butterfly2god

Gedanken
Leben

Erwartungen

21. September 2017

Was denkst du, wenn du dieses Wort liest: Erwartungen?

Denkst du an positive Spannung? Weil du auf deinen Urlaub wartest? Auf eine Reise? Oder vielleicht auch auf ein Kind und es kaum erwarten kannst, es endlich in deine Arme zu schließen?

Oder schnürt es dir die Kehle zu und du fühlst dich eingeengt bei diesem Wort? Weil andere etwas von dir erwarten, was du nicht leisten kannst? Oder du eine Erwartung hast, die sich nicht erfüllt?

Beides hat seine Berechtigung. Wir erwarten mit großer Freude den nächsten Urlaub. Oder lieben Besuch von unseren Freunden. Meine Schwägerin bekommt bald ein Baby und meine Tochter kann es kaum erwarten, ihre kleine Cousine endlich zu sehen, zu fühlen und kennenzulernen. Das sind Erwartungen, die uns freudig stimmen. Bei denen wir ein gutes Gefühl haben.

Doch es gibt auch die Gegenseite. Denn an jedes Ding, das wir erwarten, legen wir auch eine Messlatte an. Geht es ganz banal um den Urlaub, erwarten wir auch gewisse Inhalte. Wir möchten uns erholen, Abstand gewinnen. Wir erwarten, dass das Wetter so ist, wie wir es brauchen. Nicht zu heiß, weil wir wandern möchten. Sehr heiß, weil wir im Meer schwimmen wollen. Wind zum surfen oder segeln. Bitte keinen Regen! Der ist meist nicht so willkommen. Schnee brauchen wir, wenn wir Ski fahren wollen. Aber bitte nicht dann, wenn wir Ski fahren! Dann sieht man ja nichts. Das macht mit Sonne viel mehr Spaß! Also gut. Dem Wetter ist es zum Glück völlig egal, dass wir Erwartungen an es stellen. Es macht, was es will. Auch wenn wir nicht gerade April auf dem Kalenderblatt stehen haben.

Anders sieht es aus, wenn wir Erwartungen an unsere Unterkunft haben. Da haben wir es dann mit Menschen zu tun. Wir erwarten, dass wir für unser Geld eine Leistung erhalten. Sauberkeit gehört zum Beispiel zu den grundlegenden Erwartungen. Erreichen wir unser Domizil , wenn es nicht gerade der eigene Camper oder Wohnwagen ist, dann wollen wir nicht erst putzen müssen, um uns wohl zu fühlen. Ist es jedoch so, dass wir eine unsaubere Unterkunft vorfinden, werden wir uns beschweren. Diese Beschwerde läuft nicht ins Leere, wie beim Wetter, sondern sie richtet sich an Menschen. Hier haben wir aber das Glück: selbst, wenn wir uns lautstark und mit nicht soooo passenden Worten beschweren (was ihr und auch ich niemals tun würden!!!!!) sind die Menschen noch freundlich mit uns. Meistens zumindest. Denn es ist ihr Job! Sie werden dafür geschult und bezahlt, dass sie mit dieser Art Beschwerde umgehen können. Und zum Glück, sind sie auch nicht so eng an uns gebunden, so dass ein gesunder Abstand da ist. Auch wenn es uns nervt, wenn wir ausgerechnet diesen Job machen, so können wir doch Abstand nehmen. Es beeinträchtigt nicht unsere Beziehung zum Gegenüber. Denn die gibt es ja gar nicht.

Wie ist es aber, wenn ich Erwartungen an mein Gegenüber habe, zu dem ich eine Beziehung habe? Diese kann ja in der Tat ganz unterschiedlich gezeichnet sein. Und sie hat selbstverständlich jedes Mal eine andere Tiefe. Je tiefer die Beziehung, desto höher sind auch die Erwartungen, denke ich manchmal. Je besser ich einen Menschen kenne, desto höher sind meine Erwartungen an ihn.

Gestern habe ich in einem Telefonat mit meiner Freundin darüber gesprochen, dass wir keine Erwartungen an den anderen haben dürfen. Dass es Freiheiten geben muss. Gerade in Freundschaften sind die Erwartungen da, dass man sich Zeit füreinander nimmt. Dass der oder die andere da ist, wenn ich gerade jemanden brauche. Oder dass er oder sie sich für mein Leben interessiert. Nachfragt. Dran bleibt.

Wonach richten sich diese Erwartungen? Werden sie daraus gespeist, was ich selbst gebe, oder geben würde? Ist es mein Leben, was ich von anderen ebenso erwarte?

Ich denke schon, dass sich darin einiges wiederfindet. Das, was ich selbst tun würde, das wünsche ich mir auch von anderen.

Hoppla!

Hab ich gerade wünschen geschrieben???

Genau das ist ein wichtiger Punkt! Ich kann und habe nicht das Recht von irgendjemand irgendetwas zu erwarten! Denn da kann der andere nur verlieren. Ich kann es mir aber wünschen. Ich kann den anderen liebevoll darauf hinweisen, was mir gut tun würde. Was ich brauche. Doch aufpassen! Wünsche können aber müssen nicht erfüllt werden. Ich gebe dem anderen die Möglichkeit etwas für mich zu tun aus Liebe! Wenn ich etwas erwarte, dann hat der andere keine Freiheit mehr. Vielleicht ist er durch mein Erwartungen eingeschränkt in seinem Leben. Das darf auf keinen Fall passieren. Denn dann staut sich oft eine Wut oder auch eine Aggression, auf jeden Fall eine Enttäuschung auf. Meist auf beiden Seiten.

Es ist nicht leicht auszuhalten, wenn ich meine Wünsche äußere, und der andere mir signalisiert, dass er darauf nicht eingehen kann. Und dann kann es schnell passieren, dass ich doch eine Erwartungshaltung an den anderen habe.

Mir persönlich tut es dann immer gut, wenn ich mich ein wenig zurückziehe von der Person, um meine eigenen Gefühle wieder auf die Reihe zu bringen. Doch habe ich hier auch leider schon feststellen können, dass es nicht immer gut ankommt beim anderen. Dann habe ich schnell das Gefühl, dass es falsch verstanden wird. Hui! Gar nicht so einfach.

Wie gut, dass ich einen Gott habe, der mich durch und durch kennt! Vor dem so gar nichts verborgen ist, was ich denke, fühle, möchte. Ich kann von Gott nichts erwarten. Ich kann nicht von ihm erwarten, dass er mir Umstände so schafft, dass ich sie locker durchleben kann. Ich kann nicht erwarten, dass er jede Spur gerade biegt, die ich schief gelaufen habe. Nein. Das kann ich nicht. Aber ich kann darauf hoffen und vertrauen, ich kann ihn bitten und mir wünschen, dass er bei mir bleibt, wenn wir gemeinsam schwierige Situationen meistern müssen. Das fühlt sich gleich schon ganz anders an, wenn ich mit einer Bitte komme, statt mit einer Forderung. Ja. Eine Bitte kann abgelehnt werden. Wenn ich Gott bitte: „Mach doch bitte, dass mein Kind Gemüse isst, ohne dass daraus ein Kampf entsteht.“ kann er dieser nachkommen. Oder er lässt es zu, dass wir doch miteinander um das Gemüse streiten. Doch vielleicht spüre ich eine Ruhe, einen Frieden, der mich nicht so angespannt sein lässt. Gottes Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken sind nicht unsere. Das Gemüsebeispiel ist wirklich absolut banal. Es gibt in der Tat Lebenskämpfe, die sich nicht auf ein paar Minuten am Mittagstisch beziehen. Die gehen wochen-, monate-, jahrelang! Doch ich möchte immer wieder und jeden Tag neu darauf vertrauen, dass Gott ein Gott ist, der mich sieht. Der um meine Kämpfe genau weiß. Der mich durchträgt und leitet. Und ich möchte darauf vertrauen, dass Gottes Wege genau die sind, die richtig und gut sind. Weil er den Überblick hat und jeden Menschen kennt! Besser als ich es jemals könnte! Und weil er keine Erwartungen an mich hat. Er hat einzig den Wunsch, dass ich bei ihm bleibe. Weil er mich so liebt. Ist das nicht unfassbar groß? Wunderbar? Einzigartig? Diesen Wunsch zu erfüllen fällt mir manchmal schwer. Doch weiß ich, es ist das Beste, was ich tun kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.