butterfly2god

Gedanken
Leben

Dunkel ist nicht gleich dunkel

15. Februar 2019

Da ist sie wieder. Mein vertrauter Feind. Schwarz, mit langem zotteligen Fell, großen Tatzen mit ziemlich scharfen Krallen, einem langen spitzen Maul mit gelben, scharfen Zähnen, gelblichen Augen, die jeden meiner Schritte verfolgen und auf den richtigen Zeitpunkt warten, wann sie zuschlagen kann.

Ich erkenne sie. Wie sie um mich herum schleicht. Wir belauern uns. Ich suche nach dem passenden Zeitpunkt um wegzulaufen, mich zu verstecken. Sie wartet auf den Zeitpunkt, wann sie den vernichtenden Schlag anwenden kann, der mich auf den Boden zwingt. Wann sie mir neue Wunden zufügen kann, mit ihren Krallen, oder ihren unheimlichen Zähnen.

So starten wir eine Art Tanz. Mal kommt sie näher, doch dann gelingt es mir, einen größeren Abstand zu gewinnen. So geht es immer weiter. Eins muss ich wohl einsehen. Sie wird wohl mein ganzes Leben ein Teil von mir bleiben. Ich kann sie nicht loswerden, so sehr ich es auch will. Am liebsten würde ich ihr einmal einen vernichtenden Schlag versetzen. Doch das schaffe ich nicht. Dazu ist sie zu geschickt. Zu gewandt. Sie versteht sich hervorragend auf den Tanz, aber auch auf den Kampf.

Heute habe ich sie so deutlich gespürt. Ich rede von der Dunkelheit, die mich in der Depression vernichten kann. Sie kroch auf mich zu. Gestern kam sie schon näher. Doch da habe ich sie noch nicht so sehr wahrgenommen. Heute habe ich dagegen ihren Schatten und ihren Atem gespürt. Und ich merke, ich muss meine Taktik ändern. Entweder wird sie mich angreifen und mir neue Wunden zufügen, denn sie ist die Erprobtere, die Geschicktere im Kampf, oder ich versuche einen neuen Weg.

Ich habe auch schon eine Vorstellung davon, wie dieser Weg aussehen könnte. Bringt es etwas, wenn ich Angst vor irgendwas habe? Was sagt die Bibel dazu? Sie sagt 365 Mal „Hab keine Angst. Fürchte dich nicht.“ Für jeden einzelnen Tag im Jahr einmal. Wenn ich vor etwas Angst habe, kann ich mich zum einen auf dieses Wort verlassen. Denn ich weiß auch, warum ich keine Angst haben muss. „Der Herr, dein Gott, ist bei dir.“ Er verlässt mich nicht. Er kämpft für mich.

Und zum anderen kann ich der Angst ins Gesicht schauen. Ich habe mich heute getraut, diesen Schatten und diesen fiesen Atem anzuschauen. Ich bin nicht davon gelaufen, sondern stehen geblieben und habe mir angesehen, was mir davon solche Angst macht. Es ist ein lähmendes Gefühl, unter dieser Dunkelheit zu liegen, nicht zu wissen, wo oben und unten ist. Diese Dunkelheit neigt dazu alles Licht zu verschlucken. Ich weiß nicht mehr wo ich bin, ich weiß nicht mal mehr, wer ich bin. Das macht mir Angst.

Nun kann ich aber versuchen, dieses wilde Tier zu zähmen. Als wir neulich auf einer Mondwanderung im Wald unterwegs waren, erzählte uns unsere „Führerin“, dass es in deutschen Wäldern Wölfe gebe. Gleich darauf fügte sie hinzu:“Aber ihr wisst sicherlich, dass ihr keine Angst vor Wölfen haben müsst, oder?“ Mein Sohn antwortete sehr überzeugend, dass er das natürlich wisse. Ich hingegen gab meine Unwissenheit zu. Daraufhin meinte sie weiter:“Wenn ihr einem Wolf begegnet, dann stellt ihr euch vor ihn hin und schreit ganz laut. Wölfe sind nämlich sehr scheu. Dann rennt er weg.“ Ich fragte mich im Stillen, ob der Wolf denn wohl auch wisse, dass er eigentlich sehr scheu sei. Vor allem dann, wenn er hungrig sei. Die Frage stellte ich aber lieber nicht laut. Das war auch gut so, denn meine Tochter sagte mir dann hinterher:“Als sie das von den Wölfen erzählt hat, hatte ich aber doch ein bisschen Angst.“ Ich konnte das so gut nachempfinden.

Doch vielleicht geht es mir mit meinem Tier ähnlich? Vielleicht ist es eigentlich auch scheu? Wenn ich mich hinstelle und es anbrülle? Ach nein. Das mag ich auch nicht. Denn dann kommt es wieder und ist vielleicht noch wilder? Aber ich könnte es unter Umständen zähmen? Indem ich ihm von dem erzähle, der Dunkelheit nicht kennt?

In Psalm 139 bin ich letztens auf folgende Verse gestoßen:

Und spräche ich: „Nur noch Finsternis soll mich umgeben, und der helle Tag um mich her soll sich verwandeln in tiefste Nacht!“, dann wäre selbst die Finsternis nicht finster für dich und die Nacht würde leuchten wie der Tag. Ja – für dich wäre tiefste Dunkelheit so hell wie das Licht.

Psalm 139, 11-12, NGÜ

Weiter vorne steht noch geschrieben:

Wohin könnte ich schon gehen, um deinem Geist zu entkommen, wohin fliehen, um deinem Blick zu entgehen? Wenn ich zum Himmel emporstiege – so wärst du dort! Und würde ich im Totenreich mein Lager aufschlagen – dort wärst du auch! Hätte ich Flügel und könnte mich wie die Morgenröte niederlassen am äußersten Rand des Meeres, so würde auch dort deine Hand mich leiten, ja deine rechte Hand würde mich halten!

Psalm 139, 7-10, NGÜ

Ja, ich kenne das. Das ich mich umdrehe und mich verstecken will. Doch ich habe inzwischen verstanden, dass ich das nicht kann. Denn Gott ist überall! Doch auch, wenn mich das Tier umwirft, wenn ich das Gefühl habe, es nimmt mich in sein Maul und trägt mich an einen der genannten Orte. Was soll dann passieren? Nichts! Denn Gott ist dennoch da! Und bei ihm gibt es keine Dunkelheit. Bei ihm ist Dunkelheit wie das helle Licht.

Neulich las ich in einem Buch von einem jungen Mann, der verfolgt wurde. (Es ist ein Roman, keine Biografie, oder anderweitig wahre Geschichte. Und doch ist es sicher die Geschichte von jedem von uns…) Es war Nacht und er kletterte auf einen Baum, um seine Verfolger abzuschütteln. Dort saß er in tiefer Dunkelheit, hatte Angst, dass er entdeckt werden könnte und ebenso hatte er Angst um sein Leben. Dann hob er den Blick und sah über sich einen kleinen Stern. Er war nicht hell, doch er gab Licht. Und wo Licht ist, ist Hoffnung, sagte er sich. Plötzlich wurde er ruhig und seine Angst verwandelte sich in Mut.

Wie mich dieser kleine Auszug angesprochen hat! Ein kleines Licht gab ihm Hoffnung in seiner Situation. Es füllte sein Herz und ließ seine Angst kleiner werden.

Gott ist quasi wie ein 1000 Lux heller Strahler. Oder noch heller. Jedenfalls durchdringt es alles. Ach was, bei ihm gibt es keine Dunkelheit. Denn er ist Licht! Und wenn ich meinen Blick auf ihn richte, vertreibt es die Dunkelheit und Hoffnung kann in mir einziehen.

So habe ich meinen Weg mit dem Tier gefunden. Ich hoffe nur, dass ich mich jedes Mal daran erinnern werde, wenn ich seine Spuren wieder entdecke!

Siehst du die kleinen hellen Punkte auf dem Bild? Das müssen nicht unbedingt Fecken oder Staub auf deinem Bildschirm sein. Das sind Sterne. Sie leuchten in der Nacht. So ist die Nacht nicht dunkel. Und das alles hat Gott gemacht, um zu zeigen: ich bin Licht! Hab keine Angst, fürchte dich nicht. Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir!

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