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Gedanken
Wednesday Challenge 2018

Macht durch…

24. Januar 2018

Lies einen großen Klassiker der Literatur nochmal, den du in der Schule interpretieren musstest.

Aha. Eine interessante Aufgabe. Schule. Da war mal was. Lang ist es her. Deutsch gehörte nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfächern. Warum eigentlich nicht? Ich habe das Schreiben schon immer geliebt. Früher habe ich auf der Schreibmaschine meiner Schwester viele Kurzgeschichten verfasst. Die meisten waren unvollendet. Aber dort verarbeitete ich schon früher meine Wünsche, Sehnsüchte und Träume. Unvollendet waren sie wohl, weil mir damals schon klar war, dass der Ausgang jeder Geschichte immer offen ist. Es geht weiter. Auch wenn ein Teil davon abgeschlossen wird, doch die Geschichte hört niemals auf!

So. Also, wo war ich? Ach ja, große Klassiker. Da fällt mir doch erst mal Tolstoi ein. Oder Shakespeare. Oder Bronte. Und wie sie alle heißen. Sorry. Damit kann ich nicht dienen, dass ich sie in der Schule interpretieren musste. Auch Goethe oder Schiller, um mal bei den deutschen Klassikern zu bleiben, blieben mir erspart. Ich musste echt erst einmal überlegen. Als erstes Buch fiel mir „Die Physiker“ ein. Ein großartiges Buch, das mich sehr fasziniert hat. Doch das hatte ich leider nicht zu Hause. Die Bücherei hat montags geschlossen. Da musste ich doch glatt einmal Google bemühen, mir zu helfen, welche Klassiker es denn noch gibt, die in die Lektüre-Liste der Schule aufgenommen ist. Google hat geholfen!

„Die Welle“ von Morton Rhue! Natürlich! Die haben wir damals gelesen und auch heute steht sie noch auf der Lektüre-Empfehlung. Ein gutes Buch, das zeigt, wie schnell wir doch in Gruppen gefangen werden können. Wie sehr wir uns wünschen, ein Teil von etwas zu sein. Wie schnell es aber auch geht, dass wir nicht mehr kritisch hinterfragen, was die Motivation dieser Gruppe ist.

Macht durch Disziplin!

Macht durch Gemeinschaft!

Macht durch Handeln!

 

Ehrlich gesagt, klingt das in meinen Ohren schon eher gefährlich. Macht… Das ist ein großes Wort und bei mir klingeln schnell die Alarmglocken, wenn es um Macht geht.

Auch der Lehrer, Ben Ross musste sich eingestehen:

Die Schüler der Weller hatten ihn weit mehr zu ihrem Führer gemacht, als er es selber sein wollte. Aber er hatte sich dagegen auch nicht gewehrt. Er musste sogar zugeben, das er die Augenblicke der Macht genossen hatte, ehe alles aus den Fugen zu geraten begann: ein ganzer Raum voller Schüler, die allen seinen Befehlen sofort und widerspruchslos gehorchten, das Symbol der Welle, das er geschaffen hatte, über die ganze Schule verteilt; sogar einen Leibwächter hatte er.

Er hatte gelesen, Macht könne verführen. Jetzt hatte er es selbst erfahren.

„Die Welle“ S.154

 

Ja. Damals ging es sicher so los mit den Nazis. Doch auch heute ist das Thema nicht beendet. Schauen wir uns doch die politische Entwicklung an. Wir wünschen uns eine Regierung, die weiß, was sie tut. Die die Interessen (am liebsten die eigenen, sind wir doch mal ehrlich) der Gesellschaft bestmöglich vertritt. Ich muss sagen: Politik ist leider überhaupt nicht mein Gebiet! Aber selbstverständlich habe auch ich meine Meinung. Wenn auch keine fundierte, sondern nur eine bauchgesteuerte. Wenn ich mir allerdings anschaue, was wir für ein Wahlergebnis mit der AfD bekommen haben, dann wird mir übel. Und ich bekomme Angst. Ist das nicht ähnlich wie bei der Welle? Macht durch Disziplin? Gemeinschaft? Handeln?

Manche Parteien vertreten Programme mit denen ich überhaupt nicht einverstanden bin. Doch auf der anderen Seite: Ich habe auch weiterhin die Möglichkeit in meinem Rahmen meine Meinung und Überzeugung zu leben. Denn wir haben das Glück, dass wir in einem Land leben, in dem es möglich ist, seine Meinung zu äußern und andere Wege zu gehen. Ich muss mich der Regierung nicht beugen, wenn ich es nicht für richtig halte. Wir haben das unverschämte und vor allem unverdiente Glück in einer Demokratie zu leben, in der wir zwar manches akzeptieren müssen, was wir nicht gut finden, aber in der wir dennoch frei sind, unser Handeln an unsere Überzeugung anzupassen. In wie vielen Ländern ist das nicht möglich! Und wie schnell sich das wandeln kann, wurde hier in dem Buch während des Experimentes gezeigt. Beängstigend.

Glücklicherweise war der Lehrer Ben Ross jemand, der sich selbst reflektieren konnte. Der den Rat seiner Frau annehmen konnte. Vielleicht auch, weil das ganze Experiment noch nicht so lange ging, dass er in diesen Machtstrudel völlig versunken war.

Als ich las, wie schnell die Schüler davon ergriffen waren, denn das Ganze ging gerade einmal eine Woche, war auch ich fasziniert. Der Gruppenzwang, der hier Gemeinschaft genannt wird, war enorm. Sie haben an einer Sache gearbeitet, binnen weniger Tage Plakate gestaltet, Banner aufgehängt, viele andere davon überzeugt, dass es eine gute Sache wäre. Ein Junge wurde besonders verändert durch die Bewegung der „Welle“. Zum besseren, wie es schien. Doch war er der Sache so ergeben, dass ihm jedes Mittel Recht war. Selbst Drohungen gegen andere waren ihm nicht zuwider.

Als das Experiment beendet wurde, waren viele schockiert, frustriert, manche sogar verzweifelt. Wie dieser Junge. Da war es gut, dass der Lehrer seinen Blick wieder in die richtige Richtung lenken konnte und ihn auffangen wollte.

Ok. Ich möchte hier keine Interpretation des Buches halten. Das haben wir wohl, mehr oder weniger, alle in der Schule machen müssen.

Das Fazit meiner Wochenchallenge ist folgendes:

  • Es ist interessant, ein Buch, welches man in der Schule gelesen hat, wieder hervorzuholen.
  • Die Identifikation mit der Person im Buch ist eine andere. War es früher die Schülerin Laurie Saunders, war es heute eher der Lehrer Ben Ross.
  • Manche „Klassiker“ verlieren nichts von ihrer Thematik.
  • Auch heute lese ich noch sehr gerne, lasse mich auf die Personen und Handlungen ein und es macht mir Freude zu interpretieren.
  • Es lohnt sich, alte und bekannte Bücher wieder einmal zu lesen.

Vielleicht hast du auch Lust bekommen, ein Buch zu lesen, welches du früher einmal lesen „musstest“? Dann berichte mir doch gern davon und lasse einen Kommentar da. Ich freue mich darüber!

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