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Gedanken
Leben

Unter mir das „Nichts“

18. Juni 2017

Heute hatte ich ein wirklich richtig wunderbares Erlebnis.

Letztes Jahr waren wir im Sommer in den Bergen im Urlaub. Dort konnte ich jede Menge Paraglider beobachten. Als wir einen Ausflug auf den Berg machten, durfte ich aus nächster Nähe zusehen, wie sie ihren Schirm bereit machten, los liefen und abhoben. Weg waren sie. In höchster Höhe in traumhafter Umgebung. Auf dem Berg stehend und die Aussicht genießend entsprang in mir der Wunsch, auch einmal so durch die Luft zu fliegen.

Der Traum wurde heute wahr!

Ich kenne mich ja nun schon ziemlich gut und weiß, dass ich ein ziemlicher Feigling sein kann. Als ich wusste, dass wir noch einmal Urlaub dort machen würden, erzählte ich also diversen Menschen von meinen Plänen. Frei nach dem Motto: Die Ankündigung macht es schon ein wenig real. Es ist sonst ziemlich unangenehm nach Hause zu kommen und sagen zu müssen: Ach ne, ich habe mich dann doch nicht getraut.

In Wahrheit bin ich nämlich ziemlich höhenängstlich. Einmal habe ich einen Teamparcours in einem Hochseilgarten absolviert. Es war auf jede Weise eine Herausforderung. Wenn ich mit der Seilbahn auf den Berg fahre, wird mir leicht kribbelig im Magen und ein wenig bis sehr übel. Dennoch ist der Blick jedes Kribbeln und jedes Unwohlsein wert. Es ist ein Traum in den Höhen zu sein und den Blick über diese vollkommene Weite zu haben. Ich kann dann nur staunen über Gottes geniale Schöpfung! Was ist er doch für ein Meister seines Fachs!!!! Der, dem alle andere Kunst zugrunde liegt, hat so etwas unglaublich wunderschönes geschaffen. Ich kann mich nicht satt sehen und wünschte mir, die Zeit würde stehen bleiben. Ich will jeden Moment in mich aufsaugen und merke doch, dass ich leider allzu vergesslich bin.

Wir sind also Mittwoch hier angekommen. Am wunderschönen Achensee in Tirol. Wenn du mal ein schönes Plätzchen Erde kennen lernen willst: Komm hier her! Es lohnt sich! Und nein, ich bekomme keine Provision dafür. Ich liebe es hier so sehr. Sicher, und Gott sei Dank, gibt es noch viele schöne Plätze auf der Welt. Doch hier, ich bin mir sicher, hat Gott sich ebenfalls einen Traum erfüllt.

Mein Wunsch war vom ersten Tag an, dass ich fliegen darf. Noch am selben Tag bin ich losgezogen um mir die nötigen Informationen zu beschaffen. Zurück kam ich mit einem Termin in der Tasche. Sonntag morgen um 9.30 Uhr sollte es losgehen. Wow!!! Wie mutig ich doch bin. Ähm, also, der nette Fluglehrer, der mit mir den Termin gemacht hat, hat mir auch gleich ein Video gezeigt. Sehr zuvorkommend. Denn nun verfolgte mich die Höhe in meinen Träumen und ließ mich wenig entspannt schlafen. Angst, dass ich abstürzen würde, hatte ich gar nicht! Und der Fluglehrer war auch wirklich sehr einfühlsam und ermutigend. Aber diese Höhe! Ohne Boden unter den Füßen. Einfach frei in der Luft. Also, fast frei. Sitzend und über einen der Schirm mit, was hat doch gleich gesagt? 9 Meter Fäden? Die sollen stabil sein. Also glaube ich das mal. Ob es 9 Meter waren, oder 90 oder 900. Das habe ich mir nicht gemerkt und war auch total unerheblich. Denn mindestens 600 Meter unter mir waren lediglich Luft. Was interessieren mich da Meterangaben über Fäden. Dennoch habe ich mich seltsamerweise nie unsicher gefühlt, dass ich nicht auch wieder gut landen würde. Ich weiß mich eben doch auch in Gottes Hand.

Eine Stunde bin ich zur Bergbahn gelaufen. Das war gut. In dieser Zeit habe ich versucht, nicht an das zu denken, was ich gleich erleben würde. Sondern die Umgebung bewusst wahrzunehmen und mich an den unglaublich erhabenen Bergen und dem super blauen, klaren See zu erfreuen. Das ist mir glücklicherweise gelungen. Kurz vorm Ziel gab es eine Aussichtsplattform, ca 10 Meter über dem See. Das war eine gute Möglichkeit, zu testen, wie es heute um meine Höhenangst bestellt ist. Also bin ich hoch gestiegen. Das war noch ganz einfach. Von oben herunter zu sehen war ebenfalls easy. Runter zu kommen dagegen schon etwas schwieriger. Denn durch die Stufen konnte ich durchsehen. Ups… Wollte ich wirklich durch die Luft fliegen? Naja, zum Glück hatte ich ja zu Hause von meinen Plänen berichtet. Kluge Frau baut vor!

Mein Fluglehrer war echt großartig. Erwähnte ich das schon? Er sagte genau die richtigen Dinge und nahm mich mit meiner Nervosität sehr ernst. Ständig ermutigte er mich. Er versteht sein Geschäft echt gut! Ich habe mich bei ihm sehr wohl gefühlt, was ja auch nicht unbedingt unerheblich ist.

Dann fragte er mich: „Bist du bereit?“

Mein Job war zu nicken und „Ja“ zu sagen. Das tat ich nach einem tiefen Luftzug. Und ich lief los. Plötzlich verlor ich den Boden unter den Füßen und ich flog!!! Wow!!! Was für ein unglaubliches Gefühl!

Vielleicht bist du jetzt so ein Adrenalinjunkie und machst sowas ständig. Und fragst dich: „Was macht die denn für ein Gesch…?!?“ Kann sein. Ist mir aber egal! Denn ich bin kein Adrenalinjunkie. Aber ich werde vielleicht noch einer. Ich fordere mich selbst gerade an vielen Stellen heraus, weil ich das Leben spüren will. Ich will meine Ängste überwinden und über meine Grenzen hinaus gehen. Ich will erleben, wie ich über mich hinauswachse und Dinge mache, die ich mich noch nie getraut habe. Ich will nicht immer in den gleichen Spuren laufen. Das Ganze ist nicht dazu da, mich zu profilieren und eine nette Geschichte erzählen zu können. Es geht nicht darum, dass ich jemandem etwas beweisen möchte. Es geht einzig und allein darum, dass ich meine Grenzen erweitern kann und mich meinen selbstgemachten Ängsten zu stellen um sie zu überwinden.

Das habe ich heute getan. Und das Gefühl war irre. Im wahrsten Sinne des Wortes! Die Umgebung ist so unglaublich traumhaft! Der blaue See umgeben von bewaldeten Bergen und schroffen Felsen, auf denen tatsächlich vereinzelt noch Schnee liegt. Das Gefühl durch die Luft zu fliegen, schwerelos, frei und alles unter mir zu lassen. Ich müsste lügen, wenn ich nicht auch angespannt gewesen wäre. Immerhin: es waren 600 Meter „Nichts“ unter meinen Füßen! Doch mir kamen die Tränen. Weil ich einfach dankbar war über die Möglichkeit, über mich hinauszuwachsen. Über die Schönheit, die mich umgab. Über das Freiheitsgefühl. Es war überwältigend.

Und ich muss dem Mann zustimmen, mit dem ich an der Talstation sprach, der sagte:“Beim nächsten Mal wird die Aufregung nicht mehr so stark sein.“ Ich dachte noch „Ob es ein nächstes Mal geben wird? Erst muss ich dieses Mal überleben!“

Doch ich weiß: Es wird ein nächstes Mal geben! Ich will diese Schönheit der Schöpfung noch einmal genießen! Und das Gefühl der Freiheit wieder spüren!!!

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