butterfly2god

Gedanken
Jesus

Wunderheilung

2. März 2018

Was war denn da hinten los? Da waren so unglaublich viele Menschen. Und sie riefen laut durcheinander. Einzelne Wörter drangen an mein Ohr. Doch ich wurde nicht recht schlau daraus. Dennoch war ich neugierig und wollte wissen, warum so viele Menschen am See versammelt waren.

Mich mochte niemand. Ich war krank. Seit Jahren litt ich an einer Krankheit, die mich nicht gesellschaftsfähig machte. Ich musste dauerhaft im Abseits leben. Mein ganzes Geld hatte ich schon ausgegeben für Ärzte, Medizin, Wunderheiler. All meinen Besitz musste ich dafür verkaufen. Weil ich nur eins wollte: Gesund werden, um am Leben der Gesellschaft teilzunehmen. War das zuviel verlangt? Ich fand es eigentlich nicht.

Da ich also wissen wollte, was dort hinten los war, machte ich mich auf den Weg. Doch ich musste vorsichtig sein. Denn ich durfte niemanden aus Versehen berühren. Nach dem Gesetz wäre er dann auch unrein. Das würde mir und der Person nur unnötige Schwierigkeiten einhandeln. Zu oft hatte ich es schon erlebt. War verlacht, verhöhnt, geschlagen worden, weil ich unachtsam war.  In diesem Gedränge wäre es kaum möglich, niemanden zu berühren. Doch ich musste einfach dort hin gehen. Es fühlte sich an, als würde mich eine unsichtbare Kraft geradewegs vorwärts schieben. Als würde mich jemand an die Hand nehmen und mir ins Ohr flüstern: Geh diesen Weg! Es ist der richtige für dich! Vertraue mir!

Vertrauen. Ein großes Wort! Denn mein Vertrauen hatte ich doch schon lange verloren. Mein Vertrauen in die Menschen, in die Medizin, in Wunder, sogar an unseren Gott, der uns aus Ägypten befreit hatte, zweifelte ich. Wenn es ihm möglich war, das Meer zu teilen, warum war es ihm dann nicht auch möglich, mich zu heilen? Diese Frage fraß mich langsam auf. Nach all den Jahren des Verlustes, der Entbehrung, der Verspottung, der Ausgrenzung. Warum Gott? Warum heilst du mich nicht?

Ich kam näher an die Menschengruppe heran. Plötzlich eilte eine wichtige Persönlichkeit, Jairus der Synagogenvorsteher persönlich, an mir vorbei. Was hatte das zu bedeuten? Wieso kam er selbst hier her und schickte nicht einen seiner Diener? Meine Neugier wurde immer stärker. Die Worte, die um mich herum schwirrten, verstand ich langsam immer besser. Jesus. Messias. Wunderheiler. Dämonenaustreiber. Brotvermehrer. Lebensretter.

Jesus? Es war uns ein Retter verheißen. Soviel wusste ich aus den wenigen Besuchen der Synagoge und den Gesprächen der wichtigen Männer auf den Straßen. Sie redeten ständig davon. Manche sagten sogar, jetzt wäre er gekommen. Sie hätten die Wunder, die er vollbrachte, mit eigenen Augen gesehen.

Weiter vor schob ich mich, immer achtsam niemanden zu berühren. Dort. Da war er. Ganz dicht umringt von einer großen Menschenmenge. Wie sollte ich denn noch näher an ihn herankommen? Ich wusste es nicht, aber ich wurde immer weiter von dieser unsichtbaren Macht geschoben und gedrängt. Immer mehr spürte ich, dass ich ganz nah an diesen Menschen heran kommen musste und dass nur eine klitzekleine Berührung seines Gewandes reichen würde, dass ich mich besser fühlte. An meine Heilung dachte ich in dem Moment nicht. Ich wollte nur einfach wieder Kraft bekommen, um meinen Weg weiter zu beschreiten.

Je näher ich kam, desto besser hörte ich, dass Jairus ein echtes Problem hatte. Seine Tochter lag im Sterben und er bat Jesus schnell in sein Haus zu kommen. Natürlich würde Jesus mit ihm gehen. Jairus war ein wichtiger Mann! Da! Eine Lücke in der Menge. Ich huschte vorsichtig hindurch und berührte den Saum seines Gewandes. Sofort passierten mehrere Dinge gleichzeitig!

Mein Inneres wurde ruhig. Die Blutung, unter der ich seit so vielen Jahren litt, hörte auf. Doch ich hörte auch, wie Jesus fragte: „Wer hat mich berührt?“ Ich sah den beunruhigten Blick von Jairus, seine Ungeduld, dass er Jesus am liebsten am Arm gepackt hätte und ihn mit sich gezogen hätte. Seine Angst. Die Jünger und anderen Menschen, die sich umblickten. Einige Augen blieben an mir hängen. Andere Blicke huschten über mich hinweg. Mein Herz fing an zu rasen! Was würde jetzt passieren? Ich durfte niemanden berühren! Wie oft war ich schon in Schwierigkeiten geraten, weil ich unabsichtlich jemanden berührt hatte? Nun war es absichtlich geschehen! Würde man mich steinigen? Oder fortjagen?

Die Jünger sagten: „Hier sind doch so viele Menschen, Herr? Wie sollte es da nicht passieren, dass dich jemand berührt?“ Er antwortete ihnen: „Eine heilende Kraft ist von mir ausgegangen. Da hat mich jemand absichtlich berührt.“

Oh weh. Es musste so sein. Ich musste zugeben, was ich getan hatte. Er schien es doch eh herausfinden zu können. Ich ging auf die Knie, senkte den Blick und sagte: „Herr, ich war es. Ich habe dich berührt.“ Es wurde ganz still um mich herum. So fuhr ich fort und sagte vor der ganzen Menge: „Herr, seit vielen Jahren leide ich nun schon unter ständigem Blutfluss. Nichts hat mir geholfen. Einzig der Versuch dich zu berühren, hat mich hierher geführt. Ich musste es tun. Bitte verzeih mir!“

Jesus kam auf mich zu, half mir auf und sagte zu mir: „Meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!“

Sowas hatte ich nicht erwartet. Er nahm sich meiner an und ließ selbst so wichtige Leute wie Jairus dafür warten. Er schenkte mir Gesundheit und Frieden! Den hatte ich! Denn ich war endlich wieder in der Lage ein neues Leben zu führen!

Gelobt sei Gott und Jesus Christus, sein Sohn, mein Retter!

Eine neue Aufgabe meines Fastenbuches: die Geschichte dieser Frau zu schreiben. Eine Geschichte, die ich so sehr liebe. Weil sie so viele Komponenten enthält, die ich hier gar nicht alle beschreiben kann. Lese es doch selbst einmal nach in Lukas, 8,40-48.

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