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Leben

Einsamkeit Teil 3

16. September 2018

Daraus ließe sich ja wunderbar eine Reihe machen: unterschiedliche Arten der Einsamkeit.

Selbst in Gemeinschaft kann man sich ja unter Umständen sehr einsam fühlen.

Irgendwie passt die Überschrift nicht so ganz zu meinen Erfahrungen vom Wochenende. Dennoch kam mir manches Mal das Wort „Einsamkeit“ in den Sinn. Gerade aus dem Grund, dass ich mich manchmal in Gesellschaft sehr einsam fühle.

Ich dachte darüber nach, dass wir Menschen von Gott so geschaffen wurden, dass wir einander brauchen. Wir sagen das Lied „Gut, das wir einander haben“. Keine Ahnung, ob es dir bekannt ist, doch im Text geht es darum, dass nicht einer nur alles hat, sondern dass wir aufeinander angewiesen sind. Gott hat jeden einzelnen Menschen mit besonderen Gaben und Fähigkeiten beschenkt. Diese gilt es zusammen zu bringen. Sicher birgt das auch viel Konfliktpotenzial. Manche Eigenschaften gleichen sich und dann kann es recht turbulent zugehen. Jedenfalls ließ ich meine Gedanken zurück wandern, wann ich das letzte Mal echte Gemeinschaft hatte. Nicht nur mit einer Person, sondern mit einer Gruppe.

Dabei fiel mir auf: ich öffne mich generell nicht gerne in Gruppen. Offenheit entsteht für mich eher im Zweiergespräch. Wenn ich einer Person in die Augen schauen kann und nicht ständig hin und her switchen muss. Das bin ich und das ist gut so. Andere sind anders und das ist ebenso gut.

Doch diese Eigenschaft birgt anscheinend viel Sprengstoff. Ich entscheide dabei, wem ich was anvertraue und das möchte ich nicht unbedingt bei einem anderen Menschen genauso tief tun. Es kann sein, dass ich mich jemand anderem genauso öffne. Aber ich möchte entscheiden, ob und bei wem das der Fall ist.

Nun, das kam nicht besonders gut an bei manchen Menschen. Sie waren augenscheinlich der Meinung, dass ich mich jedem gleich öffnen müsste und alle auf dem gleichen Stand zu sein haben.

Da entsteht die Unterschiedlichkeit. Jedoch eher dann, wenn es sich um enge Freundschaften handelt. Die auch noch miteinander verbunden sind.

Ich musste unweigerlich an einige letzte Treffen denken, wo ich mit meinen „Freundinnen“ zusammen unterwegs war. Es macht Spaß, in einer Gruppe unterwegs zu sein. Doch es entsteht für mich keine Nähe. Denn ich möchte eben nicht über tiefes Inneres in der Gruppe reden. Jedoch ging es mir bei den letzten Treffen so, dass ich es gebraucht hätte, tief zu reden.

Ich bin dankbar über diese Erkenntnis. Sie hilft mir sehr im Vergebungsprozess. Es ist nicht schlimm, dass ich so bin und so empfinde. Ich muss es nur wissen.

An diesem Wochenende bin ich einfach unglaublich dankbar, dass ich es wieder anders erleben durfte! Ich war in einer tollen Gemeinschaft unterwegs, in der alles passieren kann, aber nichts muss. Mir geht es zur Zeit gut. Dafür bin ich auch total dankbar! Denn so konnte ich die Gemeinschaft genießen und mich daran erfreuen. Aber ich musste mich nicht verstellen, wenn ich mich früher verabschiedet habe. Um eine Runde spazieren zu gehen. Oder einen Kaffee zu trinken. Ins Bett zu gehen. Das tat mir so gut! Und ich habe wieder neu gemerkt: ich bin ein Mensch, der absolut Nähe und Gemeinschaft braucht! Aber ich bin eben genauso ein Mensch, der sich zurück ziehen können darf, wenn es zu viel wird. Das geht für mich besser, wenn wir nicht zu nah sind. Sonst denke ich, dass ich meinem Gegenüber zu sehr verpflichtet bin. Doofes Pflichtgefühl!

Dabei sind aber dennoch  Gespräche entstanden, die sehr tief, sehr ehrlich und offen waren! Ich wurde in den Arm genommen (nach einem sehr ehrlichen Gespräch, ok, nicht direkt danach, etwas später, aber eben mit diesem Wissen über mich) und die Person sagte zu mir:“Astrid, ich hab dich lieb!“ Das war das schönste, was ich erlebt habe. Es tat so gut, zu wissen, dass ich Fehler mache. Dass ich versage. Dass ich vor Gott als Christ versage und dennoch ist da jemand, der mir einfach sagt „Ich hab dich lieb!“

Wir sollten das viel öfter tun! Wir sollten öfter dem anderen sagen, zeigen, wie lieb wir ihn haben.

In einem Vortrag, den wir hören durften, wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir genau das viel zu wenig machen. Dem anderen sagen, dass wir ihn lieb haben. Dem Partner. Den Kindern. Den Eltern. Den Freunden. Warum wir das nicht tun würden, wurden wir gefragt.

Die Antwort war einfach. Aus Angst. Doch der Referent ging weiter: „Wovor haben wir denn Angst?“ Mir war klar: ich habe gewaltige Angst vor Ablehnung. Das der andere nicht dasselbe empfindet. Und er sagte weiter:“Doch Liebe hat keine Angst.“

Das ist wahr. Liebe gibt und erwartet nichts. Denn Liebe ist selbstlos. Ich möchte mich aus der Angst befreien. Ich möchte keine Angst mehr vor Ablehnung haben. Ich möchte mich frei fühlen, durch Jesus Christus der mich immer und ewig liebt, andere zu lieben. Angstfrei. Mutig. Durch sein Vorbild und seine Liebe!

Das wird nicht von heute auf morgen gelingen. Das ist ein Übungsfeld für jeden Tag. Doch dabei wird es sicher eine Nebenwirkung geben: meine Einsamkeit wird kleiner!

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