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Gedanken
Wednesday Challenge

Weihnachten und Essen

26. Dezember 2018

Jetzt ist es also so weit. Ich wünsche euch fröhliche und gesegnete Weihnachten, wo auch immer ihr seid und was auch immer ihr macht! Uns ist der Retter geboren. Als winziges Kind im Stall. Natürlich kennt ihr die Geschichte, wie Jesus geboren wurde.

Als ich neulich im Kigo nachfragte, was wir an Weihnachten feiern, kam doch tatsächlich die Antwort „Jesus ist gestorben“. Ich war ein wenig schockiert. Denn schließlich befanden wir uns doch im Kindergottesdienst. Woche für Woche reden wir über Jesus, Gott, die Entstehung der Welt und wer zu uns kommt, kennt doch die Geschichte. Da wurde ich wieder eines besseren belehrt. Und ich muss zugeben, dass ich anschließend froh war, über die Antwort. Denn sie zeigt, dass auch Kinder, die Jesus noch nicht in- und auswendig kennen, zu uns kommen. Sie wollen mehr von Jesus wissen. Sie sind interssiert an ihm und seinem Leben. Mir wurde einmal mehr bewusst, was für einen großartigen Job ich da machen darf. Und wie vorsichtig und weise ich auf der anderen Seite mit dieser Aufgabe umgehen muss.

Vielleicht kennst du die Geschichte ja auch noch nicht so gut, wie ich denke. Da ich sie von klein auf gehört habe, ist sie mir so vertraut, wie meine eigene Familie. Fällt dir was auf? Natürlich kenne ich meine Familie wie keinen anderen. Und trotzdem gibt es Dinge, die mich neu überraschen können. Weil meine Kinder auf einmal etwas machen, was sie noch nie vorher getan haben. Weil mein Mann anders reagiert als gewöhnlich. So ist es auch mit der Weihnachtsgeschichte. Wir denken oft, dass wir sie absolut kennen und nichts Neues mehr aus ihr erfahren können. Doch das stimmt nicht! Es gibt immer wieder Neues, was mir auffällt.

Ich möchte jetzt allerdings keine tiefschürfenden Erkenntnisse hier enthüllen. Die habe ich gerade nicht zur Hand. Was ich mich aber frage: was hat meine Challenge mit Weihnachten zu tun. Viele Rituale, die wir im Laufe der Zeit übernommen haben, hinterfragen wir nicht mehr wirklich. Das war schon immer so und deswegen machen wir das auch weiter so. Tjaaaa. Rituale haben ihren Sinn und sie sind wichtig, gerade für Kinder! Doch manche sollten wir durchaus hinterfragen und nicht ungefiltert weiterführen und -geben.

So ist das wohl auch mit dem Essen. Meine Aufgabe lautet nämlich, ein festliches Weihnachtsmenü zu zaubern. Du kennst mich inzwischen ein wenig und weißt daher auch, wo du mich am wenigsten finden wirst: in der Küche! Das ist nicht „my place to be“. Definitiv nicht! Gerade dann, wenn mein Mann Urlaub hat, halte ich mich noch ferner aus diesem Raum im Haus. Da ist er fürs kochen zuständig. Zum Glück habe ich einen Mann, der das ganz gern übernimmt und das auch viiiieeel besser kann als ich. Da spürt jeder die Leidenschaft, die hinter seinem Tun steckt. So macht er es auch an Weihnachten. Er kocht und ich bin dann eher für den Stil des Tisches zuständig. Dieses Jahr scheint es mir gelungen zu sein. Denn mein Sohn meinte: „Hier sieht es ja aus, wie einem first klass Restaurant!“ Na, wenn das mal kein Kompliment ist.

Doch was hat das alles mit Weihnachten zu tun? Gab es damals in Betlehem auch ein festliches Menü für Maria und Josef? Verdient hätten sie es, oder? Immerhin war Maria schwanger vom heiligen Geist. Gott selbst hatte eine Frucht in ihren Leib gesetzt und dort sollte sein Sohn heran wachsen. Ich meine, wenn ich mir vorstelle, dass Gott einen Engel zu mir schickt und mir sagt, dass ich ein Kind von ihm bekomme… Ich würde in Panik geraten. Wieso ich? Was muss ich da alles machen und beachten???? Nein! Ich bin dieser Aufgabe weder gewachsen noch bin ich ihrer würdig. Aber was macht Maria? Sie lobt Gott und freut sich, dasss sie für diese Aufgabe als würdig erachtet wird. Ein großes Vorbild!!!!

Selbst für Josef, der in der Geschichte ja etwas untergeht, muss es ein krasser Auftrag gewesen sein. Er musste vertrauen, dass seine Verlobte ihm die Wahrheit sagt und dass sie tatsächlich ein Kind von Gott, dem Allmächtigen bekommt. Kein Grund für eine Einladung in ein Restaurant um mit ihr diesen denkwürdigen Augenblick zu feiern! Weder Kerzenschein noch verliebte Blicke, geschweige denn ein guter Wein oder ein leckerer Braten waren drin.

Stattdessen machten sie sich auf eine lange Reise um dem Kaiser zu gehorchen, der befahl, dass jeder sich zählen lassen musste. Nicht mal heute, wo wir alle Bequemlichkeiten beim Reisen haben, möchte ich dieser Aufgabe nachkommen. Ich weiß noch, als ich mit meiner Tochter schwanger war, da war klar, dass wir nicht mehr in den Urlaub nach Frankreich fahren, weil es viel zu anstrengend gewesen wäre. Dann wäre etwas passiert und ich wäre in einem Land, in der ich die Sprache nicht spreche und … nein, danke! Doch sie machten sich auf. Autos gab es natürlich noch nicht (von Eisenbahnen und Flugzeugen brauchen wir nicht zu reden!). Kutschen ebenfalls fehlanzeige. Sie machten sich, höre und staune, zu Fuß auf den Weg! Einzig ein Esel war für Maria eine Entlastung, dass sie diese beschwerliche Reise nicht gänzlich zu Fuß antreten musste. Ob sie ein Kissen hatte, das ihren Po gepolstert hat und die ärgsten Stöße abfing, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

Unterwegs zauberte Maria sicherlich kein fürstliches Picknick aus ihrer Satteltasche (die sie wahrscheinlich nicht einmal hatte…) Als sie ankamen, war Josefs Plan bestimmt, dass sie zur Feier eine gute Wirtsstube aufsuchten und dort endlich den Braten bekommen sollten, den sie sich wirklich verdient hatten! Oder? Ich glaube, in der Bibel steht es anders. Dort war eher die Rede davon, dass sie einen Raum suchten, damit Maria ihr Kind bekommen sollte. Doch diesen Raum gab es nicht! Sie gingen in einen Stall. Sie waren echt genügsam, oder? Stell dir diese 2 Szenen vor:

Maria und Josef finden einen Stall, Maria bekommt ihr Baby, sie legen es in Windeln gewickelt in eine Futterkrippe. Im Stall war es sicher wenig behaglich. Der Wind zog durch die Ritzen. Es gab kein leckeres Essen.

Wir sitzen in unserem Wohnzimmer, eine gemütliche Atmosphäre durch Kerzen und den beleuchteten Weihnachtsbaum, ein köstlicher Duft des Weihnachtsbratens zieht durch das Haus. Es ist warm, im besten Fall brennt noch ein gemütliches Feuer im Kamin.

Welches Szenario gefällt dir besser? Also, mir das 2.! Eindeutig. Aber warum feiern wir so oppulent Jesus Geburtstag, wo doch sein tatsächlicher Geburtstag so schlicht und einfach ablief? Ich frage mich allen ernstes: Ehre ich damit Gott, oder mich selbst? Wäre es nicht eher in seinem Sinne, dass ich mich um die Menschen kümmer, denen es so geht, wie Maria und Josef damals? Ich bin mir fast sicher, dass es so wäre.

Doch Gott wäre eben nicht Gott, wenn er nicht auch trotzdem Freude an uns hätte, und wir so feiern wie wir feiern. Dennoch sollten wir nicht unsere Augen verschließen vor der Not der Welt. Ich finde, das Weihnachtsmenü muss nicht so krass oppulent ausfallen, wie wir es in der heutigen Zeit ausführen. Es gibt immer mehr Menschen, die Weihnachten nicht mehr feiern, denen es nichts mehr sagt, warum dieser Tag so wichtig für uns Menschen ist. Ist es nicht unsere Aufgabe als Christen, das Evangelium neu zu verkünden? Weniger Aufwand beim Essen, mehr Aufwand in der Verkündigung?!?

Natürlich kommt es mir als wenig begabte Köchin entgegen, dass ich sowas schreibe. Doch das ist auch meine Überzeugung! Wir bekommen heute Besuch. Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, das Wunder von Weihnachten neu zu beleuchten.

Bild von Pixabay

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