butterfly2god

Gedanken
Jesus

Unerwartet

19. November 2017

Die Bibel ist ja ein Buch, in dem unendlich viele Geschichten und Weisheiten stehen. Manchmal lese ich mit viel Gewinn darin. Manchmal gibt es Abschnitte, die sehr schwierig zu verstehen sind. Und manchmal würde ich sie am liebsten weglegen, weil mir darin etwas begegnet, womit ich absolut nicht umgehen kann.

Sozusagen ist es jedes Mal spannend, wie die Bibel zu mir spricht.

Momentan schweigt sie eher. Ich werde wenig angesprochen in dem, was ich lese. Das merke ich auch, dass ich meine Gedanken gar nicht so hier ausführen kann, wie ich es sonst oft tun konnte. Das ist nicht so leicht für mich.

Ich frage mich, ob der Blog das ist, was ich erreichen wollte. Ja. Einerseits wollte ich natürlich durch das Schreiben mein Leben mehr sortieren und ordnen. Das Schreiben hilft mir dabei. Auf der anderen Seite möchte ich aber auch eine Ermutigung für andere sein, die mit dem Glauben nicht viel am Hut haben, oder denen die Sicht auf vieles fremd ist. Ich selbst habe viele Zweifel und mir begegnen irgendwie wenig Christen, die ebenso zweifeln wie ich. Daher ist es mir ein Anliegen, Menschen, die ebenso zweifeln eine Plattform zu geben, in der sie ehrlich sein können, dass auch sie Zweifel haben. Klar! Ich glaube an einen Schöpfergott. Und ich glaube sogar an den Schöpfergott der Bibel. Mir fällt es nicht einmal schwer, an Jesus Christus als Gottes Sohn zu glauben. Denn es steht soviel Deutliches für mich in der Bibel und sie ist ein so alter Text, dass ich das gar nicht anzweifeln kann. Und will.

Dennoch glaube ich nicht immer, dass Gott mir hilft.

Wir hatten heute im Gottesdienst das Thema des „unerwarteten Jesus“. Jesus reagierte nicht immer nett, freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen. Er war auch abweisend, wütend, anklagend und (heraus-) fordernd. Bei einer Szene sagte der Prediger: „Hier reagiert Jesus ziemlich schroff. Aber keine Sorge: die Geschichte geht gut aus.“

Und das macht mich nachdenklich. Müssen die Geschichten immer gut ausgehen? Oder brauchen wir das für unser Empfinden? Wir wollen es immer kuschelig und mit Happy End haben. Aber so ist unser Leben nicht. So war es nie. Und auch die Werbung und Hollywood, die uns so gern etwas anderes suggerieren wollen, können das nicht ändern. Wir dürfen uns aber auch nicht davon in die Falle locken lassen, dass sie es immer wieder versuchen.

Doch leider lasse ich mich allzu oft davon verleiten, dass ich den Anspruch stelle, dass Jesus mir bitte meine Probleme aus dem Weg räumen soll.

Ich hatte recht große Angst vor dem dunklen Herbst. Denn in dieser Jahreszeit geht es mir oft nicht gut.

Jetzt ist der November schon halb vorbei und ich halte mich relativ wacker. Zumindest bin ich noch jeden Tag aufgestanden und habe das Gröbste der Arbeiten geschafft.

Aber gut geht es mir nicht. Ich bin sehr gereizt, empfindlich, angespannt. Ich motze und schimpfe. Ich mag mich selbst nicht.

Am liebsten wäre ich auf einer Insel ganz weit weg, nur die Sonne, das Meer, ein paar Berge und ich. Ach ja und Palmen. Die gehören dazu. Was würde ich da tun? Im Sand sitzen, den Wellen lauschen. Auf die Berge steigen und die Aussicht genießen. Niemanden sehen, niemanden sprechen, einfach allein sein. Ja, das will ich wirklich gern. Allein sein.

Und dann lese ich, dass wir Gemeinschaft brauchen. Gerade auch die Gemeinschaft mit anderen Christen. Dass wir uns gegenseitig ermutigen und aufbauen können. Ermutigen und aufbauen kann ich niemanden. Denn ich selbst bin absolut entmutigt und „abgebaut“.

Ich schaffe mein Leben. Das geht so einigermaßen. Gut schaffe ich es nicht. Aber es geht.

Doch zu mehr habe ich keine Kraft und keine Energie.

Zu meiner heutigen Auslegung der Bibel gehörte die Aussage, dass der Teufel uns allzu gern isolieren möchte. Und ja. Ich sehne mich absolut nach Ruhe, Einsamkeit und Isolation. Denn ich ecke nur noch an. Ich ecke in meiner Familie an. In meinen Freundschaften. In meinen Begegnungen. Ich habe keine Kraft mehr für Begegnungen.

Möchte der Teufel das wirklich? Dass ich mich so zurück ziehe, dass ich mich von allen Menschen fern halte? Dann habe ich keine Möglichkeit mehr zu wirken. Von einem Gott zu erzählen, der groß und mächtig ist? Ja, das erscheint mir einleuchtend.

Doch frage ich mich: Gott ist doch viel größer als der Teufel! Warum holt er mich nicht aus dieser Verstrickung heraus? Warum lässt er zu, dass ich mich in der Isolation so viel wohler fühle? Das kann ich nicht verstehen.

Es ist eine Abwärtsspirale, in der ich mich befinde. Und natürlich frage ich mich, wie weit sie noch nach unten führen kann, bevor es wieder nach oben geht.

Mir tut es wirklich leid, dass ich momentan keine aufbauenden Worte finde. Dass ich mehr depressive Stimmung verteile als das ich eine Ermutigung habe.

Das wird sich sicher wieder ändern. Denn ich weiß: Gott ist groß und seine Möglichkeiten sind vielfältig und unerschöpflich. Ich bin sein Kind und nichts und niemand kann mich aus seiner Hand reißen. Auch wenn ich es nicht sehe und fühle.

Denn es gibt den unerwarteten Jesus, der oft anders handelt, als ich das denke oder auch möchte. Es wird ein Sinn darin stecken, warum ich dieses Leben so anstrengend finde und mich nach einem Ende sehne. Es wird eines Tages zu einem Zeugnis für Gottes Größe und Stärke werden. Das ist das, was mich aufrecht hält. Wenn ich Gott nicht hätte, könnte ich nicht einmal meine Aufgaben in meinem Leben erfüllen. Und darauf vertraue ich weiter. Auch wenn ich am Ende meiner Kräfte, Möglichkeiten und am Ende meines Willens bin.

  1. ….ich finde genau das gut, dass du das auch schreibst….gott bleibt gott…..auch oder gerade weil wir ihn oft nicht verstehen…..und trotzdem römer 8,28…..
    eine herzliche umarmung
    annette

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