butterfly2god

Gedanken
Leben

Alles hat seine Zeit

23. November 2017

Dieser Satz ist ja schon ein wenig abgedroschen. Wer kennt sie nicht, diese Worte: Warte nur, die Zeit heilt alle Wunden, alles hat seine Zeit, Zeit ist kostbar, wie die Zeit vergeht… Sicher fallen dir noch ein paar andere Sprüche ein, die mit der Zeit zu tun haben.

Zeit und Geduld liegen oft nah beieinander. Wenn wir Geduld haben, dann ist die Zeit auf unserer Seite. Denn es macht uns nichts aus zu warten, wenn wir geduldig sind. Wenn wir aber weniger Geduld haben, ist die Zeit unser Feind. Dann kann es nicht schnell genug gehen und was passiert bei Ungeduld? Wir werden nervös, gereizt, wütend, hektisch. Und damit werden wir uns selbst und auch dem Anderen nicht gerecht.

Heute morgen unter der Dusche (ausnahmsweise mal nicht im Wald😉), kam mir der Vers aus dem ersten Teil der Bibel in den Sinn, dem Buch Prediger:

Für alles gibt es eine Stunde. Alles, was unter dem Himmel geschieht, hat seine Zeit.

Zeit zum Gebären und Zeit zum Sterben,

Zeit zum Pflanzen und Zeit zum Ausreißen,

Zeit zum Töten und Zeit zum Heilen,

Zeit zum Niederreißen und Zeit zum Aufbauen,

Zeit zum Weinen und Zeit zum Lachen,

Zeit des Klagens und Zeit des Tanzens,

Zeit, Steine zu werfen und Zeit, Steine zu sammeln,

Zeit, sich zu umarmen, und Zeit, sich loszulassen,

Zeit zum Suchen und Zeit zum Verlieren,

Zeit zum Aufheben und Zeit zum Wegwerfen,

Zeit zum Zerreißen und Zeit zum Nähen,

Zeit zum Schweigen und Zeit zum Reden,

Zeit zum Lieben und Zeit zum Hassen,

Zeit des Krieges und Zeit des Friedens.

 

Hier sind sehr viele Gegensätze aufgezeichnet. Die Menschen damals waren schon sehr klug. Damals, als dieses Buch geschrieben wurde, gab es noch keine Medien, Smartphones, die Welt war nicht in Ansätzen so vernetzt wie es heute der Fall ist. Damals gab es Familienverbände, die Menschen hatten sich und wenn mal ein Wanderer vorbei kam, dann erfuhren sie, was außerhalb ihres Ortes los war.

In der Zeit, in der wir heute leben, ist alles so schnelllebig, dass wir selbst kaum noch hinterher kommen. Was heute absolut hip und angesagt ist, ist morgen schon out und langweilig. Wir wollen alles und uns wird vorgemacht, dass uns alles möglich ist. Nicht nur das: es ist uns alles sofort möglich. Wir müssen nicht mehr warten. Wenn unseren Kindern das Turnen in einer Gruppe keinen Spaß mehr macht, weil es sich dort langweilt, dann geht es eben in die Gruppe für die nächst Älteren. Das Kind wir im Januar sechs Jahre alt? Na und? Es geht trotzdem schon in die Schule! Wozu warten?!? Wir wollen einen neuen Fernseher haben? Klar! Kein Problem. Wir gehen zum M…M… und kaufen uns einen. Mit 0% Finanzierung! Ist doch heutzutage alles kein Problem mehr.

Aber damals kannte Salomon schon das Prinzip der Geduld. Und der Zeit. Alles zu seiner Zeit hat seine Berechtigung. Ich kann nicht immer lieben. Manchmal bin ich auch sauer und das ist auch in Ordnung. Wir können nicht immer in einer Zeit des Friedens leben. Kriege gehören zum Leben dazu.  Ich kann nicht nur pflanzen. Im Winter macht pflanzen wenig Sinn, da wächst eh nichts. Manches fällt mir persönlich aber auch schwer. Es gibt eine Zeit des umarmens und des loslassens. Ich bin leider überhaupt nicht gut darin los zu lassen. Ich halte so gern fest an dem, was ich als gut erachte. Doch es gibt sie: die Zeit des loslassens. Und auch diese Zeit hat ihren Sinn und es wichtig, dass ich dann eines zulasse: Die Zeit des Weinens. Der Trauer. Sie gehört eben dazu, wenn ich loslassen muss. Dafür folgt dann wieder eine Zeit des Lachens. Und dann kann ich wieder tanzen. Aber es folgt darauf auch wieder eine Zeit des Klagens. Diese Dinge gehören untrennbar zusammen. Sie sind wie Licht und Schatten.

Als Gott die Welt schuf, schuf er als erstes das Licht. Warum tat er das wohl? Weil es ohne Licht kein Leben gibt. Jedoch da, wo Licht ist, gibt es auch Schatten. So schuf Gott mit dem Licht also gleichzeitig die Gegensätze. Und da Gott ein geniales Genie ist und an alles gedacht hat, hat es seinen Sinn, dass es diese Gegensätze gibt.

Mir liegt nicht allzu viel an Geduld. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Ich halte es nicht aus, dass ich krank bin. Ich will gleich gesund sein! Mir fällt es schwer, Situationen auszuhalten, die ich nicht selbst bestimmen kann. Ich spüre Schmerzen, wenn jemand anders leidet und kann es nicht aushalten, dass ich die Situation nicht verändern kann. Aber als mir dann diese Stelle einfiel, dass alles seine Zeit hat, musste ich einsehen, dass ich mir diese Zeit auch geben darf.

Ich darf trauern. Und ich darf es in der Zeit tun, die ich brauche, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Ich darf glücklich sein, wenn andere auch traurig sind. Ich darf mir die Zeit lassen, die ich brauche um gesund zu werden. Ich darf mit mir selbst barmherzig sein. Denn alles hat seine Zeit. Und nach der Zeit der Trauer kommt wieder eine Zeit der Freude. Ich muss sie mir nur selbst nehmen und mich nicht von außen bestimmen lassen, wie lange ich für meine eigene Regeneration brauche.

 

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