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Gedanken
Wednesday Challenge 2018

Spring!

23. Mai 2018

Neulich schrieb ich einen Artikel darüber, das ich mutlos sei. Und nun kommt diese Aufgabe auf mich zu: springe über deinen eigenen Schatten.

Woher kommt eigentlich diese Redewendung? Und warum verbinden wir damit Dinge, für die wir Mut brauchen? Nun, um über meinen eigenen Schatten zu springen brauche ich zuallererst einmal Energie. Ohne diese bringe ich nichts fertig. Muskeln anspannen, die Knie beugen, hochschnellen um dann über den Schatten zu springen. Und dabei festzustellen: Mein Schatten ist immer noch vor mir. Dafür braucht es also auch noch Ausdauer. Denn ich muss es ja noch einmal probieren.

Als Kind haben wir gern das Spiel „Schattenfangen“ gespielt. Das fand ich toll. Es war nämlich keine Geschwindigkeit sondern Geschicklichkeit gefragt. Ich musste nicht vor meinem Fänger weglaufen, sondern durch schnelle Bewegungen ausweichen. Darin war ich besser als im laufen. Ausdauer hatte ich noch nie wirklich.

Schatten stehen auch für Ängste. Im Dunkeln haben vor allem Kinder oft Angst. Sie wollen nicht allein sein, sehen Dinge in den Schatten die im Licht betrachtet nicht da sind. Wenn meine Kinder in den Keller gehen, dann warten sie immer erst, bis das Licht angegangen ist, damit sie nicht überrascht werden von irgendwelchen… Spinnen? Ich weiß es auch nicht so genau. Davor würde zumindest ich mich gruseln.

Über den Schatten zu springen bedeutet also: Ängste zu überwinden. Denn Ängste sind auf der einen Seite wichtig, da sie uns vorsichtig sein lassen, auf der anderen Seite sind sie auch irreal. Ängste haben meist ihren Ursprung in einer Region des Gehirns wo wir uns vorstellen, was passieren könnte. Wenn wir erst einmal diese Ängste überwunden haben, dann ist das gar nicht mehr so schlimm.

In unserem Städtchen war neulich ein Jahrmarkt. Dort gab es verschiedene Karussells; unter anderem ein Riesenrad. Meine Tochter liebt Höhen und Geschwindigkeiten. Geschwindigkeiten liebe ich auch. Jedoch habe ich Probleme mit dem Kreiseln um die eigene Achse. Das Riesenrad erschien mir jedoch sympathisch genug, um mit ihr eine Runde zu drehen.  Höhe ist auch etwas, was in meinem Gehirn eine Angst auslöst. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn es ein geschlossener Raum ist. Diese Gondeln waren offen. Also haben wir uns Tickets gekauft und während wir anstanden, merkte ich, wie meine Hände feucht wurden und mir etwas schwindelig war. Eine kleine Angstattacke kam da auf mich zu. Ruhig atmen, auf einen bestimmten Punkt die Konzentration zu richten und meine Tochter im Arm zu halten, helfen mir ganz gut die Attacke in den Griff zu kriegen. Los ging die Fahrt und wie zu erwarten war es gar nicht so schlimm. Irgendwann wollte sich meine Tochter dann auf die andere Seite setzen, um den Blick aus einer anderen Perspektive zu genießen. Da saß ich also alleine. Ich war über meinen Schatten gesprungen.

Das mache ich durchaus häufiger. Ich habe einen Tandem-Paraglidingflug gemacht, bin Achterbahn gefahren, in kaltes Wasser gesprungen, auf Höhen geklettert. Bei all dem war es eine Mischung aus Adrenalin, Freude und Angst.

Wobei ich jedoch momentan wirklich viel Mut brauche sind meine sozialen Begegnungen. Neulich dachte ich, ob ich mal wieder auf einen von den Menschen zugehen soll, wo die Beziehung abgebrochen ist. Ob ich es noch einmal versuchen soll.  Doch ich habe keinen Mut. Ich habe keine Kraft auszuhalten, wenn ich auf Ablehnung stoße. Das muss ich natürlich einkalkulieren. Dieser Sprung über meinen Schatten ist mir zu groß, zu ungewiss, zu anstrengend. Das Ganze ist, selbst im Kleinen, sehr viel für mich. Gestern waren wir in netter Runde zusammen und es waren auch gute Gespräche dabei. Doch ich merke einfach, wie mir die Kraft fehlt für Gespräche, für Begegnungen, für Offenheit. Ich mag gar nicht mehr gern reden und auch zuhören fällt mir schwer. Als ich im Bett lag, konnte ich nicht einschlafen, weil das, was ich gehört habe, mich so mitgenommen hat. Das ist doch auch nicht normal… Liegt es an der mangelnden Übung? Muss ich mich mehr anderen Menschen „aussetzen“? Ja, klar, die Sehnsucht nach Offenheit ist da. Doch irgendetwas hält mich einfach zurück.

Es braucht Mut um über den Schatten zu springen. Und Kraft. Beides habe ich einfach nicht. Doch da es meine Aufgabe ist, werde ich ein wenig offen sein, um meinen sozialen Begegnungen einen freundlichen und zugewandten Touch zu verleihen. Du schüttelst den Kopf und denkst dir: „Sowas ist doch keine Aufgabe! Geh lieber über eine hohe Hängebrücke oder springe vom 5 Meter Turm. Da bist du mehr über deinen Schatten gesprungen als wenn du auf jemanden zugehen willst.“

Doch wir sind alle verschieden. Und jeder hat andere Herausforderungen. Dies ist meine. Und wo stehst du? Was wäre für dich ein Sprung über deinen Schatten? Berichte mir doch gern davon. Wenn du willst. Denn dank der DSGVO ist das ja alles etwas umstritten, unsicher, seltsam, sonstiges. Vielleicht wäre es ja auch etwas, wo du über deinen Schatten springst? Das Vertrauen, dass deine Daten bei mir sicher sind und ich garantiert nichts weiter gebe? Wozu auch. Geht doch niemanden etwas an, oder? Aber das, meine Lieben, ist ein anderes Thema, über das sich andere, gescheitere Leute sicher besser auslassen können als ich kleiner, ahnungsloser Freizeitblogger.

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