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Warum glaube ich?

16. März 2018

Diese Frage hat mich in meiner Bibellese irgendwie eiskalt erwischt. Es ging dabei um die Zeugen Jesu und was sie bezeugen. Dabei stelle ich fest: Das Johannesevangelium lässt sich für mich am schwierigsten lesen. Es enthält sicherlich viele Wahrheiten. Doch merkt man, dass Johannes irgendwie anders schreibt. Es ist nicht so locker und leicht zu lesen wie die anderen Evangelien. Es geht weniger um die ganzen Wundertaten, die Jesus vollbracht hat, sondern eher darum, warum er überhaupt auf die Erde gekommen ist und was sein Auftrag ist. Für mich manches mal unverständlich und schwer zu lesen.

Auch diese Frage am Ende meines Abschnittes war dann nicht so leicht für mich zu beantworten.

Wodurch bin ich mir sicher, dass Jesus Gottes Sohn ist? Warum glaube ich an ihn?

Nun, die erste Frage konnte ich noch leicht beantworten. Die Bibel steckt für mich voll von Wahrheiten, warum Jesus der Sohn Gottes ist. Schon im ersten Teil der Bibel wird ja ziemlich deutlich auf ihn hingewiesen. Mein Sohn brachte es mal so auf den Punkt: „Wie kann man nicht an Gott glauben, wenn man doch so viel über ihn weiß?“ – Genau das ist es für mich. Ich lese die Bibel und dadurch erschließt sich mir diese Wahrheit. Ich kann ihn nicht sehen, nicht anfassen, ich kann nicht mit ihm Face to Face reden. Doch ich weiß, dass er da ist. Ich kann die Sonne auch nicht immer sehen. Sie ist oft hinter einer dicken Wolkendecke verborgen. Doch ich weiß, dass sie dahinter scheint. Ich kann meinen Mann oft nicht sehen, weil er bei der Arbeit ist. Doch ich weiß, dass er existiert. Er hört damit nicht auf, nur weil ich ihn momentan nicht sehe. Wenn kleine Kinder Verstecken spielen, dann meinen sie, dass sie tatsächlich weg sind, wenn sie sich hinter ihren Händen verbergen. Sie lernen nach und nach, dass das nicht der Fall ist. Genauso ist es auch mit Gott. Er ist nicht weg, weil wir ihn nicht sehen. Wir müssen aufmerksam bleiben, damit wir seine Gegenwart nicht verpassen. Sie zeigt sich in vielen kleinen Momenten. Zum Beispiel, wenn ich denke, dass ich die Woche nicht schaffe, weil sie voll ist mit Terminen. Dann trägt er mich Stück für Stück durch jeden Termin. Oder wenn ich denke, dass der Frühling einfach nicht kommen will, dann strecken die ersten Blumen ihre Köpfe durch die dunkle Erde. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich verlassen und einsam bin, spüre ich eine Nähe, die ich nicht erklären kann.

Die Frage, warum ich an Jesus glaube ist damit schon ein bisschen beantwortet. Doch sie geht noch tiefer. Sie ist damit nicht erschöpft. Denn es geht hier um eine andere Person als um Gott. Es geht um seinen Sohn. Ich habe mal den Satz gehört: „An Gott zu glauben gelingt fast jedem. Doch an Jesus scheiden sich die Geister.“ Das hat mich damals schon nachdenklich gemacht. Und es macht mich auch heute noch nachdenklich. Wieso gelingt es, an Gott zu glauben, aber nicht an Jesus? Was macht es so schwierig zu denken, dass es einen Schöpfergott gibt, der alles so wunderbar gemacht hat, aber nicht weiter zu denken, dass er seinen Sohn geschickt hat, der uns mit unserem Schöpfer versöhnen will.

Sicher liegt es mit darin begründet, dass wir denken, dass wir Vergebung nicht wirklich brauchen. Denn die meisten von uns leben zum Glück ein sozial verträgliches Leben. Wir stehlen nicht, wir tun niemandem weh, wir bringen niemanden um. So. Da sind wir doch schon ganz schön prima Leute, oder? Wozu brauchen wir da also jemanden, der uns Vergebung bringen muss?

Ich weiß noch genau, wie ich einmal im Gottesdienst saß und in der Predigt von Jesus Opfer am Kreuz gesprochen wurde. Dass er das für mich getan hat. Damals dachte ich: „Nein! Das will ich nicht. Das habe ich nicht gefordert und das brauche ich nicht. Jetzt muss ich mich auch noch schuldig fühlen, dass Jesus sich ans Kreuz hat nageln lassen? Den Schuh ziehe ich mir nicht an.“ Ich war, ehrlich gesagt, ziemlich sauer. Ich lebte doch schließlich ein gutes Leben und versuchte, mir nichts zuschulden kommen zu lassen.

Ist doch auch so, oder siehst du das anders? Ich habe schon diverse Gespräche geführt, in denen mein Gegenüber sehr von sich und seiner Unschuld überzeugt war. Und ich kann das sogar verstehen. Denn mir ging es nicht anders. Doch warum ist es jetzt nicht mehr so?

Ich weiß leider den Grund nicht mehr, warum es anders geworden ist. Und ich habe auch kein Datum im Kopf. Lediglich das Gefühl hat sich geändert. Ich habe verstanden, dass es für Jesus kein „Opfer“ in dem Sinne war, wie ich es oft empfinde. Für mich ist ein Opfer, wenn ich mich zurück nehmen soll, weil die Kinder ihre Bedürfnisse in den Vordergrund stellen. Für mich ist ein Opfer, wenn ich dem anderen zuhören soll, obwohl ich doch selbst so in meinen Gedanken verhaftet bin. Für mich ist ein Opfer, dass ich sonntags den Kigo mache, obwohl ich doch so gern mal wieder den Gottesdienst besuchen möchte. Für mich ist ein Opfer, dass ich morgens mein warmes Bett verlasse und dafür sorge, dass meine Kinder in die Schule gehen können. Selbstverständlich mache ich das auch gern. Aber es fällt mir nicht immer leicht und manches Mal stöhne ich darüber.

Doch Jesus hat genau das nicht getan! Er hat sein Kreuz auf sich genommen ohne zu klagen, ohne zu jammern, ohne zu schimpfen, ohne Wut. Das beeindruckt mich. Und es kann nur einen einzigen Grund geben, warum er das tun konnte: weil er mich und dich so sehr liebt. Er konnte das nur durchhalten, weil Gott ihn gestärkt hat und er immer den Grund vor Augen hatte: Ich liebe dich!

Da hat es bei mir „klick“ gemacht. Jesus liebt mich und deswegen hat er all das gern auf sich genommen. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, dass ich befreit bin. Ich darf mich einfach darüber freuen, dass Jesus gestorben ist. Für mich. Für dich. Für jeden! So paradox auch klingen mag. Denn über den Tod freut sich selten jemand. Das Schöne hieran ist aber: Jesus ist nicht tot! Er lebt! Er ist wieder auferstanden und hat den Tod, das letzte Wort, überwunden. Damit ist die Geschichte nicht zu Ende und ich darf mich darüber freuen, dass alles sich so erfüllt hat, wie es vorausgesagt wurde.

Und das ist der Grund, warum ich an Jesus als Gottes Sohn glaube. Weil er mich liebt. Mit all meinen Fehlern, die ich tatsächlich jeden Tag mache. Dennoch liebt er mich. Für ihn ist Sünde gleich Sünde. Es gibt kein großes oder kleines Verschulden. Schuld ist gleich Schuld. Wenn ich jemanden anlüge oder schlechte Gedanken über jemanden habe, ist es für ihn nicht weniger schlimm, als wenn ich jemanden schlage. Wir können kein gerechtes Leben führen. Das konnte nur einer. Und dieser hat sein Leben gegeben. Es ist nicht mit dem Verstand zu fassen. Das kannst du vergessen. Ich versuche es auch oft genug. Doch es gelingt mir einfach nicht. Einzig mit dem Herzen ist es zu spüren. Selbst das gelingt mir manchmal besser, manchmal schlechter. Doch ich bin unendlich dankbar, dass Jesus mich in all meinen Zweifeln nicht allein lässt. Dass er mir immer wieder Momente schenkt, in denen ich spüren kann: Er ist da. Das ist echt ein Privileg!

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