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Gedanken
Wednesday Challenge 2018

Weihnachtsfreude schenken

5. Dezember 2018

In der Adventszeit nehmen wir uns oft vor, dass es besinnlich zugehen soll. Wir wollen Stress und Hetze außen vor lassen und uns auf unsere Lieben konzentrieren. Wie gelingt dir dieses Vorhaben? Bist du gut darin? Zündest du täglich die Kerzen auf dem Adventskranz an? Backst du Plätzchen? Nimmst du dir Zeit für deinen Partner und deine Kinder? Vielleicht sogar für deinen Nachbarn oder eine kranke Person, die du kennst? Wenn du das schaffst, dann kann ich dir nur gratulieren. Ich weiß grad nicht so recht, wo mir der Kopf steht. Klar, so kurz vor Weihnachten habe ich viel zu tun. Denn viele Menschen bestellen bei mir, was mich ja freut! Doch ich komme ordentlich ins rotieren, vor allem, weil ich mir vorgenommen habe, am nachmittag nicht zu arbeiten, sondern für meine Kinder da zu sein.

Mehr schaffe ich leider wirklich nicht. Oder vielleicht möchte ich auch gar nicht mehr schaffen. Denn ich ahne, dass es mich schnell wieder überfordert und ich versuche auf meine innere Stimme zu hören, die mir sagt, wann es reicht.

Schon vor einiger Zeit kamen meine Kinder beide mit einem Zettel nach Hause, auf dem wir eingeladen wurden, ein Päckchen Liebe zu verschenken. Die eine Schule beteiligte sich an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die sicherlich bekannt ist. Die andere Schule bat darum, ein Päckchen für Kiew zu packen.

In einem Gruppenchat (ich hasse mag keine Gruppenchats) wurde dann darüber abgestimmt, dass die ganze Klasse ein Päckchen packen soll. Prompt schrieben alle möglichen schnellen Mamas, was sie ihrem Kind mitgeben würden, damit das Päckchen gut gefüllt wird. Das ging mir zu schnell und war schon nach 5 minuten dermaßen unübersichtlich, dass ich mir weitere Ideen geschenkt habe. Somit ging meine Tochter nicht mit einem Geschenk für ein anderes Kind in die Schule. Zumindest beschwerte sie sich auch nicht bei mir. Denn natürlich tat es mir leid, dass wir nichts beitragen konnten.

Mein Sohn war da etwas hartnäckiger. Er frage zwischendurch mal nach, ob wir nicht noch das Päckchen packen wollten. Ich sagte nur:“Ja, ja. Das ist eine tolle Idee.“ Und JA!!! Es ist eine tolle Idee! Ganz ohne Frage! Es gibt so viele Kinder, die an Weihnachten leer ausgehen. Und da erzählen wir unseren Kindern weiche und seichte Geschichten vom Christkind. Doch für viele Kinder auf der Welt sieht das leider ganz anders aus. Sie haben keine Eltern. Oder wohnen in Krisengebieten. Oder haben Eltern, die sich nicht um sie kümmern oder schlecht behandeln. Was bedeutet Weihnachten für diese Kinder?

Wie gut, dass mein Kalender mich für diese Woche aufforderte, ein Päckchen für solch einen Menschen zu packen, der an Weihnachten nicht viel zu erwarten hat. Doch wie peinlich auch, dass mich erst ein Kalender dazu bringt, den Hintern hoch zu bekommen, um das anzugehen. Ja, ich schäme mich dafür. Doch auf der anderen Seite freue ich mich auch, dass wir das hinbekommen haben. Mein Sohn und ich. Denn es ist nicht nur ein Päckchen für jemanden geworden, der sich darüber freuen wird, sondern es sprang auch eine besondere Mama-Sohn dabei heraus. Wir beide waren unterwegs und haben uns gemeinsam Gedanken darüber gemacht, was wir in dieses Paket packen wollten. Dabei durfte ich sehen, wie sehr mein Sohn auch an andere denkt. Das freut mich besonders, da ich oft das Gefühl habe, dass sich sein Leben ausschließlich um ihn dreht.

Für mich hat sich Weihnachten vor 5 Jahren erheblich etwas verändert. Damals war ich bei Freunden zum babysitten, damit meine Freundin die Christmette besuchen konnte. Plötzlich klingelte es an der Tür. Ich muss dazu sagen, dass es sich um das Pfarrhaus handelte. Zuerst war ich wie versteinert. Denn wer klingelt schon an Heilig Abend um kurz vor elf an einer Tür? Da sitzen doch alle gemütlich zu Hause oder eben in der Kirche und feiern die Geburt unseres Retters. So war damals noch mein naiver Weihnachtsglaube. Wie behütet ich doch aufgewachsen bin… Jedenfalls klingelte es noch weitere male und ich irgendwann ging ich an die Tür um nachzusehen, wer da so hartnäckig klingelte. Ein junges Mädchen stand davor. Ich habe keine Ahnung, wie alt sie genau war. 16 oder 17 Jahre vielleicht. Sie bat mich um Hilfe, da sie es zu Hause nicht mehr aushielt. Ich war mit dieser Situation völlig überfordert. Es war nicht mein Haus, ich hatte 2 kleine Kinder oben liegen und ich muss zugeben, dass sich in meinem Kopf auch Gedanken bildeten, ob denn alles so wahr wäre, wie sie mir erzählte. Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte. Ich sagte ihr, dass ich nicht hier wohnen würde, dass die Bewohner des Hauses momentan in der Kirche wären und sie doch dort hingehen solle, damit sie ihr helfen könnten. Sie ging. Ich saß mit klopfenden Herzen und mega schlechtem Gewissen weiter im Wohnzimmer und fragte mich, warum ich sie nicht hereingebeten habe, um ihr einen Tee zu machen.

Kurze Zeit später kam zum Glück meine Freundin wieder und ich erzählte ihr, was passiert war. Sie machte sich sogleich auf den Weg zurück in die Kirche um mit ihrem Mann zu sprechen. Dieser machte sich dann auf den Weg, das Mädchen zu suchen. Denn in der Kirche war sie nicht aufgetaucht. Gott sei Dank fand er sie und mit der Schuldekanin konnten sie die Situation zum Glück deeskalieren.

Jedes Jahr an Weihnachten denke ich an das Mädchen, an ihre Verzweiflung und daran, dass ich ihr nicht geholfen habe. Und seitdem weiß ich, dass es an Weihnachten Menschen gibt, die regelrecht verzweifelt sind und eines herzlich wenig können: feiern!

Doch ich denke, wir haben einen Grund zu feiern. Wie das genau aussehen kann ist ganz unterschiedlich. Doch Gott hat sich winzig klein gemacht. Er hat seine Gottesgestalt aufgegeben, um Mensch zu werden. Er war in allem uns gleich: mit Gefühlen, Krankheiten, Schmerzen, Herausforderungen, Versuchungen. Doch eins unterscheidet ihn maßgeblich von uns Menschen: er war völlig frei von Schuld und Sünde. Und dass er unsere Schuld und Sünde auf sich genommen hat, dass er diesen Weg der Versöhnung gewählt hat, muss uns in tiefe Freude und somit Feierlaune versetzen.

Doch wir feiern nicht für uns. Wir feiern für die Menschen. Da ist es doch wohl eine Selbstverständlichkeit, dass ich von meinem Reichtum und Wohlstand etwas abgeben kann und ein kleines Paket für einen Jungen packe, der an Weihnachten nicht viel hat. Und wir werden für ihn beten! Wenn er das Päckchen auspackt, dass er darin Gottes Liebe für ihn erkennen kann!

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