butterfly2god

Gedanken
Zweifel

Die Rebellion und ihr Sieg

30. Mai 2017

Beim Laufen durch den Wald kommen mir doch immer wieder neue Ideen und Gedanken. So auch heute.

Gestern hatte ich mal wieder sozialen Kontakt. Ich muss zugeben, dass ich mich momentan von Menschen lieber fern halte. Vor allem von Gruppen. Die sind mir zu unübersichtlich, zu voll gepackt mit Worten, Emotionen, Rangordnungen. Es ist ein ganz seltsames Gefühl. Ich fühle mich wie in einer Blase. Schwebe sozusagen am Rand der Gesellschaft. Ich kann es nicht besser beschreiben. Wenn die Menschen miteinander reden, dann ist es mir zu laut und zu viel an Information. Ich möchte mich weder emotional, noch sonst irgendwie in ein Gefüge einbringen. Das ist mir nicht unbekannt. So ging es mir schon einmal und das war nicht unbedingt das schönste Gefühl. Dennoch kann ich mich nicht integrieren. Schlimmer: ich will mich nicht mal integrieren.

Gestern hat sich eine Freundin  zu mir gesetzt. Weit weg vom  Trubel der anderen. Wir haben erzählt. Und uns dann noch spontan abends verabredet. Wir hatten sehr gute Gespräche. Ich habe ihr viel von meinen Gedanken erzählen können und bin auf offene Ohren gestoßen, wo ich sonst eher Ablehnung erfahre. Das tat mal wieder richtig gut. Auch über den Glauben konnten wir reden und ich habe ihr ehrlich geschildert, wie es mir da zur Zeit geht.

Ich könnte das mit dem Essen vergleichen. Wenn es mir nicht gut geht, ist mein Magen wie zugeschnürt und ich kann nichts mehr essen. Ich weiß aber, dass ich Nahrung brauche, daher bemühe ich mich immer wieder, kleine Portionen zu essen. Dennoch komme ich eine zeit lang ganz gut ohne viel Nahrung aus. So ist es auch mit Gott. Ich lebe in dieser sozialen Abgrenzungblase und die gilt auch ihn. Ich fühle mich von ihm abgeschnitten und kann nicht mehr beten. Ich weiß aber, dass ich ihn brauche. Daher lese ich in der Bibel. Etwas, was ich tun kann, um häppchenweise Gott zu mir zu nehmen. Sicher komme ich auch hier eine zeitlang ohne Gott aus. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich das wieder ändern wird und solange „esse“ ich häppchenweise die Bibel.

Was hat das jetzt allerdings mit dem Lauf durch den Wald zu tun?

Die gestrigen Gespräche sind mir noch sehr nach gegangen. Auch im Wald. Mir kam der Gedanke, dass ich eine Rebellin bin. Eine Person, die sich gegen etwas auflehnt. So lautet die Definition. Ich lehne mich gerade gewaltig gegen alles auf, was mich umgibt. Gegen jede Beziehung, gegen mich, gegen Gott. Wirklich alles wird zur Zeit von mir bekämpft. Ich frage mich, warum ich gegen alles so angehen muss. Warum ich nicht einfach ein paar Dinge so stehen lassen kann, wie sie sind. Liegt es daran, dass ich mit dem Kopf durch die Wand will? Dass nur mein Wille zählen soll? Ich glaube nicht. Vielleicht gibt es Spuren darin von Egoismus und Egozentrik. Es könnte als Warnung auf mir stehen: Achtung Rebellin. Kann Spuren von Egoismus und Egozentrik beinhalten. Falsch ist das sicherlich nicht. Dennoch glaube ich zu erkennen, dass dort ganz viele Verletzungen stehen, die jetzt aufbrechen. Es ist wie mit dem Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: irgendwann ist es zu viel. Aber der letzte Tropfen zeigt doch nur, dass es schon vorher zu viel war. So ist es jetzt auch. Es gab einen Tropfen und der hat die Rebellin in mir auf den Plan gerufen. So versuche ich, mit den Verletzungen, die mir in meiner Lebenszeit begegnet sind, umzugehen. Der Weg ist nicht gut. Das spüre ich. Sonst wäre ich ja nicht in dieser Blase und würde mich selbst ins Abseits stellen. Aber darum geht es nicht einmal. Die Blase wird auch eines Tages wieder platzen und ich kann wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Wann weiß ich noch nicht.  Solange gilt es mich selbst auszuhalten und geduldig mit mir zu sein.

Mir kam, dass meine Rebellion, die ja auch sehr gegen meinen wunderbaren Vater im Himmel geht, vergleichbar ist mit einer Geburt. Meine Rebellion verletzt meine Umwelt, aber auch ich habe Schmerzen. Deswegen muss ich gegen alles treten, hauen, kratzen, beißen, was mir vor die Füße kommt. Zum Glück nur im übertragenen Sinne. Aber auch das hinterlässt sehr viele Spuren. Eine Geburt ist immer verbunden mit großen Schmerzen. Jedoch können Frauen sie aushalten, weil sie das Ergebnis kennen. Es gibt Frauen, die bei der Geburt schreien, beißen, schimpfen. Sie sind außer sich, weil die Schmerzen so groß sind. Sie verlieren die Kontrolle über ihren Körper. Nicht alle Frauen sind so. Manche beherrschen sich sicher auch. Ich will hier niemanden etwas unterstellen. Ich habe allerdings selbst 2 Geburten hinter mir und weiß, wie ich bei beiden reagiert habe.  Bei der ersten war ich sehr beherrscht und wollte auf keinen Fall die Kontrolle verlieren. Bei der 2.ten sah das ganz anders aus. Da bin ich sehr aus mir heraus gegangen. Aber gut, lassen wir das. Jedenfalls kam mir heute morgen der Vergleich über Geburt und Rebellion. Vielleicht wünscht sich die eine oder andere unter dem Geburtsschmerz, dass sie niemals schwanger geworden wäre. Dann säße sie jetzt nicht in diesem Zimmer und müsste all das ertragen. So geht es mir auch. Ich wünschte, manche Entscheidungen niemals getroffen zu haben. Doch jetzt muss ich mit den Konsequenzen leben. Ich rebelliere so sehr gegen diese Konsequenzen. Am Ende könnte dabei aber etwas ganz wunderbares herauskommen. Ich könnte eine Freiheit erleben, die ich jetzt nicht spüren kann, weil mein Blick nur auf das fällt, was momentan ist. Wie sich das Baby trotz aller Proteste der Mutter seinen Weg bahnt, kann es auch sein, dass meine Rebellion mir Frieden bringen wird. Denn als ich meine Babys im Arm hatte, waren alle Schmerzen vorbei und vergessen. Gott hat so gut dafür gesorgt, dass es nur Phasen sind, die dann wieder vergessen werden. Sonst wäre die Menschheit schon ausgestorben. So sorgt er auf für mich. Denn trotz meiner Rebellion gegen ihn, liebt er mich. Mit meinem Verstand ist es nicht zu fassen und mit meinem Herzen erst recht nicht zu verstehen. Dennoch hilft mir meine Häppchenbibellese dabei, dass ich dort lese: Gott ist ein Gott, der rettet. Er hat meinen Namen in seine Hand geschrieben, ich gehöre ihm. Nichts kann mich aus seiner Hand reißen. Und das hat mich heute morgen ruhiger werden lassen. Vielleicht ist meine Rebellion ja bald vorbei und ich darf wieder die ganze Liebe meines himmlischen Vaters spüren, sowie die sozialen Begegnungen genießen. Der erste kleine Schritt war gestern (danke, meine liebe Freundin!), der 2. heute morgen. Ich bin gespannt auf meinen dritten Schritt. Und die vielen folgenden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere