butterfly2god

Gedanken
Glauben

Meine Entscheidung?!

23. Mai 2017

Das Johannesevangelium, im 2. Teil der Bibel zeigt ein klares Bild von dem, wer Jesus war, oder besser gesagt immer noch ist, und dem, was er für uns und unser Leben will. Ich bin tief berührt von dem, was ich dort lese und beginne wieder neu, mich und mein Leben zu hinterfragen. Klar, ich hinterfrage mein Leben ständig. Minütlich komme ich zu neuen Ansichten darüber, treffe im Stundentakt Entscheidungen, die ich dann auch wieder verwerfe, um am nächsten Tag die Entscheidung wieder hervorzukramen. Zumindest kommt es mir gerade so vor.

Mein Leben verläuft emotional sehr turbulent. Ich erleide Niederlagen auf jeglichen Beziehungsebenen. Zumindest sehe ich das so. Gerade habe ich meine Bibellese abgeschlossen.  Sie umfasst ein Stück eines Psalms, einigen Zeilen aus dem 2. Teil der Bibel und einen größeren Abschnitt des 1. Teils der Bibel, dem alten Testament. Dort geht es um Saul, dem ersten König der Israeliten. Es wird ein sehr erstaunliches Bild gezeichnet von ihm. Er wird von Gott eingesetzt, weil die Israeliten murren, mal wieder, was für ein mürrisches Volk (etwa so wie ich????), dass sie ebenso einen König haben wollen, wie die Nachbarländer um es herum. Also gibt Gott, mal wieder, ihrem Wunsch nach und gibt ihnen einen König. Er wird als der bestaussehendste Mann in ganz Israel beschrieben. Des weiteren war er einen Kopf größer als alle anderen, nachdem er zum König berufen wurde.

Also rein optisch ein Prachtkerl als Führungskraft. Jedoch scheint es mit seiner inneren Haltung nicht weit her zu sein. Er beginnt schon ganz am Anfang seiner Laufbahn Fehler zu machen. Sein größter Fehler ist sein Stolz. Und seine Ungeduld. Er entscheidet sich, die Dinge schnell selbst in die Hand zu nehmen, bevor er irgendjemand um Rat bittet. Das spricht genau gegen Gott. Gott möchte der Herrscher sein über sein Volk. Er gibt ihnen, was sie wollen, weil er möchte, dass sie ihn erkennen. Dass sie sehen, wie gut er es mit ihnen meint. Er nimmt sie immer und immer wieder an und beschenkt sie. Sie jubeln über ihre Rettung, über Gottes Gnade und seinen Geschenke und vergessen in der nächsten Stunde wieder, was passiert ist.

So geht es mir auch. Ich frage zur Zeit herzlich wenig nach Gottes Plan, seinem Wunsch für mein Leben und wie ich mich verhalten soll. Ich halte es wie Saul, der vor einem Heer der Philister steht und diese besiegen will. Ich spüre, wie Saul, Unruhe im Lager der anderen und will diese ausnutzen, also presche ich vor, weil ich es für richtig halte. Saul hat nicht nach den damaligen Regeln gehandelt, er hat nicht Gott einbezogen in seine Pläne und Handlungen, sondern hat das getan, was er für richtig erachtet hat. Eine zeit lang ging das gut. Aber letztendlich war das sein Untergang. Er hat schon gleich zu Beginn seiner Herrschaft sein eigenes Grab geschaufelt. Nicht auf Gott zu hören. Nachlesen kannst du die Geschichte von Saul unter anderem im 1. Samuel.

So beginne auch ich mein eigenes Grab zu schaufeln. Ich lasse zu, dass Ungeduld, Neid, Eifersucht, Sorge, Zorn und sicher noch ein paar andere negative Gefühle mein Leben mehr und mehr bestimmen. Ich vergesse, dass ich einen Gott habe, zu dem ich gehen kann und der mir alles abnehmen will, was so in mir schlummert, oder auch offen zu Tage tritt. Ich will es immer noch alleine bewältigen. In manchen Stunden entscheide ich: hier Gott! Nimm meinen ganzen Kram und behalte ihn. In den anderen Stunden sage ich: Ach nein, gib mal wieder her, ich mach das doch mal schnell selbst.  So werde ich hin und her geworfen in meinem Lebensstrudel, der mich mal so und mal so entscheiden lässt.

Da kommt dann Johannes und seine Geschichte mit Jesus ins Spiel. Einer der Jünger, der von sich selbst schreibt „der, den Jesus liebt.“ Er war sich Jesu´Liebe absolut sicher. Ich wünschte, ich könnte das auch sein! Durch all die Fehler hindurch, die ich mache, kann ich mich selbst doch oft gar nicht leiden. Da frage ich mich schon immer mal wieder, wieso Gott mich überhaupt geschaffen hat, wenn ich doch immer wieder versage und keine Liebe „verdient“ habe. Aber so ist Jesus eben überhaupt nicht. Das kannst du gut im Johannes Evangelium nachlesen. Da spricht auf jeder Seite die Liebe heraus, die Not, die Jesus hat, weil er alle Menschen so sehr liebt und spürt, dass einige doch verloren gehen, weil sie sich einfach weigern an ihn zu glauben. An seine wahre Identität.

Ich bin absolut berührt von den vielfältigen Emotionen, die über Jesus dort berichtet werden. Ha! Mit Emotionen kenne ich mich wirklich gut aus! Da macht mir so schnell keiner was vor. Außer Jesus. Ich finde es wirklich faszinierend, wie Johannes hier über ihn schreibt. Es geht so klar hervor, dass er Gottes Sohn ist, von Gott mit einem klaren Auftrag auf die Erde geschickt wurde. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sich selbst bekennen soll. Und auf der anderen Seite zeichnet Johannes ein so menschliches Bild von Jesus, durch die Benennung der Emotionen. Dort geht es um tiefe Traurigkeit, sogar über Tränen, es geht um Bestürzung und Erschütterung. Es geht um Liebe und Freude. Das spricht mein Innerstes sehr an. Jesus wird greifbar. Auch wenn ich nie ganz verstehen kann, was er getan hat und immer wieder zweifel an dem, wie er mich sieht, an seiner Liebe zu mir, hier kann ich es in winzigen Teilen greifen.

Heute habe ich den Abschnitt gelesen, wie er mit Judas, seinem Verräter umgegangen ist. Selbst in dieser Situation steht:

Nach diesen Worten sagte Jesus bis ins Tiefste erschüttert: „Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten!“

Huch. Er ist darüber erschüttert. Bis ins Tiefste. Und jetzt könnte man denken, dass er erschüttert ist, weil er verraten wird. Aber das ist es nicht. Er ist darüber erschüttert, dass seine Liebe unter den eigenen Freunden verraten wird. Dass Judas verloren geht. Er liebt Judas weiter. Bedingungslos. Absolut. Entschieden. Und er ist bis ins Tiefste erschüttert, weil diese Liebe abgelehnt wird.

Heute habe ich wieder einmal was verstanden. Liebe ist kein Gefühl. Kein Schweben auf Wolke 7, oder auch nur auf Wolke 4, wie es in einem Lied so schön besungen wird. Das ist es auch. Es gibt auch die Momente, in denen alles passt. Aber vor allem ist Liebe eines: Eine Entscheidung für jemanden. Jesus hat sich entschieden, Judas so zu lieben, wie er ist. Auch wenn er bis ins Tiefste erschüttert ist. Gott hat sich entschieden, Saul zu lieben, wie er ist, auch wenn er so viele Fehler macht. Gott hat sich entschieden, mich zu lieben, auch wenn ich nicht weiß, warum. Und ich will mich auch entscheiden. Ich will mich entscheiden, Jesus zu lieben, mit all meiner Kraft und mit ganzem Herzen. Und ich will meinen Nächsten lieben. Und ich will mich lieben, denn ich soll meinen Nächsten so lieben, wie mich selbst. Wenn selbst Jesus Judas lieben kann, von dem er alles weiß, dann sollte es doch auch mir gelingen, andere zu lieben. Und mich selbst. Als Entscheidung. Und das Gefühl darf gern dazu kommen. Immer mal wieder. Aber es sollte nicht über alles bestimmen. Denn Gefühle kommen und gehen. Eine Entscheidung kann immer wieder getroffen werden. Und die bleibt!

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