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Gedanken
Wednesday Challenge 2018

Die hohe Kunst des „Nein“ sagens

22. August 2018

Einfach mal „Nö“ sagen. So heißt die Aufgabe in dieser Woche. Wie einfach! Frag mal meinen Mann, was ich antworte, wenn er mich bittet, den Keller aufzuräumen. Oder frag mal meinen Sohn, was ich zur Antwort gebe, wenn er mich fragt, ob er was Süßes haben darf. Die Antwort lautet schnell und ohne Überlegung: „Nö!“ Darin bin ich so gut, dass ich eher die Aufgabe bekommen sollte, einfach mal „Ja“ zu sagen. Vor allem bei meinen Kindern fällt mir wirklich oft auf, dass ich schnell mit einem Nein bin, weil es mir zu unbequem erscheint, ja zu sagen. Ganz schön traurig, finde ich.

Dennoch ist die Aufgabe nicht ganz erledigt. Denn wie verhält es sich, wenn mich keine Familienangehörigen um einen Gefallen bitten? Bei Familienangehörigen fällt es doch so leicht Nein zu sagen. Denn ihre Liebe ist mir sicher. Von ihnen kann ich weiter erwarten, dass sie bleiben. Richten andere eine Bitte an mich, überlege ich eher, ob ich nein sagen kann. Selbst wenn ich weiß, dass es über meine Kräfte hinaus geht. Zwar gebe ich die Antwort nicht so schnell wie bei meiner Familie, aber oft wird doch am Ende ein Ja daraus.

Ein schönes Beispiel habe ich direkt vor Augen, dessen Konsequenzen ich in 2 Wochen ausbaden darf.

Vor gut einem Jahr wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte beim Sommerferienprogramm unserer Stadt mitzuwirken. Unterschiedliche Vereine und Gemeinden werden angeschrieben, ob sie ein Angebot hätten, um die Ferien für Kinder interessanter zu machen. Unsere Kirchengemeinde wird auch jedes Jahr angeschrieben und ich fand es eine schöne Idee, dass wir dabei vertreten sein sollten. Meine Antwort habe ich noch ganz genau im Ohr: „Ja, das finde ich eine tolle Idee. Aber ich kann mir nicht vorstellen, es alleine zu machen!“ Nein, sie würde noch andere ansprechen und dann könnten wir uns als Team überlegen, was, wie und wann wir anbieten wollen. Also gut. Der Plan hört sich auch heute noch gut an für mich. Denn es ist absolut so, dass ich mich für Kinder begeistere! Es ist absolut so, dass ich unsere Kirchengemeinde als Veranstalter gut heiße. Doch was ich nicht gut finde, ist wie es im Endeffekt gelaufen ist und welche Rolle ich selbst dabei gespielt habe.

Wir trafen uns also zu viert, an einem Tag, der schon von vornherein nicht optimal war. Im Anschluss an unser Treffen hatte ich einen weiteren Termin und dieser steht auf meiner Beliebtheitsskala bei -1.000.000.000 oder so ähnlich. Faschingsfeier in der Schule. Es gibt fast nichts schlimmeres! Mein Mann war krank zu Hause, ich im Stress, mit Überlegungen nicht weitergekommen, was wir anbieten könnten. „Ruhig Blut“, ermahnte ich mich selbst. „Dafür treffen wir uns ja um genau das zu besprechen.“

Tja. Meine Gedanken gingen eher in folgende Richtungen: 3 Stunden am Vor- oder Nachmittag mit einer Art Spielstraße, in der wir etwas aus dem neuen Testament erarbeiten oder so in der Art.

Die Gedanken der anderen waren eher: Astrid näht doch so gerne. Da machen wir 2 Tage à 6 Stunden, an einem Tag nähen Mädels von 10-14 Jahren einen Rock. Am anderen Tag nähen Jungs von 10-14 Jahren eine Tasche.

Ich war völlig überrumpelt. In mir schrie alles „Nöööööööööööö!!!!!“ Und was hörte ich mich sagen???? „Ähm. Also. Ok.“

Ich ging nach Hause und weinte. Denn es gibt noch viele Dinge, die an diesem Morgen passierten, die ich aber nicht ausführen muss.

Ich fühlte mich grauenhaft. Ich hatte anfangs klar gesagt, dass ich aber nicht alleine das Ding durchziehe. Nun bin ich 6 Stunden alleine mit pubertierenden Kindern, die ich nicht unbedingt zu meiner liebsten Altersklasse zähle.

Eine Freundin von mir kann sehr gut organisieren. Ihr fällt es leicht, Menschen anzusprechen und mit ihnen etwas auf die Beine zu stellen. Sie sieht, wer in welchen Bereichen Gaben hat und weiß diese geschickt zu steuern. Auch wenn ich mich bei ihr schon manches Mal über mein Ja geärgert habe, muss ich eines ganz klar sagen: sie hat nie!!!! die Menschen im Stich gelassen, die sie „rekrutiert“ hat. Sie hat sich um sie gekümmert, gesehene wo es schwierig war und nach Lösungen gestrebt. So geht Leitung!

Mir geht diese Fähigkeit völlig ab. Ich arbeite gern im Team und kann dann auch selbständig handeln. Doch ich bin nicht in der Lage dafür zu sorgen, dass mir jemand hilft. Ich fühle mich wie versteinert und denke mir: nun gut. Du hast dir den Brei eingebrockt. Nun löffle ihn auch aus.

Es fühlt sich absolut besch… an. Zumal ich in der letzten Zeit in keiner guten Verfassung war. Doch ich hoffe, dass ich eine Sache daraus gelernt habe:

Einfach mal NÖ zu sagen!

Bild von Pixabay
  1. Tja, liebe Astrid, wo fang ich an und wo hör ich auf? Natürlich muss man ja und vor allem NÖ sagen lernen. Aber hier liegt mir das Problem doch scheinbar ein wenig anders. Wenn sich 4 Damen treffen um ein Kinderferienprogrammpunkt zu organisieren, dann sind da auch ALLE vier mit im Boot. Von der Besprechung bis zur Umsetzung! Und nicht drei entscheiden, was man dem Nicht NÖ Sager auf`s Auge drücken könnte. Für das Trio ist alles somit erledigt und die gehen ihres Wegs. Die pfeifst du jetzt mal schön zurück und delegierst einige Aufgaben ab. Mindestens zwei sollten an beiden Tagen vor Ort sein um dich zu unterstützen. Egal in welcher Form. Da wo du sie brauchst. Eine muss die Pubis in Schach halten, eine sorgt für Verpflegung oder räumt auf. Dieses im Stich lassen von rekrutierten Menschen kann ich gar nicht ab haben. Aber momentan scheint das in unserer Gemeinde Einzug zu feiern! Ich beobachte das zumindest so. Jemand entscheidet, guckt wen man dafür rekrutieren kann, tut das dann auch und entfernt sich still aus der Verantwortung. Und beim nächsten Mal? Ja, da kann man dann noch eins draufpacken, weil Astrid (Name austauschbar) macht das ja so toll und gerne. Genau das ist nämlich keine Leitung. Hat nichts, aber auch gar nichts mit Gemeinschaft zu tun. Das grenzt für mich schon stark an Ausnutzung. Sorry. Man kann das Nö Sagen lernen. Echt. Ich kann es schon ein wenig. Gib einfach nicht gleich eine Antwort, schlaf einmal drüber und dann sag Nö, wenn dir mal wieder das Messer auf die Brust gesetzt wird 😉

  2. Und beim nächsten Sommerferienprogramm stehst du mit geradem Rücken für deine Idee ein.
    Spielstraße für die Kinder/Teens. Mit Einbeziehung vom Evangelium. Das hätte ich toll gefunden. Und sehr passend. Alle fordern doch immer mehr Bewegung im Alltag.
    LG Silvia

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