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Gedanken
Gemeinde

Neubeginn 

21. August 2017

Morgen ist es soweit. Lange schon erwarte ich den Moment. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch andere schon lange darauf warten. Ok. Zumindest diejenigen, die in meiner Umgebung wohnen und ebenfalls zur Kirchengemeinde gehören.

Morgen kommt der neue Pfarrer mit seiner Familie an. Sein Dienst beginnt zwar offiziell erst am 1. September, aber freuen tu ich mich schon jetzt.

2 Jahre und 2 Monate waren wir nun vakant. Du musst wissen, ich bin noch nicht so lange mit Jesus unterwegs. Vakanz war mir ein völlig unbekannter Begriff. Meine ersten Schritte im Glauben unternahm ich in einer freien Gemeinde. Doch dann entschieden wir uns für die Ortsgemeinde. Das war für uns ein sehr großer Schritt. Denn die Frage, welche Gemeinde für uns die Richtige ist, war nicht einfach zu beantworten. Es hatte alles seine Vor- und Nachteile. „Unsere“ erste Gemeinde war so, wie wir uns Gemeinde vorstellen und wir fühlten uns dort sehr wohl. Sie war aber nicht in unserer Nähe. Wir mussten einige Kilometer fahren und auch für unsere Kinder, die damals noch recht klein waren, sahen wir keine Zukunft unabhängig von uns. Sie wären immer darauf angewiesen gewesen, dass wir sie zu den Veranstaltungen fahren und wenn Freundschaften geschlossen worden wären, wäre es nicht einfach gewesen, diese auch zu pflegen.

Die Ortsgemeinde hatte gerade einen neuen Pfarrer bekommen, und mit seiner Familie entstanden recht schnell enge Bande. Er hatte Ideen und Visionen, die wir sehr gut mittragen konnten. Das Problem der Ortsgemeinde war: Es gab sehr wenig Familien dort und wir mussten uns darauf einstellen, dass eine Menge Arbeit auf uns zukommen würde. Dennoch: unsere Kinder könnten sich leicht mit den anderen Kindern treffen. Es gibt Berührungspunkte zwischen Vereinen und Schule und somit könnte sich die Gemeinde gut in unseren Familienalltag integrieren. So meinten wir, dass wir auf Gottes Willen hören und entschieden uns für die Ortsgemeinde.

Die erste Zeit lief es auch ganz gut, dann aber entschied unser Pfarrer, eine neue Stelle anzunehmen. Auch sie gingen Gottes Weg. Und verließen uns.

Eine schwere Zeit begann für uns. Mein Mann war inzwischen Ältester und konnte sich so gut ins Gemeindeleben investieren. Das ging oft zu Lasten seiner Arbeit und auch der Familie. Doch ich trug es tapfer mit, denn unsere Vision von Gemeindeleben ist immer noch sehr lebendig.

Wir hatten eine Kinder- und Jugendreferentin eingestellt, die diese Vision mittragen sollte. Das tat sie auch sehr aktiv. Bis sie uns eröffnete, dass sie selbst bald Mutter werden würde. So nahe liegen Freud und Leid beieinander. Natürlich freuten wir uns mit ihr (so wie wir uns übrigens auch mit dem „alten“ Pfarrer und seiner Familie freuten!), doch waren wir auch frustriert, enttäuscht und verzagt. Wir konnten nicht so ganz verstehen, warum Gott uns so herausforderte und uns so viele Steine in den Weg legte.

Wir machten tapfer weiter. Und ich muss auch sagen, dass ich rückblickend viele Segensspuren entdecken kann. Die Ältesten haben sich tapfer geschlagen und sind sehr viele wagemutige Schritte gegangen. Einige haben den Anlass genutzt und haben ihre Gaben eingebracht, die sie vorher versteckt gehalten haben. So kam z.B. vierteljährlich ein wirklich ansehnlicher Gemeindebrief heraus. Eine Pfarrerin hatte uns besonders auf dem Herzen und vertrat treu die Gottesdienste. Ich selbst im Kindergottesdienst muss sagen, dass ich ganz viele tolle Teenager habe, die mich super unterstützen und mit denen eine Menge machbar ist!

Dennoch bin ich von Herzen froh, dass wir nach dieser langen Zeit endlich wieder jemanden haben, der den Vorsitz hat. Jemanden aus Fleisch und Blut. Jesus hat uns sehr gut und treu durch diese wirklich schwere Zeit getragen. Die Zeit war für unsere Gemeinde schwierig, aber auch für uns als Familie. Und ich bin froh, wenn wir jetzt wieder einen Gang herunterschalten können und habe die Hoffnung, dass etwas mehr Ruhe bei uns einkehren kann.

Ich sehe natürlich die Gefahr, dass wir uns nun wieder zu sehr zurücklehnen, getreu dem Motto: wir haben nun wieder einen, der alles unter seiner Verantwortung hat, dann können wir zurücktreten. In Ansätzen bemerke ich das durchaus schon in unserer Gemeinde. Und das soll so natürlich nicht sein!

Heute habe ich im 1. Korintherbrief, im 2. Teil der Bibel gelesen, dass alles zur Erbauung der Gemeinde dienen soll. Es ging um die Gaben, die Gott einem jedem gegeben hat. Und diese sollen so eingesetzt werden, dass Gott damit die Ehre gegeben wird. Oft kommt es mir so vor, da bilde ich offengestanden keine Ausnahme, dass wir gern in den Gottesdienst gehen um zu konsumieren. Wir erwarten einen perfekten Ablauf, einen geistgewirkten Lobpreis, eine lebenspraktische Predigt. Und wenn das nicht gegeben ist, dann können wir zumindest eins: uns beschweren. Doch kommt uns in den Sinn, dass wir dadurch aufgefordert werden, uns selbst mit unseren Gaben einzubringen? Dass wir etwas dazu beitragen können, Gott die Ehre zu geben und Besuchern zu zeigen, dass jeder in Gottes Reich willkommen ist? Nicht nur willkommen! Sondern er wird gebraucht! Jeder Mensch hat von Gott eine (mindestens eine!!!) Gabe bekommen. Und diese hat er bekommen, um an  Gottes Reich mitzuwirken. Um anderen zu dienen. Um Gott die Ehre zu geben und ihn groß zu machen.

Ich gestehe: in der Vakanz habe ich mich nicht immer von Herzen eingebracht. Manches mal kam es mir wie eine Last vor. Ich fühlte mich allein und ausgepowert. Doch ich durfte erleben, dass Gott mich sehr oft durch getragen hat. Er hat dafür gesorgt, dass die Pausen immer rechtzeitig kamen und ich danach wieder mit Begeisterung weiter machen konnte. Und ich möchte mich jetzt nicht ausruhen, weil ein neuer Leiter kommt. Ich möchte weiter machen, angestachelt von meiner Vision: Dass die Ortsgemeinde der Platz für uns und vor allem unsere Kinder ist, an dem sie Gott erleben und gemeinsam mit ihren Freunden ihren Glauben leben können.

Das trägt uns immer weiter.

Ich freue mich nun einfach, dass ein neuer Abschnitt beginnt und wir wieder Schritte gehen können, die wir nicht unbedingt selbst initiieren müssen. Sicher wird nicht alles so weiter laufen, wir bisher. Es wird Veränderung geben. Und sie werden uns nicht unbedingt gefallen. Dennoch bin ich mir sicher, dass Gott, der uns bis hierher gebracht hat, weiter mit uns geht. Er hat uns durch die Wüstenzeiten gebracht. Er kann noch viel, viel mehr! Viel mehr, als mein kleines Hirn sich vorstellen kann. Und dafür bin ich dankbar. Dass ich „nur“ gehen muss. Dass Gott aber trägt, wenn das gehen schwer fällt.

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