butterfly2god

Gedanken
Leben

Gewonnen!

19. Januar 2019

Nach etlichen Wochen war ich endlich mal wieder im Wald unterwegs. In der letzten Zeit war ich nicht untätig, aber was meine sportliche Leistung betrifft, war ich wirklich faul. Ich hatte jede Menge Ausreden: zu viel Arbeit, zu müde, zu kalt, mir tut irgendwas weh, keine Lust… Die Liste ließe sich sicher noch weiter verlängern. Von einigen Seiten bekam ich durchaus Motivationsschübe, die mich jedoch nicht dazu bewegen konnten, meine Laufschuhe anzuziehen und loszulegen. Ganz ehrlich, nicht einmal einen Spaziergang habe ich unternommen. Somit war meine Kondition erwartungsgemäß gleich null.

Pustekuchen! Erwartungsgemäß nach meinen Maßstäben war: ich schaff locker die 6 km. Ich werde keine Glanzleistung vollbringen, aber ich werde die Runde schaffen. Die kleinen Erhebungen zwischendrin haben mich beim letzten Mal auch nicht weiter gestört. Da mache ich einfach langsamer. So war mein Luftschloss und in dem fühle ich mich erstaunlich wohl. Die Realität kann ich dort wunderbar ausklinken.

Den ersten Hügel schaffte ich auch noch locker. Guuuut, ein wenig aus der Puste war ich schon. Aber nicht dramatisch. Dann kam eine Steigung, die mir in der Regel keine Probleme bereitet. Da musste ich das erste Mal passen. Ich konnte schlicht und einfach nicht mehr. Ach, ich will dich jetzt nicht mit meinen mangelhaften Konditionserlebnissen langweilen. Mir wurde jedoch dabei etwas bewusst.

Nach der 2. Erhebung, in der ich gehen musste, war ich sauer. Ich war wütend auf mich, weil ich einfach nicht schaffte, diese kurze Strecke durchzujoggen. Ich war sauer auf meinen Motivator, der mir noch kurz zuvor ein „Viel Spaß“ zukommen ließ. Seine Sätze: „Denk daran, wie gut du dich hinterher fühlst“ machten mich eher wütend. Kein Stück fühlte ich mich gut und Spaß hatte ich erst recht nicht. Mein logischer Verstand (wenn ich so etwas überhaupt besitzen sollte) war komplett ausgeschaltet.

Doch zum Glück höre ich ja immer die Casting Crowns. So oft habe ich sie schon gehört, dass mir die Texte ziemlich vertraut sind. Auf einmal kam das Lied What if I gave everything. Ich liebe dieses Lied sowieso und die Zeile „Deep in my chest is the heart of a warrior“ ganz besonders. Dabei fiel mir folgendes ein:

Während meiner Reha begegnete mir folgende Aussage: „Ich bin eine Kämpferin, aber keine Kriegerin. Ich führe keinen Krieg gegen mich selbst.“ Und das tu ich in der Tat sehr oft. Ich führe Krieg gegen mich. Ich zerstöre mich selbst, indem ich mich für Dinge hasse, die nicht so laufen, wie ich sie gern hätte. Oder weil ich wieder einmal versagt habe. Dann beschimpfe ich mich selbst als wertlos, dumm, nicht lernfähig, nutzlos, ungeliebt und so weiter. Ja. Ich kämpfe. Manchmal ums nackte Überleben. Ich kämpfe mich durch manches Unterholz und kämpfe mich ans Licht. Aber ich möchte keinen Krieg gegen mich selbst führen! Das muss ich zum Glück auch nicht mehr.

Denn ich habe jemanden, der zu mir sagt, dass ich wertvoll bin. Dass mein Name in seiner Hand geschrieben steht und mich nichts aus dieser Hand reißen kann. Durch diesen Namen bin ich sein Kind. Und er ist der König! Somit bin ich seine Prinzessin und habe damit die Königswürde. Ich brauche keinen Krieg gegen mich selbst zu führen, denn ER hat diesen Krieg schon geführt und ihn erfolgreich gewonnen. Am Kreuz auf Golgatha. Und im leeren Grab. Dort hat der Krieg sein Ende gefunden.

Als ich den Satz wieder vor Augen hatte und mir alles erneut bewusst wurde, konnte ich befreit weiter laufen. Und weißt du was? Ich war gnädig mit mir. Ich habe gekämpft und den Kampf verloren. Ja und? Mir wurde bewusst, wie die Realität aussah und zog aus meinen Luftschloss aus. Sogar ohne Wehmut. Ich war letztlich stolz darauf, dass ich endlich den Allerwertesten hochbekommen hatte und den Lauf begonnen hatte. Und somit war der Hauptkampf gewonnen! Yeah!

Zum Schluss konnte ich befreit laufen. Zwischenzeitlich dachte ich sogar, dass ich mich richtig leicht fühle. Meine Schultern waren wie von einer Last befreit und ich habe die letzten 3 km ohne Schwierigkeiten geschafft.

Morgen kämpfe ich dann mit meinem Muskelkater. Aber das schaffe ich! Denn ich bin eine Kämpferin!!!

Unbeauftragte Werbung zwecks Namensnennung

Bild von Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere