butterfly2god

Gedanken
Glauben

Groß ist unser Gott

28. November 2017

Für heute hatte ich eigentlich ein anderes Thema geplant. Doch Pläne sind dafür da, über den Haufen geschmissen zu werden, vor allem, wenn anderes dringlicher scheint. Mein Thema behalte ich im Hinterkopf und das wird nachgeholt. Versprochen.😉

Heute habe ich mit einer Mitarbeiterin aus unserer Gemeinde telefoniert und sie hat ein wenig über die Problematik in ihrer Gruppe berichtet. Ein durchaus berechtigtes Gespräch, wie ich finde. Das war nicht Grund ihres Anrufes. Doch in ihrer Stimme hörte ich eine gewisse Resignation und fragte sie, wie es ihr gehe. Daraufhin berichtete sie einiges aus ihrer Arbeit. Ich wage zu bezweifeln, dass ihre Stimmlage nur mit der Gruppensituation zusammenhing. Doch das war sicher ein Puzzleteilchen zum ganzen Mosaik.

Meine Bemerkung, dass wir mal wieder ein Treffen der Verantwortlichen der Kreise terminieren sollten, stieß nicht auf vorbehaltlose Begeisterung. Das kann ich natürlich verstehen. Denn gerade in der Vorweihnachtszeit gibt es viele Termine, Weihnachtsfeiern, die eigene Familienfeier will vorbereitet werden, Geschenke müssen organisiert werden usw. Dennoch finde ich es wichtig, wie ich ihr auch sagte, dass wir mal wieder einen Kreis haben, in dem wir uns gegenseitig unsere Probleme erläutern können, in dem wir auch füreinander da sein können, uns Mut machen können, füreinander beten und einfach eine Plattform haben, indem wir alles auf den Tisch legen können.

Ihre Reaktion darauf war, dass es aber nicht nur um Probleme gehen soll, sondern dass wir auch über die Dinge berichten sollen, die gut sind.

An diesem Punkt dachte ich „Hä??? Natürlich auch das!!! Aber du hast doch gerade von deinen Schwierigkeiten gesprochen???“

Und genau diesen Punkt stelle ich (vor allem in christlichen Kreisen) immer wieder fest! Probleme gibt es nicht. Oder darf es nicht geben. Alles läuft ja so gut, weil wir einen Gott haben, der so wunderbar groß ist und mit dem wir über Mauern springen können. Bitte verstehe mich nicht falsch! Natürlich haben wir diesen großen Gott und natürlich können wir ihm alles hinlegen, was uns belastet. Aber das bedeutet nicht, dass unser Leben nicht auch mit Schwierigkeiten und Herausforderungen gespickt ist. Aus was für Gründen auch immer. Und es ist fantastisch, dass wir alles zu Gott bringen können. Die größte Herausforderung für mich besteht dann darin, zu vertrauen, dass er die Schwierigkeiten regelt. Sicher sind wir auch immer wieder versucht, diese Probleme alleine zu regeln. Das wird uns ebenso wenig gelingen, wie Schwierigkeiten zu ignorieren. Denn mal ehrlich: Mir kommt es oft so vor, als würden Christen gern ignorieren und über die Probleme hinweggehen. Woher kommt das nur? frage ich mich oft.

Bestimmt bin ich ein Mensch, der viele Probleme sieht und diese besonders groß wahrnimmt. Das kann schon sein. Doch finde ich es auch nicht richtig, über Probleme hinwegzusehen und krampfhaft auf das Gute zu sehen.

Ich denke, ich kann an dieser Stelle leicht mißverstanden werden. Es geht mir nicht darum, nicht auch Gutes zu „suchen“ und achtsam zu sein, damit das Gute nicht vom Schlechtem verschüttet wird. Das passiert allzu schnell. Es gibt immer einen Grund zur Dankbarkeit und wir sind auch aufgefordert, uns gegenseitig das Gute sehen zu lassen. Das stimmt absolut und ganz und gar!

Dennoch sind wir auch dazu berufen, uns gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein, wenn wir Hilfe brauchen. Diese können wir aber nur geben, wenn wir über die Problematik Bescheid wissen.

Wir können sie dann nicht unbedingt lösen. Das ist aber auch nicht das Ziel dahinter. Das Ziel ist, dass wir eine Gemeinschaft sind, die gemeinsam für Gottes Reich arbeitet. Wir sind dazu berufen, uns gegenseitig zu stützen, zu ermutigen, zu ermahnen, zu beraten. Wir dürfen, können ja, wir sollen sogar den Blick dabei nach oben richten und Gottes Wirken auf keinen Fall unterschätzen! Doch wir müssen offen und ehrlich sein, darin, was uns beschäftigt. Mit was wir kämpfen und wo unsere Herausforderungen sind. Das ist alles andere als leicht! Ich weiß, wovon ich rede. Denn ich bin sicher nicht die erste, die um Hilfe bittet. Doch ich weiß, dass es auch „heilsam“ sein kann, wenn ich von meinen Problemen spreche und ich weiß, dass dafür gebetet wird.

Ich wünsche mir einen offenen Umgang miteinander, der das Gute und das Schlechte zulassen kann. Der geprägt ist von einer Offenheit, die auch zugeben kann: da brauche ich Unterstützung, Beratung, vielleicht sogar Hilfe. Der nicht alles mit einem „Das wird schon wieder! Du schaffst das schon! Alles nicht so schlimm, wir haben ja unseren großen Gott!“ abwiegelt. Sondern einen Blick aufeinander, der sieht, was der andere braucht und der durchaus auch mal ein „Das alles ist eine riesengroßen Sch…“ zulässt. Denn was bringt es, wenn wir die Probleme ignorieren? Soll ich dir ehrlich sagen, was meine Erfahrungen damit sind?

Das Gefühl:

  • Lass mich mit deinem Mist in Ruhe.
  • Das interessiert mich nicht.
  • Was geht es mich an?
  • Du bist einfach nicht konsequent genug.
  • Dein Glaube ist zu klein.
  • Wie? Das bisschen schaffst du nicht?

Wir sollten uns ermutigen und dem anderen nicht das Gefühl geben, dass er nicht gut genug ist. Und das passiert leicht, wenn wir die Probleme von anderen abwiegeln oder gar nicht erst hinhören. Natürlich ist es auch eine Gefahr, dass man sich zu sehr in die Probleme versenkt. Doch statt mit Ratschlägen oder Bibelversen zu kommen, wäre es doch sicher auch eine gute Idee zu fragen: Wo brauchst du Unterstützung? Was würde dir gut tun? Was kann ich konkret für dich tun?

Und dann ist es gut, wenn wir miteinander zu unserem großen Gott beten, von dem wir wissen: Er kann!!!

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