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Gedanken
Glauben

Love changes

11. Mai 2017

Was tust du, wenn du das Gefühl hast, dass deine Welt immer weiter auseinanderfällt und du nichts dagegen tun kannst?

Die Wege und Möglichkeiten sind ja sehr vielfältig. Bunt oder grau ist immer eine Entscheidung. Wir können wählen, wie wir auf die einzelnen Geschehnisse schauen wollen. Sehe ich nur das Schlechte? Das was dunkel ist und lasse mich davon bestimmen? Oder schaue ich auch auf das, was etwas heller ist in all dem Trüben? Mir persönlich fällt es sehr, sehr schwer, das Helle zu sehen, wenn etwas passiert, was mir zuwider läuft.

Vorhin habe ich mit einer Freundin telefoniert, deren Sohn von anderen Kindern Gewalt erlebt hat. Solche Ereignisse machen mich fassungslos und wir mussten beide am Telefon weinen. Wie kann es sein, dass Kinder andere Kinder einfach so, aus Spaß an der Freude, mobben, drangsalieren, verletzen? Was geht in den Seelen der Kinder vor, die sowas tun? Was passiert überhaupt in unserer Welt, dass immer wieder die Gewalt so umgeht und ein akzeptierter Weg zu sein scheint? Und wie reagieren wir auf die Gewalt, die uns angetan wird?

Was sagt die Bibel dazu? Im ersten Teil geht es in den ersten 5 Büchern Mose sehr stark darum, dass Vergeltung geübt werden soll. Auge um Auge, Zahn um Zahn heißt es dort. Wenn dir jemand etwas antut, was nicht rechtens ist, dann schlag also ruhig zurück. Gott erlaubt es dir. Zumindest dann, wenn es aus Absicht heraus geschah. Und mein Eindruck ist, dass viele Menschen genauso leben. Wenn mir jemand etwas wegnimmt, dann ist es ok, wenn ich auch nicht mehr ehrlich bin. Kritisiert mich einer, dann ist es mein gutes Recht, zurück zu pfeffern. Warum soll ich freundlich sein, wenn es der andere doch auch nicht ist? Schlägt der andere mich, so kann ich mich ja wehren und zurück schlagen. Warum soll ich mir das gefallen lassen? Wer so lebt, will entweder, dass ihr Wille durchgesetzt wird, oder sie reagieren auf Unrecht, dass ihnen getan wurde. So nehme ich die Welt im Moment wahr. An vielen Ecken gibt es Angst und Verunsicherung und aus dieser Angst heraus kommt es oft zu Gewalt.

Im zweiten Teil der Bibel steht nun etwas ganz anderes. Dort habe ich bei Matthäus 5,38-42 folgendes gefunden:

Ihr habt gehört, dass es im Gesetz von Mose heißt: ‚Wer  jemand am Auge verletzt, soll selbst am Auge verletzt werden. Und wer anderen einen Zahn ausschlägt, soll selbst einen Zahn dafür einbüßen.‘ Ich aber sage: Wehrt euch nicht, wenn euch jemand Böses tut! Wer euch auf die rechte Wange schlägt, dem haltet auch andere hin. Wenn ihr vor Gericht erscheinen müsst und euer Hemd wird euch abgenommen, gebt euren Mantel noch dazu. Wenn jemand von euch verlangt,eine Meile weit ihm zu gehen, dann geht zwei Meilen mit ihm. Gebt denen, die euch bitten, und kehrt denen nicht den Rücken, die etwas von euch borgen wollen.

Das sind mal so ganz andere Worte, als im ersten Teil. Jetzt geht es also darum, großzügig zu sein mit anderen. Jesus erwartet etwas ganz anderes von uns. Nämlich, so steht es nachfolgend weiter, dass wir unsere Feinde nicht hassen sollen, so wie es in Moses Gesetzt heißt, sondern dass wir sie lieben sollen. Dass wir für sie beten sollen. Denn wenn wir unsere Freunde lieben, ist das leicht. Die zu lieben, die ungerecht gegen uns sind, die uns verspotten, verletzen, körperlich oder seelisch, das ist eine echt hohe Kunst! Ich beherrsche sie leider noch nicht. Ich merke immer wieder neu, wie in mir Zorn und Wut hoch kommen. Wenn mir einer was sagt, was mich verletzt, so will ich gleich zurück schlagen. Zumindest mit Worten, aber manchmal ist mir auch sehr danach, Dinge zu werfen, um dieser Wut Ausdruck zu verleihen. Da ist mir Jesus ein sehr großes Vorbild! Wenn ich lese, wie er gütig und geduldig war, dann entsteht in mir der Wunsch, es ihm gleich zu tun. Weiter in Matthäus 18, 21 fragt Petrus Jesus:

„Herr, wie oft soll ich jemandem vergeben, der mir unrecht tut? Sieben Mal?“

Das ist ja schon mal eine gewaltige Menge! Hast du schon mal sieben Mal jemanden vergeben, der dir Unrecht getan hat? Sagen wir nicht nach dem dritten Mal schon, dass wir keine Lust mehr haben, uns mit demjenigen auseinanderzusetzen? Und ich soll noch vier Mal mehr vergeben? Ja, also, wenn ich das schaffe, dann ist mir das Himmelreich doch sicher, oder Jesus? Bestimmt hielt Petrus sich selbst auch für äußerst großherzig. Ich denke, Jesus Antwort hat ihn überrascht:

„Nein!“, antwortet Jesus, „siebzig mal sieben Mal!“

Äääähm. Hab ich da richtig gelesen? Mir fallen erst einmal die Ausrufezeichen auf. Diese Kraft, die dahinter steht. Nein! Du bist nicht großherzig, wenn du sieben Mal vergibst. Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von sieben verschiedenen Personen! Sondern von einer einzigen, die uns sieben Mal Unrecht getan hat! Nein! Nicht nur sieben Mal. Siebzig mal sieben Mal! Ich bin in Mathe eine Null, aber hier handelt es sich um eine Summe, die weit über 365 Mal geht. Das heißt, wenn mir jeden Tag im Jahr eine Person Unrecht tut, vergebe ich ihr jeden Tag. Und dann bin ich immer noch nicht bei siebzig mal sieben Mal! Aber so ist Jesus. Er vergibt uns jeden Tag unsere Schuld. Und er macht das gern. Und weißt du, warum er es gern tut? Weil er mich und dich liebt. Wenn wir eine Person lieben, dann fällt uns das vergeben ja wesentlich leichter. Doch vorher haben wir ja gelesen, dass wir unsere Feinde lieben sollen. Da schließt sich der Kreis wieder.

Das ist wirklich eine schwierige Aufgabe, die Jesus mir da gestellt hat. Da ist das Gesetz Mose doch augenscheinlich leichter zu erfüllen. Aber ob es besonders zielführend ist? Ich glaube, dass wir mit Liebe und Vergebung wesentlich mehr erreichen können, als mit Zorn und Vergeltung. Ich möchte es in mein Leben aufnehmen, dass ich diese Vergebung erlerne. Dass ich mir ein Beispiel nehme an Jesu Güte, Gnade und Liebe. Die er für alle Menschen hat. Für die, die ihn lieben und sogar auch für die, die ihn hassen. Auch die liebt er und schafft dadurch Veränderung. Es gelingt mir längst nicht immer, aber ich möchte es schaffen. Denn es macht mich selbst auch frei. Wenn ich den Zorn und die Wut weiter in mir trage, schade ich im Endeffekt nur mir selbst. Es macht mich kaputt, frisst mich auf, führt zu noch mehr Wut. Aber Jesus ist eben gekommen, um uns frei zu machen. Er zeigt uns, wie wir Freiheit erlangen. Und wenn es so ist, dass ich dafür einer Person siebzig mal sieben Mal verzeihen soll, dann will ich diese Herausforderung annehmen. Denn ich weiß mich von dem geliebt und weiß, dass ich Vergebung auch von dem erfahre, der mir das Leben geschenkt hat!

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