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Gedanken
Glauben

Zwangspause

20. Juli 2017

Manchmal ist es wohl nötig, dass man so ziemlich unten am Boden ankommt, damit man eine neue Perspektive bekommt.

Anders kann ich mir nicht erklären, was gerade passiert.

Immer wenn ich denke: jetzt ist es aber der Tiefpunkt. Noch schlimmer geht es nicht, dann merke ich: doch! Es geht noch schlimmer!

Jetzt sitze ich hier, habe einen fantastischen Blick über mein Heimatstädtchen, in dem ich mich gerade alles andere als zu Hause fühle und schlage die Zeit tot.

Wieso ich die Zeit tot schlage? Das frage ich mich, ehrlich gesagt, auch.

Ich hatte eine Verabredung. Da mein Mann nicht zu Hause ist, habe ich auf die Schnelle einen Babysitter besorgt und da sie sich so gefreut hat, auf meine 2 Rasselkinder aufzupassen konnte ich nicht absagen, als meine Verabredung geplatzt ist. Lustig, oder?

Jetzt habe ich ein ungewolltes Zeitfenster, für Dinge, die ich nicht machen will, aber die mir gut tun.

Denn dieses Zeitfenster bringt mich ins Nachdenken, was ich will und wie ich weiter machen kann.

Meine Freundschaften, gleich mit 3 Freundinnen auf einmal, scheinen gescheitert. Das hat unterschiedliche Gründe und sicher bin ich eines nicht: unschuldig!

Ich habe mir in letzter Zeit zu wenig Zeit für sie genommen. Statt dessen habe ich mich zurückgezogen und überlegt, wohin mein Leben mich führen wird. Und alte Wunden geleckt. Im Selbstmitleid habe ich mich gesuhlt. Oja, darin bin ich eine Meisterin! Diese Kunst beherrsche ich! Da macht mir so schnell keiner was vor. Ich habe einen Fehler gemacht und daran zerbricht jetzt alles. So habe ich es gesehen.

Jetzt hatte ich die Hoffnung, dass ich zumindest mit einer Freundin wieder eine Verbindung schaffen kann. Doch leider will sie nicht. Oder zumindest nicht so, wie ich will. Und ich will nicht so, wie sie will.

Es ist alles so zerfahren und ich weiß einfach nicht, wie es weitergehen kann. Wir wohnen alle 4 in dem schönen Städtchen, das vor mir liegt. Wir werden uns zwangsläufig begegnen. Unsere Kinder besuchen  dieselbe Schule. Sie treffen sich in Vereinen. Wir sehen uns beim bringen und abholen. Wie soll das zukünftig werden? Ein nettes Nicken, ein verhaltenes Lächeln, ein zartes „Hallo“? So sieht es aus.

Witzigerweise bin ich auf einem Berg und schaue ins Tal. Doch gefühlt liege ich in einem Tal und die Berge erscheinen mir riesengroß. Unbezwingbar.

Und aus dieser Perspektive heraus kommt mir folgender Psalm in den Sinn:

 

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

(Psalm 23, 4 Luther 2017)

Und da muss ich mich doch gleich ein bisschen freuen. Ich wandere im finsteren Tal. Aber ich bin nicht allein. Gott ist bei mir. Sein Stecken und Stab trösten mich.

Wie können Holzteile trösten? Einen Stecken kann ich nehmen um mich darauf zu stützen, wenn ich müde bin. Wenn meine Beine nicht mehr richtig weiter gehen wollen. Einen Stab kann ich zur Verteidigung nehmen, wenn ich angegriffen werde. Das ist ein ziemlicher Trost, finde ich. Dennoch finde ich den Satz „denn du bist bei mir“ noch viel eindrücklicher. Ich bin nicht allein. Auch wenn ich mich so fühle. Ich bin es einfach nicht. Gott geht neben mir her. Jesus kennt alle tiefen Gefühle. Er wurde verraten. Von seinen besten Freunden. Er wurde  verurteilt, obwohl er soviel Gutes getan und geholfen hat. Er wurde angeprangert. Bloßgestellt. Gefoltert. Verhöhnt. Wenn er also negativen Gefühle nicht kennt, kennt niemand sie!

Und dieser Jesus ist bei mir. Lässt mich nicht allein. Er gibt mir sogar Stecken und Stab um mich zu trösten!

Und es geht noch weiter:

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbtest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

(Psalm 23, 5 Luther 2017)

Wenn das mal nicht krass ist. Im Sturm, im Angesicht meiner Feinde, hat Jesus die Ruhe und Besonnenheit mir einen Tisch zu decken. Er bietet mir Speisen an. Er bittet mich zu Tisch um auszuruhen und mich zu stärken!

Mein Tisch sieht so aus: ein wunderschönes Wochenende mit einer Freundin und unseren Kindern, ein tolles Telefonat mit einer anderen Freundin, in dem wir so viel gelacht haben, ein witziges Bild von einem Freund geschickt, um mich aufzuheitern. Das ist mein Tisch, meine Pause, meine Stärkung im Angesicht meiner Feinde. Die Schwierigkeiten hören nicht einfach auf, wenn ich am Tisch sitze, aber ich bekomme eine Pause von all dem. Und kann in dem Moment auch erkennen: Du schenkst mir voll ein! Weil Gott ein Gott ist, der versorgt. Der mich nicht hängen lässt, nur weil ich mal eine Weile im finstren Tal wandere. Er sorgt selbst dort für mich

Ich muss gestehen, der Psalm 23 hat mich früher nicht besonders angesprochen. Er kam mir so abgedroschen vor. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr erkenne ich die Schönheit, aber vor allem die Wahrheit hinter diesen Worten! Und ich bin so dankbar.

Einfach dankbar für die Zwangspause, die ich heute hatte. Für die Zeit, in der ich meine Gedanken sammeln und sortieren konnte. Für die Gelegenheit, eine neue Ausrichtung zu bekommen. Dafür, dass Gott selbst im scheinbar größtem Chaos die Oberhand behält und mir neue Blickwinkel schenkt.

Ich habe den größten Streiter an meiner Seite! Wenn Gott für mich ist, wer kann dann gegen mich sein? Er hat die Souveränität, im Angesicht meiner Feinde einen Tisch zu bereiten. Wer hat das schon? Er tut es für mich!

Und er tut es genauso für dich! Weil er dich liebt! So wie mich. Wie wunderbar und unverdient das auch immer sein mag.

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