur, dass es (noch) keinen Richter gibt, der sie dafür anklagen kann. Wie gut, dass sie sich in der Menge verstecken können. Ich habe geschrieen, dass sie ihn kreuzigen sollen? Hast du nicht meinen Nachbarn gehört? Der war noch viel lauter als ich! Und die Römer! Die haben sogar um seine Kleidung gespielt! Da war ich doch nur ein kleines Licht. Ein unbedeutender Mitläufer.

Und das, ihr Lieben, das will ich mal deutlich sagen, das hat sich in den 2000 Jahren nicht geändert! Noch heute verstecken wir uns gern in der Masse, wenn wir merken, dass etwas schief gelaufen ist. Doch was hat Jesus getan? Er hat sich nicht versteckt. Er war da, als die Soldaten ihn verhaftet haben. Er war da, als die Menge für seinen Tod plädierte. Er hat sogar noch seine „Schuld“ zugegeben, dass er der Sohn Gottes ist. Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen. Er hat sich ins Grab legen lassen. Er war gehorsam. Er hat das getan, was seine Aufgabe war. Ohne wenn und aber! Was für ein Gott!!!

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