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Gedanken
Leben

Die Liebe und ihre Gesichter

13. Juni 2017

In letzter Zeit muss ich viel über dieses „Gefühl“ Liebe nachdenken. Was ist das eigentlich und wie äußert sie sich?

Einmal haben wir im Hauskreis darüber gesprochen, was „Liebe“ ist. Es entbrannte eine Diskussion darüber, ob sie ein Gefühl sei oder ein Willensakt. Ich weiß noch, wie ich da saß und ziemlich fassungslos über die Interpretation des Willensaktes war. Liebe! Das war eindeutig ein Gefühl für mich. Ein schmetterlingsgleiches Gefühl. Kribbeln im Bauch, die Gedanken sind voll mit der Person, die ich liebe, ich schwebe auf Wolke 7, mir ist alles andere unwichtig. So habe ich damals Liebe definiert.

Jedoch kann ich nicht abstreiten, dass die Worte „Liebe ist eine Entscheidung“ einen großen Eindruck auf mich gemacht haben. Damals konnte ich das nicht so sehen, aber heute weiß ich, dass Liebe eben mehr ist als ein Gefühl. Es ist auch ein Akt der Entscheidung: Ja, ich will lieben! Ich will dich mit all deinen Macken und Kanten, aber auch mit allem Gutem lieben!

Und ich denke darüber nach, dass ich auf völlig unterschiedliche Art und Weise lieben kann.

Da gibt es meine Freunde. Ich liebe sie auf ganz unterschiedliche Weise. Die einen mehr, die anderen weniger. Das hängt sicher davon ab, was ich mit ihnen verbinde und erlebt habe. Welche Charakterzüge ich an ihnen schätze und inwieweit ich mich mit ihnen identifizieren kann. Wenn wir ähnlich denken, ähnliche Maßstäbe haben, ein gemeinsames Hobby teilen, dann sind sie mir näher. Da gibt es natürlich Unterschiede. Doch erlebe ich sie eher als Bereicherung denn als Trennung. Die Voraussetzung dazu ist, dass wir uns in den wichtigen Punkten ähneln. Eine Freundin ist zum Beispiel sehr direkt. Sie sagt was sie denkt. Das macht es mir manchmal schwer, weil ich mich dann oft direkt angegriffen fühle. Dabei weiß ich eigentlich, dass sie es nicht so meint. Eigentlich. Nettes Wort. Denn es enthält eine Einschränkung. Ich weiß es, und weiß es doch wieder nicht. Dennoch liebe ich sie von Herzen und mir würde es nie in den Sinn kommen, mich deswegen von ihr zu distanzieren. Ich muss lernen, damit umzugehen, denn sie ist, wie sie ist. Das gute an einer freundschaftlichen Liebe ist, dass ich mich für eine Weile zurückziehen kann. Ich bin ihr nicht ausgeliefert. Es gibt schon alleine die räumliche Trennung. Wenn ich nach Hause gehe, ist die Freundschaft meist schon distanziert. Räumlich gesehen. Im Herzen sieht das natürlich anders aus.

Dann gibt es die Liebe, die ich meinem Mann gegenüber empfinde. Es geht darum, ihm nahe zu sein, Zeit mit ihm zu verbringen, intimste Gedanken und Gefühle auszutauschen und sich gegenseitig zu begehren. Von dieser Liebe kann ich mich nicht so distanzieren, wie ich es bei meinen Freunden kann. Ich bin ihr manches Mal ausgeliefert. Zumindest fühlt es sich so an. Wir sind räumlich zusammen und auch wenn unsere Wohnung zum Glück groß genug ist, sich auch mal aus dem Weg gehen zu können, begegnen wir uns doch spätestens im Schlafzimmer. Wenn ich also über diese Liebe nachdenke, muss ich mir eingestehen, dass sie manches Mal auf der Strecke bleibt im Alltagssumpf und ihrer Routine. Dann bedeutet es Zeiten und Rahmen zu schaffen, wo es möglich wird diese Liebe auszuleben. Das ist nicht leicht, manches Mal sogar richtig arbeitsintensiv. Hier kommt der Wille dazu. Meine Entscheidung, dass ich diese Liebe lebendig halten will. Die Gefühle der Schmetterlinge sind weniger vorhanden. Aber es ist ja nicht so, dass sie nicht kommen können. Im Gegenteil. Wenn ich mir Zeit nehme, mit meinem Mann ganz nah zusammen zu sein, sowohl physisch als auch psychisch, kommen die Schmetterlinge oft von alleine hinterher. Ich schaue ihn dann an und bin voller Stolz darüber, welch wunderbaren Mann ich doch an meiner Seite habe. Jaja, der Alltag kommt auch wieder und die Socken müssen vom Boden aufgehoben werden und wir diskutieren über unsere Freizeitgestaltung.

Dann gibt es die Liebe, die ich gegenüber meinen Kindern empfinde. Sie ist so ganz anders als die zu meinem Mann. Dort muss ich mich nicht entscheiden, dass ich sie lieben will. Ich liebe sie einfach. Auch dann, wenn sie mich entsetzlich nerven oder wir eine Auseinandersetzung nach der anderen haben. Sie sind ein Teil von mir und das macht es so eng, wie es fast enger nicht geht. Natürlich kann es auch mal vorkommen, dass ich recht unversöhnlich bin, wenn wir gestritten haben. Von allen Arten der Liebe ist es aber hier so, dass ich spätestens beim ins Bett gehen wieder voller Liebe bin für meine Kinder. Spätestens!!! Meist ist es nämlich schon kurz nach dem Streit so, dass ich mich für mein Verhalten schäme und mich entschuldige. Weil ich sie bedingungslos liebe. Ich glaube, dass hier eine Sicht der göttlichen Liebe erkennbar wird. In allen anderen Beziehungen ist meine Liebe, ich muss es leider zugeben, auch an Bedingungen geknüpft. Ich erwarte leider immer wieder von meinen Freunden, dass sie da sind, wenn ich sie brauche. Dass sie mich wahrnehmen und wissen, wie es mir in meinem Leben geht. Ich erwarte von meinem Mann, dass er meine Macken aushält und mich nicht verlässt. Ich erwarte von ihm, dass er für uns sorgt und dass er das am liebsten noch voll Freude tut. Und heimlich erwarte ich, dass er mich auf Händen trägt und mir den Mond vom Himmel holt.

Bei meinen Kindern erwarte ich das alles nicht. Natürlich freue ich mich, wenn sie etwas für mich tun. Wenn sie nur mal was tun, ohne dass wir stundenlang diskutieren müssen. Dennoch ist meine Liebe hier nicht an Bedingungen geknüpft. Sicherlich ist sie es auch in anderen Beziehungen nicht. Jedoch muss ich mich in anderen Beziehungen eben entscheiden: Will ich den oder die andere jetzt noch lieben? Oder reicht es mir jetzt und ich breche mit der Beziehung. Diese Frage habe ich mir schon oft in Freundschaften und ehrlich gesagt auch in der Ehe gestellt. Und dann habe ich eine Entscheidung getroffen. Bei meinen Kindern habe ich mir diese Frage noch nie gestellt. Sie sind ein Teil von mir und ich bin ein Teil von ihnen.

Jetzt kommt der schier unglaublichste Teil der Liebe: Die Liebe zu Gott! Und die Liebe Gottes zu mir. Das ist ein ganz unfassbarer Bereich. Ich muss mir immer wieder klar machen, dass Gottes Liebe zu mir auch an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Es ist so wie mit meinen Kindern: Gott hat mich geschaffen. Als eines seiner Kinder. Und genauso liebt er mich. Er ist auch manchmal sauer und sicher mag er die stundenlangen Diskussionen mit mir genau so wenig, wie ich sie mit meinen Kindern mag. Aber er liebt mich bedingungslos. Da kommt mir ein Lied in den Sinn: „Es gibt bedingungslose Liebe, die alles trägt und nie vergeht.“ Ist das nicht eine wunderbare Zusage?

Bedingungslose Liebe: Ich muss nichts tun, ich kann gar nichts tun, damit Gott mich liebt! Seine Liebe ist an keine Bedingung geknüpft. (Im Gegensatz zu meiner Liebe, muss ich gestehen. „Gott, wenn du mir das und das gibst, dann verspreche ich dir, das und das zu tun.“) Aber Gott ist anders. Er liebt mich, auch wenn ich versage.

Die alles trägt und nie vergeht: Alles und nie! Zwei Worte, die ich aus meinem Wortschatz verbannen möchte. Aber hier schenken sie Hoffnung und Zukunft! Wenn ich Gott enttäusche, und das kommt mehrmals täglich vor, trägt diese Liebe weiter. Und sie vergeht nie! Nie! Nie! Nie! Egal, was ich verbocke. Egal, was ich gut mache. Es ist egal! Er liebt mich und das immer und bedingungslos.

Doch. Halt. Eine Bedingung gibt es vielleicht doch: Er will, dass ich mich entscheide. Dass ich mich bewusst entscheide, ihn zu lieben und ihn um Vergebung zu bitten. Auch hier ist wieder die Aussage: „Liebe ist eine Entscheidung“ zutreffend. Und auch hier konnte ich feststellen, dass die Schmetterlinge dazu gekommen sind, wenn ich Gott mein Leben neu hingegeben habe und ihn um Vergebung gebeten habe. Dann bin ich nämlich frei!

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