butterfly2god

Gedanken
Glauben

Der-durch-an-ein

8. Januar 2019

Vor 2 Tagen habe ich eine ziemliche Bruchlandung erlitten. Nachdem ich ein echt gutes und ermutigendes Gespräch hatte, in dem ich auch noch sagte, wie gut es mir ging, war knappe drei Stunden später nichts mehr davon übrig. Es geht manchmal so schnell, dass der Höhenflug beendet wird und die Landung wirklich hart und unerfreulich ist.

Wenn ich solche Momente habe, dann ist meine Schuld und vor allem die Scham über die Schuld so groß, dass ich niemanden mehr an mich heran lassen kann. Nicht einmal Gott. Der, der sagt, dass er alle Schuld getragen hat, am Kreuz auf Golgatha. Der der sagt, dass er seine Gnade allen Menschen schenkt, nicht außer Astrid, sondern inklusive Astrid. Dennoch kann ich ihn nicht an mich heran lassen. Weil ich mich schäme. Weil ich versagt habe. Wieder einmal mehr. Wieder einmal in der gleichen Art und Weise wie schon so oft. Wieder einmal dort, wo ich dachte, ich hätte es hinter mir gelassen. Dort, wo es am allermeisten weh tut. Nicht nur mir, sondern auch andere verletzt.

Dann saß ich gestern den halben Tag da und habe versucht, den Schmerz in mir zu betäuben. Ich habe mich abgelenkt, und doch war in mir ein dumpfer Schmerz, der nicht nachgelassen hat. Etwas hat gefehlt. Ich konnte, oder wollte mich damit aber nicht auseinandersetzen. Es ging irgendwie nicht. Der Schmerz, die Scham waren einfach zu groß. Das eigene Versagen zu tief.

Doch Gott ist Gott. Er schreibt Wege, die wir uns nicht vorstellen können. Dinge, die wir uns nicht ausmalen können. Ich durfte ein Stück Heilung erfahren. Von einem Menschen, der mein Versagen kennt ohne mich dafür zu verurteilen. Wie das geht, weiß ich nicht… Ich habe keine Ahnung. Doch Jesus sagt auch zur Ehebrecherin: Ich verurteile dich auch nicht. Wenn er das zu ihr sagt, dann vielleicht auch zu mir?

Mir kam eine Person der Bibel in den Sinn, der es vielleicht ähnlich gehen musste. Und diese Person möchte ich mir zum Vorbild nehmen. Simon Petrus. Kennst du ihn? Er ist einer der Freunde Jesu, die mit ihm durch die Gegend ziehen und der dessen Wirken hautnah miterlebt. Der hinterher Briefe an die Christen in der Welt schreibt und sie ermutigt. Doch auch er hat eine Geschichte.

Beim Passahmahl sitzen alle zusammen und Jesus erzählt von der Zukunft. Von der nahen Zukunft. Er würde verhaftet und alle seine Freunde wenden sich von ihm ab. Petrus hört das und ruft: „Ich niemals! Ich werde bei dir bleiben! Auch wenn alle anderen gehen, ich nicht!“ Doch Jesus erwidert darauf: „Noch ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich schon 3 mal verleugnet haben.“ Petrus ist sich jedoch sicher. Er wird mit Jesus sogar in den Tod gehen. Niemals wird er ihn verleugnen! Und auch die anderen Jünger sind sich sicher. Nachlesen kannst du das in Markus 14, 27-31

Wie sich Jesus fühlen musste in dieser Situation kann ich mir nicht vorstellen. Er weiß, dass seine engsten Freunde ihn verlassen und hört aus ihrem Mund diese Beteuerung, dass sie es nicht tun. Es muss ein komisches Gefühl sein….

Doch bleiben wir bei Petrus. Er ist sich also absolut sicher, dass er Jesus niemals verleugnen oder verlassen wird. Kurze Zeit später brechen sie auf, weil Jesus im Garten Getsemane beten möchte. Seine Freunde begleiten ihn und auf einmal steht so ein ganzer Trupp Soldaten vor ihnen, die Jesus mitnehmen wollen. Sie sind mit Schwertern, Fackeln und allem, was es braucht ausgerüstet und wirken sicher sehr einschüchternd. Doch Petrus denkt ja an seine Worte, greift nach einem Schwert und schneidet einem Hauptmann das Ohr ab. „Ha! Da nimm, du Hund! Du lässt meinen Freund in Ruhe! Ich habe versprochen bei ihm zu bleiben, ihn zu verteidigen und du lässt ihn gehen! Verstanden?!“ Vielleicht hat er solche Worte genutzt. Vielleicht hat er auch gar nichts gesagt. Das wissen wir nicht. Doch Jesus findet dieses Verhalten nicht gut. Er tadelt Petrus für diese Tat und heilt das Ohr das Hauptmanns. Ob Petrus sich dafür schämt? Oder ob er weiterhin mutig zu Jesus steht? Er bekommt weiter Gelegenheit, sich zu beweisen. Nachlesen kannst du dies übrigens in Johannes 18, 10-11

Sie gehen nämlich zum hohepriesterlichen Palast, zu dem Jesus gebracht wird. Petrus und ein paar wenige Freunde, die nach dieser Aktion nicht geflohen sind, gehen mit. Sicherlich um Jesus zu helfen, oder? So könnte man denken. Denn sie haben ein paar Stunden zuvor doch noch behauptet, ihn nicht zu verlassen. (Ach ja, manche Parallelen aus der Bibel zu meinem Leben sind doch wirklich zu seltsam…) Sie sitzen also dort mit ein paar anderen Leuten und Petrus wird von verschieden Menschen angesprochen, ob er nicht auch zu diesem Jesus gehört. Und was tut er? Er stellt sich hin und sagt: „Ja, natürlich! Er ist einer meiner besten Freunde! Für ihn würde ich sterben! Und außerdem ist er unschuldig. Er hat vorhin sogar das Ohr des Hauptmanns geheilt, welches ich ihm abgeschlagen habe! So ist mein Freund Jesus!!“ Sollte man denken, oder? Denn schließlich war das seine Überzeugung. Doch es kommt anders. Es kommt so, wie Jesus es gesagt hat. Petrus hat Angst. Er hat Angst, dass er auch so verhaftet wird. Es wird alles so persönlich und nah. Aus der Ferne ist es leicht, mutig zu sein, Versprechungen zu machen. Doch wenn es auf einmal real wird, dann zeigt sich unser schwaches, kleines, ängstliches Selbst.

Petrus verleugnet Jesus 3 mal, noch bevor der Hahn 2 mal kräht. Er erinnert sich an die Worte und fängt an zu weinen. Das hat er nicht gewollt. Er wollte wirklich mutig sein. Und nun hat er es nicht geschafft. Er hat versagt.

Ich glaube, ich fühle ganz gut seinen Schmerz. Denn auch ich wollte Dinge nicht mehr tun, die ich dennoch tu. Die passieren. Aus Angst. Oder aus Bedrängnis. Aus Not. Aus Hilflosigkeit. Wir schaffen es nicht ohne die Gnade von Gott. Wir können aus uns selbst heraus nichts schaffen. Wir sind Menschen und wir versagen. Auch wenn wir mutig anderes bekennen. Und es in der Situation auch so meinen!

Das ist alles ein ganz schönes Durch-ein-an-der.

Doch wie gut, dass wir die Adresse kennen, an wen wir uns wenden können. Wie gut, dass es jemanden gibt, der nicht verurteilt, sondern einfach liebt. In das Versagen hinein, in meine und vielleicht auch deine Unzulänglichkeit.

Jesus bezwingt zum Glück den Tod und begegnet Petrus als Wiederauferstandener. Die Tage dazwischen müssen für Petrus zu den längsten seines ganzen Lebens gehört haben. Die Schuld, Scham und das Versagen lastet sicher schwer auf seinem Herzen. Als Jesus auf ihn zukommt und ihn einfach fragt: „Liebst du mich?“ Kann Petrus „Ja, Herr!“ antworten. Jesus fragt 3 mal nach. Für jedes Verleugnen einmal??? Ich bin mir sicher, dass Petrus jedesmal fester wurde in seiner Antwort. Doch er wird quasi gezwungen, darüber nachzudenken, ob die Antwort denn auch stimmt. Und er wird quasi weiter gezwungen, jedes „Nein, ich gehöre nicht zu diesem Mann“ mit einem „Ja, Jesus, es tut mir leid, ich liebe dich!“ auszugleichen. Zu bereuen. Einen Neuanfang zu wagen.

„Dann weide meine Schafe“, sagt Jesus zu ihm. Er gibt dem, der so versagt hat, eine so große Aufgabe. Den Menschen die Nahrung zu bringen, die sie brauchen. Was für ein Angebot. Wir tauschen, Petrus. Du gibst mir dein Versagen. Ich gebe dir mein Vertrauen in dich. Hammer, oder?!? Und wenn ich an Petrus denke, gibt mir das Kraft, Jesus wieder in mein Herz zu lassen und zu sagen: „Herr, ich habe versagt. Auf ganzer Linie. Die Dinge, die ich vorher noch bezeugt habe, habe ich im nächsten Atemzug vergessen und mich meiner Natur hingegeben. Aber ich liebe dich. Ich nehme dein Angebot der Vergebung an. Und ich will weitermachen. Komm in meine Dunkelheit, denn nur du bist derjenige, der sie vertreiben kann.“

Und dafür bin ich so dankbar. Gott ist stärker als unsere eigene Verdammung. Oder die des Teufels. Oder wer auch immer da gewirkt hat. Gott ist stärker. Und er nutzt Umwege von Menschen um uns daran zu erinnern. Und dafür bin ich einfach nur dankbar!

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