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Gedanken
Wednesday Challenge 2018

Verschlungene Pfade

18. Juli 2018

Geht es nur mir so, oder dir auch? Die Zeit rennt, rast, fliegt vorbei uns schwupps ist wieder eine Woche vergangen. Im Sommer geht es noch schneller, obwohl die Tage ja länger scheinen. Doch da ist man viel unterwegs, draußen, genießt das Wetter, die Freiheit, die Stimmung.

Außerdem haben viele Bundesländer schon Ferien, was so richtig spürbar ist. Es ist ruhig. Hier, obwohl wir noch keine Ferien haben, im sozialen Netz, in meinem Leben. Ich genieße es. Klar, es gibt immer noch Termine, die eingehalten werden wollen. Aber wir haben keinen Druck mehr für die Schule zu lernen. Das tut mir so unglaublich gut. Oder meinen Kindern? Wahrscheinlich uns dreien und so leben wir irgendwie ruhiger. Dennoch rast die Zeit. Es ist ein seltsames Phänomen.

Diese Woche bekomme ich die Aufgabe nicht den leichtesten Weg den zu nehmen, sondern den, der ein paar Abenteuer parat hält. Ja, also, ähm. Den nehme ich doch ständig?!?

So kommt es zumindest vor. Wenn ich an die letzten Jahre zurück denke, kommt mir kein Weg unspannend vor, den ich gegangen bin:

  • Der Umzug in eine Stadt, viele Kilometer von zu Hause weg. (Dazu muss ich erklären, dass ich immer viel Heimweh habe und selbst im Urlaub nach spätestens 2 Wochen den Koller bekomme und nach Hause will möchte)
  • Die Hochzeit mit meinem Mann. Das gemeinsame Leben mit ihm zu gestalten, die Herausforderung anzunehmen, dass wir unterschiedliche Interessen und Meinungen haben.
  • Ein weiterer Umzug in ein Dörfchen, wieder weg von dem, was mir vertraut geworden ist. Neue Kontakte aufzubauen.
  • Kinder zu bekommen und festzustellen: andere Kinder zu erziehen ist soviel einfacher und nervenschonender als die eigenen!
  • Kindergarten, Einschulung, weiterführende Schule.
  • Die Suche nach der passenden Gemeinde für uns.
  • Menschen, die in mein Leben treten und auch wieder hinaus gehen.

 

Das alles scheint mir doch sehr spannend und turbulent.

Ach, magst du denken, mein Leben ist noch viel aufregender und spannender. Und ja, ich gebe zu, manches Mal mag ich es auch sehr gern, wenn es ein paar Spannungen bereit hält. Doch auf so einige Action hätte ich getrost verzichten können. Die waren ein „zu viel“ für mich. Doch das Leben ist so. Es läuft selten so, wie wir uns das wünschen und ausmalen.

Ich persönlich habe viele Träume. Meinem Mann wird es mitunter ganz unheimlich, wenn sich in mir wieder ein Wunschtraum manifestiert. Er ist der bodenständige von uns beiden. Und das braucht es auch in jeder Beziehung. Er schafft es ganz gut, die Balance für mich zu halten, die ich schnell zu verlieren drohe, wenn die Träume zu intensiv werden.

Diesmal wird ein Traum für mich wahr. Ich kämpfe seit drei Jahren darum, eine Kur machen zu können. Ich wollte sie gern für mich allein machen, aber ich war schlussendlich dazu bereit, die Kinder mitzunehmen. Hauptsache raus und mir wird endlich geholfen in meinem Kampf mit der Depression. Der Rehaantrag wurde eingereicht und immer im Hinterkopf: denk daran, es könnte abgelehnt werden. Dann musst du in Revision gehen. Gerade heute saß ich in einer Frauenrunde zusammen. Eine Mutter erzählte, dass sie eine Reha für ihren Sohn beantragt haben. Er macht ein FSJ, bzw musste dies aufgrund einer Krankheit abbrechen und ist seit 7 Monaten krank!!! Richtig krank. Gestern kam die Ablehnung des Bescheids. Ich atmete tief durch und dachte mir, wenn dieser junge Mensch seit 7 Monaten durch Krankheit geht, die ständige Arztbesuche erfordern, und seine Reha wird abgelehnt, dann werde ich wohl erst recht eine Ablehnung bekommen. Immerhin gehe ich nicht ständig zum Arzt. Im Gegenteil. Ich weiß, dass ich öfter gehen sollte, aber ich bleibe lieber im Bett oder auf der Couch und kann mich nicht aufraffen.

Seit 2 Wochen geht es mir wirklich besser. Ich habe einige Entscheidungen getroffen, die überfällig waren, vor deren Konsequenzen ich jedoch gescheut habe. Nun bin ich wieder soweit, dass ich denke: Hurra! Ich bin auf einem guten Weg. Es geht mir endlich besser. Ich kann wieder atmen und lachen. Ich sehe Zukunft und auch wenn ich noch oft einfach weg sein will, kann ich doch wieder Freude am Leben empfinden. Das ist doch super, oder? Ja, finde ich auch.

Gerade heute bekam ich Post von der Klinik, in die ich gern gehen würde. Ahnungslos mache ich den Umschlag auf. Ich frage mich, warum sie mir wohl Werbung schicken. Wie sind sie an meine Daten gekommen? Aja. Da steht ja, dass mein Rehaantrag bewilligt ist. Schön. Was steht da???? Mein Rehaantrag ist bewilligt???? Warte einen Moment!!!!

Genau. Das ist ein Weg, der mit Sicherheit viel Spannung und Action bietet. Er wird nicht einfach. Aber er ist notwendig. Und ich bin so glücklich und dankbar, dass mein Mann seine Sicht verändern konnte und mir diese Zeit nun ermöglicht. Dass er sich als Papa versteht, der die Zeit mit den Kindern intensiv gestalten will. Dass er in ihre Beziehung investieren will. Und mir damit die Möglichkeit gibt, gesund zu werden. Hoffentlich.

Es ist solch ein Chaos in mir. Die eine Seite möchte schon so lange raus aus allem. Atmen können und all das verarbeiten, was sich in den letzten Jahren aufgestaut hat.

Die andere Seite hat große Angst. 4 Wochen weg zu sein von meiner Familie, ganz alleine, mit all meinen Dämonen und Monstern konfrontiert zu werden, das klingt nicht nach spannenden Ferien und gemütlichen Wellnessabenden. Das klingt nach Einsamkeit, Heimweh, Arbeit, Entfremdung. Ich habe Angst, wenn ich daran denke, dass meine Kinder weinen, weil sie Sehnsucht nach mir haben. Ich habe Angst, dass mein tapferer Mann sich zu viel aufbürdet und zu viel erwartet. Ich habe Angst, dass ich nicht gesund nach Hause komme.

Diese Sorgen und Ängste sind wohl normal, oder? Zum Glück weiß ich mich auch jetzt wieder getragen von meinem himmlischen Papa. Er hat einfach den perfekten Zeitplan. Noch vor einem Jahr wäre das so alles nicht möglich und machbar gewesen. Und die perfekte Zeit gibt es doch sowieso nicht, oder? Es spricht immer etwas dagegen. Nach menschlichen Ermessen. Doch nach göttlichem Ermessen wusste er, wie er es einrichten soll.

Und ich bin sehr gespannt auf diese Zeit.

Ach so. Eins noch. Apropos spannende Wege: beim Autofahren suche ich übrigens sehr gern nach Wegen fern ab der gewohnten. Denn man sieht soviel mehr, wenn man andere Wege fährt. Warum also sollte das im Leben anders sein?

 

Bild von Pixabay

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