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Gedanken
Leben

Das Kreuz mit dem Kreuz

19. Mai 2017

Vorhin bin ich durch den Wald gelaufen (manche sagen dazu joggen, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich, um es joggen zu nennen, zu langsam bin…) und habe tollen Lobpreis gehört. Es war echt sehr genial, so durch diese grüne Welt zu laufen, durch die Musik hindurch die Vögel zu hören und mich an der Schöpfung zu freuen. Dabei freue ich mich auch immer darüber, dass ich mich in dieser Schöpfung überhaupt bewegen kann. Das ist ein echtes Privileg!

Der Lobpreis war heute sehr ansprechend für mich und, im wahrsten Sinne des Wortes, bewegend. Und das auf unterschiedlichen Ebenen. Erstens laufe ich leichter und entspannter, wenn ich Musik höre. Das gehört für mich einfach dazu. Ich kann auf den Text hören und meine Gedanken dazu laufen lassen. Oder ich höre auf den Rhythmus und mein Körper läuft dazu. Manche Menschen laufen gern in Gruppen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich freue mich einfach sehr an der Natur und eben an der Musik und das am liebsten alleine. Oder besser gesagt, mit Jesus zusammen.

Was mir besonders ins Ohr gegangen ist, war das Lied „Follow Me“ von den Casting Crowns*. Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit in der Übersetzung des Textes. Mein Englisch ist ähnlich wie Mathe: nicht besonders ausgereift. Aber so wie ich es verstehe, ist der Text eine Zwiesprache zwischen, ich sag jetzt einfach mal mir, und Jesus. Denn was ich heraushöre, passt auch sehr gut zu mir. Jesus Antworten auf meine Rufe in diesem Lied, passen genau in mein Leben. Was immer wieder vorkommt, kein Wunder, denn schließlich ist es ja auch der Titel des Liedes, ist die Aussage „Follow me“. Folge mir. Ich habe dieses Lied wirklich schon oft gehört, jedoch hat es mich heute so richtig ins Nachdenken gebracht. Denn egal, wie es mir geht, was ich erlebe, was ich erleide, was mir passiert, womit ich kämpfe: Jesus ist da und er wünscht sich einfach nur, dass ich ihm folge.

Jesus sagte im 2. Teil der Bibel, dem neuen Testament: „Wer von euch mir nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen.“ Das kannst du in Matthäus 16,24 nachlesen.

Dieser Satz geht mir jetzt mal nicht so leicht runter. Da habe ich schon ein wenig dran zu knabbern. Sich selbst verleugnen? Wer will das schon? Die Menschen sind eher auf dem Selbstfindungstrip, als dass sie sich selbst verleugnen wollen. Nein, das gehört nicht in unsere Zeit. Selbstbehauptung ist eher das Stichwort. Wir sollen doch schließlich unseren Mann stehen, oder unsere Frau, egal ob bei der Arbeit, in der Gemeinde, in der Familie. Wenn ich mich dort selbst verleugne gehe ich doch unter! Ich muss selbstbewusst vorne stehen und den anderen zeigen, wie es funktioniert. Ok. Eine Stolperstelle gibt es dabei: Wenn das jeder macht, auf wen sollen wir denn schauen und wer weiß es denn nun genau? In Gruppen haben wir immer einen, der leitet. Einen Chef sozusagen, der uns sagt, was wir tun sollen. Ein guter Chef gibt die Richtung vor, lässt aber Freiräume zum handeln. So ein Chef ist Jesus auch. Er gibt die Richtung vor und wir haben innerhalb dieser Richtung Handlungsspielräume. Jedoch sollte ich immer wissen, dass nicht ich es bin, die die Richtung vorgibt. Und somit gebe ich Jesus die Vollmacht, dass er vorausgehen darf. Dabei verleugne ich mich nicht zwingend, aber ich nehme die Aufgabe an, dass es auch mal andere Wege zu beschreiten gibt, als es jetzt in meinem Kopf geplant war.

Die nächste Schwierigkeit „… und sein Kreuz auf sich nehmen…“. Was bedeutet denn „das Kreuz“? Beim Laufen kam mir in den Sinn, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, um unsere Sünden zu vergeben und den Weg zu Gott frei zu machen. Also bedeutet es vielleicht: das Kreuz auf mich zu nehmen, meine Sünden zu er- und bekennen. Meine Schwächen, meine Unvollkommenheit. Und dafür Verantwortung übernehmen. Ich muss erkennen, was in meinem Leben schief läuft. Was gibt es, was mich von Gott trennt? Wie sieht mein Kreuz genau aus? Wenn ich erkannt habe, was es ist, dann schultere ich meine Sünde, trage sie offen. Jesus hat sein Kreuz für uns getragen. Im Gegensatz dazu sagt er klar, dass ich mein Kreuz auf mich nehmen muss. Ich muss nicht das der anderen mittragen. Aber das ist ja auch schon schwierig genug. Wieviel mehr muss es Jesus gekostet haben, dieses Kreuz der Sünde zu tragen? Also, ich trage mein Kreuz, indem ich die Verantwortung für meine Fehler übernehme, ich habe es hier bei mir. Und wohin soll ich es jetzt tragen? Da gibt Jesus doch gleich die Antwort hinterher: „… und mir nachfolgen.“

Das hat mich am meisten fasziniert, heute im Wald, in meinen Überlegungen. Denn mir ist was bewusst geworden. Bisher habe ich mein Kreuz getragen und es mir immer genau angeschaut. Meine schönen Sünden. Sie leuchten in schillernden Farben. Da kann ich ja gar nicht wegsehen. Wenn ich mir jedoch etwas genau anschaue, und dazu noch schwere Last trage, kann ich nicht mehr gehen. Ich bleibe automatisch stehen. Aber Jesus sagt nicht:“Nimm dein Kreuz, schau es dir die ganze Zeit an und bleib stehen.“ Er sagt:“… und mir nachfolgen.“ Folgen bedeutet Bewegung. Ich kann nicht stehenbleiben mit meinem Kreuz, sondern ich soll ihm folgen.

Mir wurde dabei bewusst, dass ich gern stehen bleibe. Ich erwarte irgendwie, dass Jesus mir meine Last abnimmt. Aber auch das sagt er hier nicht. Ich bin nicht mal sicher, ob er das an irgendeiner Stelle in der Bibel überhaupt sagt. Klar, er wartet auf mich, bis ich wieder in der Lage bin, ihm zu folgen. Aber er will, dass ich mich bewege. Hinter ihm her soll ich gehen, dann kann ich in seinem Windschatten laufen und habe es dadurch auch leichter. Meine Sünden kann ich ans Kreuz bringen, so wie es Jesus vorgemacht hat. Ich dachte daran, dass Veränderungen auch mit kleinen Schritten beginnen. Es verändert sich doch nichts, wenn ich auf der Couch sitzen bleibe. Klar, das ist bequem und ich kann durchaus darauf hoffen, dass Jesus meine Probleme löst. Ich kann selbstverständlich auf der Couch sitzend dafür beten und darauf vertrauen, das Jesus es schon managt. Jesus hat aber eine klare Aussage getroffen: Folge mir! Wenn ich nachfolge, dabei auch noch mein Kreuz trage, dann ist das anstrengend. Es ist Arbeit. Aber was passiert, wenn ich sitzen bleibe? Wenn ich weiter mein Kreuz anschaue? Dann verpasse ich die Stelle, an der Jesus mir die Last abnimmt und ich frei werden kann. Dann bleibt alles stehen und es passiert… nichts.

Und da ich ein Mensch bin, der es nicht mag, wenn alles in seinen routinierten Bahnen verläuft, bin ich froh, dass Jesus heute wieder neu zu mir gesagt hat: „Los, folge mir!“

„At the end of yourself, just follow Me
If you lose everything, just follow Me
I will give you new life, just follow Me
Follow Me“**

* Casting Crowns „Follow Me“ vom Album „Thrive“
** Zeile aus „Follow Me“ von den Casting Crowns

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