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Gedanken
Leben

Meine Seele weint

7. April 2017

 

Meine Seele weint. Sie sitzt im Keller und kann nicht hinaus. Sie möchte so gern an die Sonne kommen, aber die Tür ist verschlossen. Es gibt niemanden, der die Tür aufschließen kann. Manche bleiben stehen und lauschen vor der Tür. Sie verspüren auch ein gewisses Mitgefühl. Sie drücken die Klinke herunter. Doch die Tür  bleibt verschlossen. Andere bleiben stehen und rufen gegen die Tür. Erwarten eine Antwort. Doch meine Seele kann nichts anderes tun als weinen. Also gehen sie weiter. Es gibt sogar manche, die einen Schlüssel ausprobieren. Doch keiner passt. Der Schlüssel der passt, scheint verloren. Die Tür bleibt zu. Meine Seele weint.

So komme ich mir in den letzten Tagen vor. Das Schlimme ist, dass ich wirklich hinaus kommen möchte an die Sonne. Dass ich es selbst versuche, die Tür meines Kellerlochs aufzudrücken. Und dass ich auch weiß, dass ich es alleine schaffen muss. Denn der Schlüssel, der von außen passt, ist verloren. Ob er jemals wieder gefunden wird? Ich weiß es nicht.

Viel zu oft mache ich mich von anderen Menschen abhängig. Da kommt jemand, der scheinbar schafft, die Tür ein Stück aufzuschließen. Dann erhasche ich einen Blick auf die Freiheit. Die Sonne, der Wind, die Weite wehen mir um die Nase. Doch dann geht derjenige wieder, der die Tür aufgemacht hat. Weil er keine Zeit mehr hat. Oder weil es ihm zu anstrengend ist, die Tür weiter aufzudrücken. Weil ihm andere Menschen wichtiger werden. Die Gründe sind vielfältig. Und ich kann niemandem einen Vorwurf daraus machen. Wenn ich meine Seele weinen hören würde, würde ich auch schnell weiter gehen wollen. Wer will schon mit einer weinenden Seele zusammen sein? Das Leben bietet doch so viel mehr. Freude. Lachen. Spaß. Wie passt da weinen hinein? Nein, dass muss sich in der Tat niemand an den Fuß binden. Ich verstehe es. Dennoch ist es nicht leicht für mich, dass ich alleine bin in meinem Keller und mir nichts mehr wünsche, als mit jemanden ins Licht zu treten.

Eine Sache weiß ich allerdings. Es gibt einen Menschen, der nimmt diese Situation an und kommt zu mir. Er hat den Schlüssel. Er schließt auf. Jedoch ist diese Person nicht sichtbar. Nicht greifbar. Nicht hörbar. Nicht riechbar. Sie ist mit keinem einzigen Sinn zu fassen. Außer mit dem Herzen zu spüren. Das ist nicht immer einfach. Und die Seele muss sich einen Moment von ihrem Kummer lösen um hinzuhören, hinzusehen, hinzuspüren. Sie ist nicht allein. Es ist jemand da, der nimmt sie in den Arm. Der spricht ihr Trostworte zu. Der weicht nicht von ihrer Seite.

Ich bin immer wieder im Zwiespalt. Einerseits möchte ich mein Leben mit Menschen gestalten, die ich sehen, hören, anfassen kann. Möchte mit ihnen die Freiheit erleben und das Leben spüren. Aber Menschen, das sagte ich vorhin, sind aus den verschiedensten Gründen nicht verlässlich. Sie enttäuschen mich immer wieder. Sie enttäuschen auch dich sicher immer wieder. Ja, ok, ich gebe es zu, auch ich enttäusche immer wieder. Denn wir haben alle eine Gemeinsamkeit: Wir sind eben Menschen. Und somit sind Probleme vorprogrammiert. Niemand kann sich komplett für einen anderen Menschen aufgeben. Das ist auch viel zu viel verlangt. Auf der anderen Seite gab es vor ca. 2000 Jahren einen Menschen, der genau das getan hat. Er hat sich für die Menschen seiner Zeit komplett aufgegeben. Er hat nicht das Leben geführt, das er wollte, sondern das, zu dem er berufen war. Zur Rettung der Menschen. Und weißt du, was wirklich irre ist? Er hat das nicht nur für die Menschen getan, die damals lebten. Sie waren lediglich noch Zeitzeugen des Geschehens. Er hat es auch für alle folgenden Generationen getan. Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, obwohl er doch völlig frei von jeder Schuld war. Ich kann nicht müde werden, darüber nachzudenken. Und während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich auch, dass meine Seele, zumindest für diesen Moment, still wird. Und staunend und ehrfürchtig vorm Kreuz steht. Erfassen können wir dieses Geschenk wohl niemals. Und wirklich, jedesmal wenn ich die Passionsgeschichte lese, also den Weg vom Einzug nach Jerusalem bis zur Kreuzigung, überfallen mich Scham, Freude, Trauer, Wut, Unverständnis. Sehr oft reise ich, leider nur gedanklich, in diese Szene und stelle mir vor, ich bin ein Teil derer, die alles vor Ort miterleben konnten. Wer von den Menschen wäre ich? Stünde ich jubelnd am Straßenrand und würde laut „Hosianna“ rufen? Wäre ich im Palast des Pilatus zu finden und in der Menge laut „Kreuzigt ihn“ rufen zu hören? Hätte ich einen Platz in der Menge, die den Gang zum Kreuz begleitet und würde ihn anspucken, oder ihm aufhelfen, wenn er stolpert? Zu welcher Gruppe würde ich gehören? Ich wünsche mir, dass ich zu den Menschen gehöre, die die wahre Herkunft Jesu erkannt hätte. Aber ist es nicht so, dass wir allzu oft der Menge angehören wollen, die am lautesten schreit? Ist es nicht das, was mich immer wieder in den Keller wirft? Diese Abhängigkeit, in der Menge zu schwimmen, nicht aufzufallen und leider auch gedankenlos mitzumachen?

Ich wünsche mir so sehr, von Jesus verändert zu werden. Ihn zu erkennen in seiner Herrlichkeit. Er ist derjenige, der nicht versucht, mich aus dem Keller herauszuholen. Sondern er ist derjenige, der an meiner Seite bleibt, wenn ich nicht die Kraft habe, die Tür aufzudrücken. Er spricht mir Mut zu, hört mir aber auch zu, warum ich in diesem Keller sitze. Er ist immer da. Wenn meine Seele nur mal einen Moment still ist, und ich hören kann, dass er zu mir spricht.  Das will ich immer mehr lernen. Denn Jesus ist Gottes Sohn und er war es, er ist es und er wird es auch in Zukunft immer sein. Er verändert sich nicht. Hat es durch all die Zeiten nie getan. Er ist da. Und opfert sich jeden Tag neu für mich. Dieses Geschenk darf ich annehmen. Ein kleiner Lichtschimmer in meinem dunklen Keller. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft. Auf meine Zukunft, wenn ich einmal leibhaftig neben ihm sitzen darf und ihn von Angesicht zu Angesicht schauen darf. Welch ein Vorrecht, dass ich das selbst im Keller wissen darf. Selbst dann, wenn meine Seele weint.

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