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Gedanken
Leben

Verschlungene Wege

9. Juni 2017

Schon öfter habe ich ja geschrieben, dass mir beim Laufen durch den Wald die besten Gedanken kommen. Zumindest bin ich der Meinung, dass es so ist.

Als ich letztens durch den Wald lief, stellte ich fest, dass ich immer nur kurze Wegabschnitte sehen konnte. Das ist im Sommer wohl extremer als im Winter. Denn im Sommer sind die Bäume grün und die Blätter versperren mitunter den Blick auf den Weg. Aber nicht nur die Blätter hindern mich daran, den Weg vollständig zu sehen. Auch sanfte oder etwas größere Steigungen behindern die Sicht.

Mir fiel auf, dass es mit meinem Leben nicht viel anders ist, als mit meiner Joggingstrecke. Ja, ich bin ein Gewohnheitstier. Ich laufe immer die gleiche Strecke. Mal nehme ich eine Schlaufe mehr, aber im Prinzip ist es immer der selbe Weg. Auch ich kenne mein Ziel im Leben. Es ist der Tod. Zumindest der physische. Mein Körper wird sterben um dann wieder auf zu erstehen. Das ist etwas, woran ich glaube. Worauf ich vertraue. Dass mein Ziel Jesus Gegenwart in der Ewigkeit sein wird. Darüber selbst lasse ich mich sicher auch noch einmal aus, aber das ist heute nicht das Thema. Heute ist es der Weg.

Mein Weg ist nie geradeaus und niemals einsehbar. Es gibt sicher Strecken, die sind weiter zu erkennen. Wie zum Beispiel mein Mutterdasein. Da erkenne ich, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Es kann sicher mal was auf dem Weg liegen. Oder er kann auch versperrt sein. Hier denke ich an Unfälle, Krankheiten, Schwierigkeiten in der Schule oder sonstiges. Auf meinem Joggingweg liegt auch manches Mal ein Hindernis. Das kommt relativ plötzlich. Letztes Mal war der Ast noch nicht dort gelegen. Also muss ich mir entweder überlegen, wie ich darum herum komme, oder ich muss einen Umweg nehmen. Beim joggen ist das ja noch einfach. Wenn es mitunter auch ziemlich nervig sein kann. Im Leben ist das schon ein wenig schwieriger. Es ist nicht immer einfach, umzukehren und andere Wege zu suchen. Nein, ganz bestimmt nicht!

Meist sehe ich aber tatsächlich nur kurze Abschnitte, die ich zu laufen habe. Und so ist es doch auch in meinem Leben. Und vielleicht auch in deinem? Wir sehen nur Abschnitte. Und das ist auch gut so. Wenn ich mir vorstelle, dass ich genau wüsste, was in den nächsten Jahren alles auf mich zukäme… Ich bin mir sicher, dass ich damit gar nicht umgehen könnte! Das wäre viel zu viel für mich. Würde ich den Berg tatsächlich hinauflaufen, wenn ich wüsste, dass oben nicht unbedingt etwas Schönes auf mich wartet? Oder würde ich dann unten sitzen bleiben und lamentieren, wozu ich denn diesen Berg hinauf gehen soll, wenn es doch kein Eis dort oben gibt? Also, ich bestimmt! Daher ist es gut, dass ich immer nur kurze Etappen einsehen darf.

Wir Menschen sind geneigt, alles wissen zu wollen. Als wir letztens in unserer Hauskreis (ein schrecklich altbackenes Wort) zusammen saßen, haben wir uns darüber unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir manchmal unsere Schwierigkeiten mit Gottes Willen haben. Vor allem dann, wenn er nicht mit unserem konform geht. Eine von uns meinte daraufhin:“Irgendwann werden wir alles verstehen. Wenn wir zurück schauen auf unser Leben.“ Ich meinte daraufhin:“Ich wünsche mir einfach nur, dass ich dann mit allem, was passiert ist, meinen Frieden haben werde. Ich möchte gar nicht alles verstehen. Ich möchte einfach nur, dass es dann alles gut ist.“

Ja, so empfinde ich das. Ich muss nicht alles verstehen. Es ist nicht so, dass ich das nicht will! Ganz bestimmt nicht! Ich würde gern verstehen wollen, warum manche Dinge sind, wie sie sind. Aber in der Ewigkeit möchte ich mich damit auch nicht mehr auseinandersetzen. Dann möchte ich einfach nur die Freude darüber empfinden dürfen, dass ich bei Jesus bin. Dass ich ihn im ewigen Lobpreis ehren darf. Da muss ich nicht mehr verstehen, warum ich manche Krankheit tragen musste. Oder warum ich soviel Schmerz empfinden musste.

Wenn ich also jetzt längere Strecken einsehen könnte, dann würde ich manche Herausforderungen gar nicht annehmen. So muss ich mich eben den Berg hinauf quälen. Und es ist anstrengend! Oh ja! Sehr. Die Beine werden immer schwerer, die Atmung flacher. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass der Berg auch ein Ende hat. Irgendwann geht es leichter. So auch im Leben. Wenn ich eine Steigung angehe, kommt es mir auch mitunter unmöglich vor, diese zu bewältigen. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich es schaffe. Ich habe schon einige Berge bezwungen. Manche waren echt hoch und steil. Ich dachte, ich schaffe es einfach nicht. Und wenn ich jetzt zurück sehe, verstehe ich immer noch nicht alles, und es ist auch nicht unbedingt schmerzfrei. Aber ich habe es geschafft. Ich habe den Berg bezwungen. Und ich werde auch den nächsten schaffen!

Denn eines weiß ich: Gott wartet auf mich! Er freut sich grad wohl nicht allzu sehr an mir. So verschwitzt und kurzatmig biete ich auch keinen besonders angenehmen Anblick. Aber er wartet bis ich oben bin. Und meinen nächsten Abschnitt anschauen kann. Im besten Falle geht es dann leichter und ich kann jetzt schon loben und mich freuen. Zumindest solange, bis die nächste Kurve oder die nächste Steigung kommt.

Gott ist da! Er hilft mir den Berg hinauf zu kommen. Er will, dass wir in Freiheit leben. Er nimmt uns nicht alle Schwierigkeiten. Aber er ist immer da, um uns in ihnen zu begleiten. Und das ist so ein unglaubliches Geschenk! Ich bin so dankbar, dass ich Jesus kennenlernen durfte und ihm mein Leben anvertraut habe. Auch wenn ich wirklich momentan meine Schwierigkeiten habe, weiß ich, dass er da ist und ich ihm vertrauen kann.

Gott hat mich schon durch viele Stürme getragen. Er wird es auch weiterhin tun.

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