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Gedanken
Leben

Lebensvergleich

26. Januar 2018

Nähen ist meine Leidenschaft. Unter anderem. Es gibt noch einige andere Leidenschaften in meinem Leben. Aber das ist eindeutig etwas, in dem ich voll aufgehen kann und hinterher ein tolles Werk bewundern kann.

Was mich dazu bringt, darüber einen Artikel zu verfassen? Nun, gestern dachte ich so darüber nach, wie so ein Werk vor der Vollendung aussieht. Soll ich dir etwas verraten? Es sieht schrecklich aus! Die Fäden hängen wirr durcheinander, die Nähte sind sichtbar. Wenn sich etwas nicht gleich zusammennähen lässt, weil der untere Stoff sich verschoben hat, dann nähe ich noch einmal darüber, da sonst später ein Loch zu sehen wäre. Das will ja keiner! Aber so sieht man eben, dass hin und her genäht wurde und das mehrmals über- oder untereinander oder drum herum.

Die schönen Stoffseiten sieht man auch nicht, so dass wenigstens das ein Augenschmaus sein könnte. Nein, sie sind einander zugewandt, so dass man höchstens einen blassen Abklatsch des Stoffes erahnen kann, der später zu sehen sein soll.

Es wird gefrickelt und gezogen, bis es passt und solange ich es nicht umgedreht habe, ist wirklich nichts Schönes zu erkennen.

Doch für all das bleibt ein Loch. Kein großes Loch. Maximal 15 cm. Ich halte es lieber etwas kleiner. Warum werde ich später noch erzählen. Doch wofür ist dieses Loch eigentlich gut? Ha! Manchmal vergesse ich sogar es zu lassen, dann muss ich einen Teil der Naht wieder auftrennen, damit ich ein Loch habe. Das Loch ist absolut notwendig, damit mein Nähwerk zu dem werden kann, was es einmal werden soll.

Das Loch nennt sich Wendeöffnung. Und nun wird dir vielleicht klar, wofür es gut ist. Durch dieses kleine, unscheinbare Loch, welches ich manchmal sogar vergesse, so unwichtig und unscheinbar kommt es daher, kann mein Nähobjekt gewendet werden. Das ist jedes Mal ein spannender Moment für mich! Es erinnert mich nicht selten an die Geburten, die ich erlebt habe. Da kommt durch diese kleine Öffnung etwas ganz wunderschönes. Ok. Ganz so erhaben wie eine Geburt ist Nähen dann doch nicht. Aber es ist eventuell ein klitzekleines bisschen vergleichbar. Zuerst die Spannung, ob ich denn an das Loch gedacht habe? Jaaaa, da ist es. Dann wird alles, was vorher sichtbar war, nach innen gekehrt und das unsichtbare kommt nach außen. Aha! Jetzt ist der Moment, wo ich die Form, die Farbe, das Muster, einfach alles erkennen kann. Auch etwaige Fehler. Und das ist ebenso der Moment, in dem ich die Fehler noch korrigieren kann. Ich kann noch einmal alles durch dieses Loch wenden und die Fehler beseitigen. Du merkst, ohne dieses Loch geht es nicht.

Nun soll es aber hier nicht um meine Nähleidenschaft gehen. Das wäre ja etwas langweilig. Doch mir kam bei diesem ganzen Prozess in den Sinn, dass sich mein Leben durchaus mit dem Beschriebenen vergleichen lässt.

Ich bin ein sehr bildlich denkender Mensch und solche anschaulichen Dinge lassen mich manches besser verstehen.

Mein Leben gleicht dem Nähprodukt, wenn ich an etwas arbeite. Also ich meine damit meine Einstellung, meinen Charakter, meine Fähigkeiten und Gaben. Ich sehe nicht, wie es einmal im fertigen Zustand aussieht. Ich arbeite im Verborgenen daran. Ich muss niemanden daran teil haben lassen, wenn ich es nicht will. Ich sehe nur das Chaos aus losen Fäden aus Erfahrungen, Nähten wo Verletzungen zusammengeflickt wurden, Muster die sich noch undeutlich abheben. Das ganze sieht nicht schön aus und schafft mitunter auch einiges an Verwirrung. Verwirrung für mich selbst, aber auch für mein Umfeld. Doch ich muss ein Loch lassen. Dieses Loch ist für mich Jesus. Er ist derjenige, der in diese Verwirrung hineinkommen darf. Der mir helfen darf, manche Fäden abzuschneiden, der mich aufmerksam macht, wenn die Stofflagen nicht richtig übereinander liegen, so dass die Wunden nicht zugenäht werden können, der mich auf manches Muster aufmerksam macht, was noch nicht passend übereinander liegt.

Und wenn ich dann einigermaßen einverstanden bin mit dem, was ich bisher erkennen kann, was wirklich nicht viel ist, dann kann ich durch dieses Loch (Jesus immer bei mir!) hinaus gehen und das Werk von außen anschauen. Es sieht schon wesentlich besser aus, aber es ist noch nicht perfekt. Dieses oder jenes müsste noch mal nachgebessert werden. Doch ich kann entscheiden, ob ich das jetzt tun möchte, oder ob es erst einmal ok ist, so zu bleiben.

Weißt du, mein Leben ist ein einziges Nähprojekt. Ständig muss ich an mir arbeiten, will es auch, da nichts so schrecklich ist wie Stillstand! Ich muss immer wieder Nähte korrigieren, noch einmal darüber nähen, damit sie auch wirklich verschlossen bleiben, Fäden kontrollieren, abschneiden oder Vernähen, Muster korrigieren. Gut, dass ich diese Wendeöffnung habe. Gut, dass ich Jesus habe! Er ist bei mir im Chaos, aber auch, wenn ich mein Leben anschaue und mir sage: das ist ok so, das darf erst mal so bleiben.

Was passiert mit dieser Wendeöffnung? Nun, sie symbolisiert für mich den Tod. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig makaber. Aber es ist eigentlich etwas wunderschönes! Denn erst wenn ich sterbe, wird mein Nähprojekt abgeschlossen sein. Doch zuerst muss ich durch die Wendeöffnung = Jesus gehen um zu sehen, welch ein wunderbares und einzigartiges Objekt er mit mir geschaffen hat. Dann darf die Wendeöffnung geschlossen werden. Denn in meinen Leben gibt es nichts mehr zu be- und verarbeiten. Dann darf die Öffnung geschlossen werden, denn ich bin bei Jesus. Mein Leben = Nähprojekt soll dann folgendes für die anderern sein, eine schöne Erinnerung. Die Wendeöffnung an meinen wirklichen Nähprojekten verschließe ich mit der Nähmaschine. Das hinterlässt eine „Narbe“. Eine Erinnerung daran, dass hier einmal gearbeitet wurde. Eine Erinnerung daran, dass es nicht immer einfach war. Eine Erinnerung daran, dass hinter allem ein Leben mit Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit nicht besonders schönen Erfahrungen liegt. Doch man sieht sie nur, wenn man nach ihr sucht. Für die Augen ist es verborgen, da sich etwas anderes deutlicher vor sie stellt. Eine schöne Tasche, eine Buchhülle oder sonstiges.

Doch die Narbe zeigt auch, dass es ohne Schmerz nicht geht. Es geht nicht ohne Schmerz im Leben, es geht aber auch nicht ohne Schmerz in den Tod. Doch wenn es abgeschlossen ist, dann sind alle Schmerzen vorbei und nur noch die Schönheit bleibt. Mit einer Erinnerung durch die „Narbe“ gezeigt. Wie Jesus, als er sich hingab für uns. Bei ihm werden alle Schmerzen einmal vorbei sein. Doch die Erinnerung an das Schwere, an das scheinbar Unbesiegbare ist in Form seiner Narben geblieben. Daher sind diese Narben ein Hoffungszeichen für dich und mich. Das ist doch ziemlich krass, oder?

Wo ist Stoff??? Ich muss dringend nähen gehen….

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