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Gedanken
Leben

Wozu lebe ich?

27. Mai 2017

Wir Menschen sind schon ziemlich seltsame Wesen. Also, zumindest ich bin sehr seltsam. Mich zu verstehen, ist nicht besonders leicht. Nicht mal ich selbst kenne mich. Das heißt, doch, eigentlich kenne ich mich ziemlich gut. Ich meine eher, es gibt Seiten an mir, die würde ich lieber nicht kennen wollen. Doch sie sind da. Und meist sind diese Seiten sehr hartnäckig, wenn ich sie am liebsten ignorieren würde.

Da sitze ich heute geraume Zeit am Laptop und überlege, wie ich meine Gedanken formulieren kann. Ich schreibe, verwerfe, schreibe neu, verwerfe ein weiteres Mal, schreibe noch einmal, lösche wieder. Die ganze Zeit bin ich unzufrieden mit dem, was ich an Gedanken schreibe und ich frage mich, warum ich sie nicht in Worte fassen kann. Und es wird mir eines klar: Ich mache mir Gedanken darüber, was du von mir denkst. Ich kenne dich nicht, du kennst mich nicht. Aber ich will, dass du Gutes über mich denkst und nicht merkst, in welchen unguten Gedanken ich feststecke.

Zu Anfang habe ich mir mal die Frage gestellt, was ich mit meinem Blog erreichen möchte. Und inzwischen ist es mir etwas deutlicher geworden. Ich möchte einen Ort haben, an dem ich „ich“ sein darf. An dem ich meine Gedanken sichtbar werden lasse und dadurch mein Leben etwas durchscheinender werden lassen kann. Für mich selbst in erster Linie. Das klingt ganz schön egoistisch. Ist es wohl auch. Aber ich merke, dass ich mich beim schreiben besser sortieren kann. Oft fange ich einfach an mit einem Gedanken, lasse diesen spazieren gehen und wundere mich selbst, wo er landet. Doch am Ende sehe ich meist wieder etwas klarer und bin von mir selbst überrascht.

Doch jetzt bin ich gehemmt. Ich habe den Blick auf das verloren, was für mich wichtig ist. Ich schreibe natürlich auch, um dich an meinen Gedanken teil haben zu lassen. Und freue mich sehr, wenn ich über meinen Retter Jesus schreiben kann, der mir sehr viel Halt bietet in meinem Leben. Mein Gebet ist, dass dich seine Liebe erreicht. Aber ich bin ehrlich. Ich habe auch meine Zweifel in meinem Glauben. Und die möchte ich nicht verstecken, um ein besseres Bild abzugeben. Ich zweifel an seiner Liebe zu mir. Ich zweifel nie an seiner Liebe zu anderen! Die ist vollkommen und er vergibt dir alles, was du vor ihm ablegst. Ist das nicht sonderbar? Warum kann ich es für dich zu 100% glauben, was ich selbst so schwer in Anspruch nehmen kann?

Heute habe ich mir wieder einmal die Frage gestellt:

Wozu lebe ich?

Ich bin auf keine Antwort gekommen. Ständig kreisten meine Gedanken um die Frage, wozu ich auf der Welt bin und ob es irgendeinen Unterschied macht, ob ich da bin oder nicht. Spontan würde ich mal sagen, dass es keinen Unterschied macht. Das, was ich jeden Tag so mache, das kann genauso gut ein anderer für mich tun. Genauso gut, oder sogar besser. Ich weiß nicht mal, ob ich fehlen würde, wenn ich eines Tages nicht mehr da wäre. Mein Eindruck ist oft, dass es den Leuten auffallen würde, aber mein Platz recht schnell besetzt wäre. Macht mir das zu schaffen? Ich glaube eher nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Leben so einzigartig und besonders ist, dass ich nicht ersetzbar wäre. Und ganz ehrlich: manchmal wünsche ich es mir sogar, dass ich nicht mehr meinen Aufgaben nachkommen muss. Sie ermüden mich mitunter sehr.

Heute hatte ich, da ich ja nicht nur vorm Laptop saß, eine sehr kraftraubende Begegnung. Es gab einen richtig fiesen Streit und das nur, weil auf beiden Seiten die Nerven blank lagen aufgrund von „non-stop-power“. Wenig Schlaf, wenig Rückzug. Ein Wort gibt das andere und schwups: die Harmonie ist gestört. Danach komme ich nicht zur Ruhe. Es ärgert mich, dass ich ausgerastet bin. Dass ich keinen Unterschied gemacht habe. Dass ich mich so gut kenne, aber nicht in der Lage bin aus Verhaltensmustern auszubrechen. Das ermüdet mich ungemein. Dann dreht sich meine Gedankenspirale. Leider in die Abwärtsrichtung. Und ich denke, dass es nicht nur keinen Unterschied macht, wenn ich nicht da bin, sondern dass es sogar ganz gut wäre, wenn ich nicht da wäre. Das macht mir echt zu schaffen.

Und ich schreie zu Gott: Wozu hast du mich erschaffen? Mit all meinen Fehlern? Warum kann ich sie erkennen, aber bin nicht in der Lage, es zu ändern? Die Früchte des heiligen Geistes sind: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut sowie Selbstbeherrschung. Das klingt alles sehr schön. Nur muss ich feststellen, dass ich keine dieser Früchte in mir trage. Besonders an Tagen wie heute fehlt mir Liebe, Geduld, Freundlichkeit, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Und die anderen Dinge sicher auch. Und dann frage ich mich, wieso ich an Jesus glaube (ich zweifel kein Stück an seiner Existenz!), aber nicht diese Früchte ernten kann. Das macht mich wirklich langsam mürbe. Ich dachte, mit meinem Glauben an Jesus zieht der heilige Geist bei mir ein. Manchmal glaube ich, er fühlt sich nicht besonders wohl bei  mir, weil es soviel Unordnung gibt.

Und das ist der Punkt, an dem ich gerade stehe. Ich will diese Früchte so gern ernten! Das klingt wunderbar, wenn ich mir überlege, dass ich meine Ungeduld in Geduld verwandeln kann. Meinen Zorn in Sanftmut. Dass ich selbstbeherrscht reagieren kann. Das klingt wie der Himmel auf Erden. Gott möchte, dass ich mich auf den Weg mache und ein mündiger Mensch werde. Einer, der erwachsen wird und nicht mehr auf die Babynahrung angewiesen ist. Doch ich bin noch nicht in der Lage, erwachsen zu werden und selbstbeherrscht zu reagieren. Ich bin ein impulsgesteuertes Wesen, dass es sich ziemlich leicht macht, gegen Gott zu rebellieren und dafür in meiner Natur zu verhaften, die eher so klingt: Feindseligkeit, Streit, Eifersucht, Zornesausbrüche, Intrigen, Zwistigkeiten und Spaltungen. Es gibt noch ein paar andere menschlich genannte Verhaltensweisen. Du kannst sie alle in Galater 5, 19 nachlesen. Die anderen sind aber ausnahmsweise nicht so vorherrschend bei mir. Ein Hoffnungsschimmer!

Ganz im Ernst: Ich liebe Jesus. Und ich bin unglaublich dankbar, dass ich die Bibel habe, die mir als Vorbild dient. Gerade im alten Testament merke ich: Da gibt es nicht einen Menschen, der es nur gut gemacht hat. Jeder hatte etwas, was er falsch gemacht hat und an dem er arbeiten musste. Ich habe zumindest noch keinen gefunden. Wenn ich Jesus nicht hätte, weiß ich nicht, wo ich heute wäre. Und dennoch ist es unglaublich schwierig für mich, an Tagen wie heute, das Gute zu sehen. Und ich frage mich weiterhin:

Wozu lebe ich eigentlich?

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