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Gedanken
Leben

Das Leben und seine Herausforderungen

3. Januar 2018

Jetzt muss ich mal ehrlich werden. Es gibt eine Sache, die mich schon länger beschäftigt. Vor einiger Zeit habe ich einmal angedeutet, dass ich krank bin. Und nun möchte ich gern einmal darüber schreiben.

Seit fast drei Jahren nun schon leide ich unter Depressionen. Mal mehr, mal weniger stark ausgereift. Es gibt Zeiten, da denke ich, ich habe das im Griff. Dann gibt es wieder Zeiten, da hat sie mich im Griff. Mittlerweile nehme ich Medikamente und sie helfen mir gut, den Tag zu schaffen. Aufzustehen, meine Aufgaben zu verrichten, manchmal sogar Ruhe zu bewahren, nicht allzu lethargisch zu sein, ja, sogar recht gut zu schlafen. Dafür bin ich mega dankbar! Denn die Zeiten, in denen ich nicht aufstehen konnte, bzw. geradewegs zur Couch getorkelt bin, um dort den Tag zu verbringen und zu heulen, waren mit einem Wort: gräßlich! Nie wieder möchte ich zurück an diesen Punkt kommen!!! Es ist ein schreckliches Gefühl, keine Kraft zu haben, um den Tag zu bewältigen. Ganz ehrlich: niemand, der das selbst erlebt hat, kann das nachvollziehen. Man möchte auf keinem Fall in diesem Zustand sein, aber die Kraft daran etwas zu ändern, fehlt komplett.

Daher bin ich sehr froh, dass es Medikamente gibt, die mir helfen, nicht in diesem Sumpf zu stecken, sondern aktiver am Leben teilnehmen zu können!

Was ich jedoch merke ist, dass ich einfach keine Freude mehr empfinden kann. Letztens lag ich im Bett und dachte darüber nach, welch perfekten Tag ich erlebt hatte. Morgens einen ausgedehnten und erfolgreichen Einkaufsbummel mit meinem Mann. Wir saßen danach zusammen im Cafe und ließen es uns einfach gut gehen. Dann kam ich heim und hatte ganz viel Zeit für mich, da meine Eltern mit meiner Tochter im Zoo waren. Ich ging spazieren und hatte eine tolle Zeit mit Gott. (Dabei fand ich mein Wort des Jahres!) Abends traf ich meine liebe Freundin, wir aßen lecker und quatschten über alles mögliche. Es gab keinen Streit, keine Gründe, die mich traurig stimmten. Einfach alles war perfekt. Und dennoch lag ich im Bett und dachte darüber nach, dass ich mein Leben nicht meistern kann. Das mich zu viele Dinge gefangen nehmen, denen ich nicht entrinnen kann. Dass ich mental immer noch auf der Couch liege und nicht hochkomme und weine. Das hat mich sehr traurig und auch hoffnungslos gemacht.

Gestern hatte ich eine Auseinandersetzung mit meinem Mann. Ja, sie gehören dazu. Denn wir sind Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen, Meinungen, Charakteren und so weiter. Dennoch fiel mir einmal mehr auf, wie sehr ich mich oft in Schemen pressen lasse. Weil ich keine Konflikte aushalten kann, weil ich Sorge habe, die Liebe oder Zuneigung meiner Mitmenschen zu verlieren. Zu oft erlebte ich das bisher. Wenn ich „ICH“ war, dann kam ich nicht mehr an. Dann entzog sich mir mein Gegenüber. Heute habe ich eine Mail verfasst, in der ich klar Stellung zu dem bezogen habe, was ich möchte und was nicht. Mit der Aussicht darauf, dass das, was ich geschrieben habe, ebenfalls zu einem Beziehungsabbruch führen kann. Aber das ist diesmal ok. Ich habe gemerkt, dass ich viel zu oft mit mir machen lasse, was andere wollen. Daher weiß ich oft gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin.

Vielleicht ist das der Grund meiner Depression. Dass ich mich zu oft zurück ziehe. Dass ich keine Konflikte zulasse. Dass ich es versuche anderen recht zu machen und mich dabei vergesse mit dem, was mir gut tut und was ich brauche.

Das alles klingt jetzt sehr egoistisch. Ein Wort, mit dem andere mich sehr gut wieder dahin bekommen können, wo sich mich haben wollen. Doch was spricht dagegen, wenn ich klare Grenzen setze? Wenn mein Nein ein Nein zum Schutz ist? Wenn ich klar formuliere, was ich brauche und was ich möchte? In meinen Augen spricht nichts dagegen. Oder was denkst du darüber?

Es geht nicht darum, dass ich nur noch machen möchte, was ich will. Das geht ja sowieso nicht. Denn ich bin Mama und Ehefrau. Kompromisse gehören dazu. Ich kann auch mal ein nein von anderen akzeptieren. Muss es auch. Und will es auch. Doch ebenso möchte ich, dass andere mein Nein akzeptieren. Damit sie nicht mehr mit meinem Gefühlen spielen können. Was ich dabei eben lernen und akzeptieren muss: andere Menschen wenden sich dann ab. Weil ihnen das zu kompliziert ist, sich mit mir auseinanderzusetzen und mich zu verstehen. Das wird nicht leicht und da muss ich sicher noch viel vergeben. Dennoch bin ich „ICH“. Und ich habe nur dieses eine Leben! Es wird mir nicht wieder gegeben. Möchte ich am Ende meines Lebens darauf zurückschauen, wie ich mental und körperlich auf der Couch lag und mich bestimmen ließ? Oder möchte ich darauf zurück schauen, was ich geschafft habe?

Manche Menschen haben mir schon gesagt, dass ich stark bin. Doch das bin ich überhaupt nicht! Ich habe gelernt, meine Schwachheit zu überspielen. Ich kann dabei vielleicht auf den Bibelvers zurückgreifen, dass Gott dort stark ist, wo ich schwach bin. Das würde ich gern behaupten. Doch ich glaube, dass ich ihn viel zu oft außen vor lasse. Oder es ist eben doch Gnade, dass ich stark erscheine, wo ich einfach nur schwach und kraftlos bin. Ich weiß es nicht.

Doch eins weiß ich: ich möchte nicht mehr weinend im Bett, im Auto oder auf der Couch oder sonstwo sein, weil ich nicht weiß, wie ich mein Leben meistern soll. Ich möchte nicht mehr daran verzweifeln, dass ich mir die Gunst von anderen erwerben möchte und dann nur das Gefühl habe, ich renne gegen Wände. Ich möchte nicht mehr lieber weg sein, damit meine Kinder nicht zu viel von meiner Depression mitbekommen und ihnen somit das Leben schwer machen. Ich möchte wissen, was ich auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten kann. Denn ich möchte weder lügen, noch möchte ich sagen: „Es geht mir nicht so gut.“

Das Ganze ist sehr schwer für mich und ich kann nur sagen: sooft ich auch an Gott zweifel, warum er mich durch diese Hölle gehen lässt, sooft bin ich ihm auch dankbar für jeden Tag, dass ich es bis hierher geschafft habe. Ich habe keine Ahnung, wie weit mein Leben noch geht. Wie lange das noch so geht. Ob ich eines Tages tatsächlich Heilung erleben kann oder ob ich daran zerbrechen werde. Aber bis hierher habe ich es geschafft. Und dann wird mir auch klar, dass es eben doch Gottes Gnade ist, die seine Kraft in mir groß werden lässt. Denn wenn ich meinen Glauben nicht hätte, der manches mal winziger ist als ein Senfkorn, dann säße ich jetzt nicht hier und könnte diese Zeilen schreiben.

Manche Menschen können es nicht verstehen. Und ich selbst verstehe es auch nicht!!! Mir geht es gut! Ich habe ein tolles Leben, 2 gesunde Kinder, einen liebevollen Mann, ich lebe in einem sicheren Land und habe jeden Tag 1.000.000 Gründe dankbar zu sein, weil ich keinen Hunger leide, weil ich ein warmes Heim habe und 3-4 mal im Jahr in den Urlaub fahren kann. Es geht mir soviel besser als 3% (ups, wohl eher besser als 97%!!!! Zahlen und ich…) der Weltbevölkerung! Doch eines weiß ich: Sprüche, die mir immer wieder klar machen, wie gut ich es habe, helfen mir nicht. Denn ich weiß das selbst!!!!! Mach dir bitte klar: Wenn du mit Meschen zu tun hast, die ebenfalls an einer Depression erkrankt sind, dann hilft einzig und allein, dass du diesen Menschen so normal wie möglich behandelst. Gib ihm Zeit und versuche seine Abwehrhaltung nicht persönlich zu nehmen. Das ist sehr schwer, das weiß ich. Dennoch hat es nichts mit dir zu tun! Menschen bekommen Husten, Schnupfen, Bandscheibenvorfälle, Krebs. Das alles sind Krankheiten, die man irgendwie behandeln kann und von denen nicht seine Persönlichkeit betroffen ist. Das ist bei psychosomatischen Krankheiten anders. Ich möchte nicht das eine gegen das andere aufwiegen. Ich möchte nur klar machen: wenn du jemanden kennst, der unter einer Depression oder anderen psychischen Krankheit leidet, dann nimm seine Reaktionen nicht persönlich. Das sage ich, die alles persönlich nimmt… Ich kann so gut verstehen, dass es nicht einfach ist. Doch glaube mir eines: ich lebe mit dieser Krankheit und ich weiß, dass es überhaupt nicht einfach ist!!!!

Danke, wenn du es bis hierher geschafft hast. Mir war das ein ganz wichtiges Anliegen für heute.

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