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Gedanken
Leben

Dankbarkeit

27. März 2017

Das „Jahr der Dankbarkeit“ ist ja eigentlich schon vorbei. Letztes Jahr wurde es groß deklariert. Es gab unzählige Aktionen, Bücher, die darüber geschrieben wurden, Predigten wurden gehalten, sogar ganze Predigtreihen gab es zu diesem Thema. Ich glaube, für mich persönlich, kann die Dankbarkeit auch ein Schlüssel zur Zufriedenheit in meinem Leben sein. Zumindest haben mir das schon diverse Menschen so vermittelt, dass ich mitunter recht undankbar durchs Leben zu laufen scheine. Und hm, ja, wie soll ich sagen, manchmal ist sicher auch etwas Wahres daran. Denn es ist nicht immer einfach für mich, dankbar zu sein, wenn ich das Gefühl habe, dass sich die Welt um mich herum gegen mich verschworen hat. Wie, bitte schön, kann man dankbar sein, wenn einem eine Kanne Milch im Abstellraum runterfällt und alles verschmiert ist, von der Wand, über den Staubsauger um sich letztlich auf dem Boden auszubreiten? Das Ganze ist eine klebrige und nach einiger Zeit auch stinkige Angelegenheit. Dankbar? Bin ich nicht. Zusätzlich zum putzen darf ich nicht mal in Ruhe meinen Cappucchino genießen. Oder die Kinder motzen über das Mittagessen, was ich im Schweiße meines Angesichts zubereitet habe. Dankbar ist hier in diesem Moment wohl niemand. Die Kinder bringen dies lautstark zum Ausdruck und ich brummel mir im besten Falle etwas in meinen nicht vorhanden Bart, was nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit Dank hat.

Eine sehr liebe Freundin, die sich echt viele Gedanken um mich macht, hat mir das Buch „Die Entdeckung der Dankbarkeit“ geschenkt. Dort kann ich jeden Tag eintragen, für was ich so dankbar bin. Für mich, für die Vergangenheit, für meinen kleinen Kreis und sogar wie ich unter Druck dankbar sein kann. Ja, also was soll ich sagen? Die erste Seite zieren tatsächlich schon ein paar handschriftliche Zeilen.

Im Gebet versuche ich, bevor ich anfange zu klagen, erst einmal alles aufzuzählen, für was ich dankbar bin. Und das ist tatsächlich nicht wenig. Rein objektiv betrachtet zumindest. Denn mein Herz erreicht das selten. Meist ist es eine abgespulte Routine: Danke, Herr, für meine Familie (die mich heute mal wieder ziemlich genervt hat), danke für mein schönes zu Hause (das ich nicht im Griff habe und in dem sich Wäscheberge mit Wollmäusen verbünden), danke für meine Freunde (die gar keine Zeit für mich haben, wenn ich sie mal brauche), danke für meine Eltern (die immer älter und schrulliger werden), danke für unsere Gemeinde (in der wir ganz schön viele Kämpfe auszufechten).

Sicher hast du schon den Grund erkannt, wieso mir so viele Menschen nahe gelegt haben, dass Dankbarkeit ein Schlüssel sein kann. Ein Schlüssel zur innerer Zufriedenheit, denn durch die Dankbarkeit bekomme ich auch einen Perspektivwechsel.

Diese Dankbarkeit muss ich jedoch ohne Wenn und Aber spüren und leben. Ohne dieses Hintertürchen, durch das ich ja so gerne motze. Ich bin zwar dankbar, aber…. Nein. Dieses „aber“ muss ich streichen, um wahre Dankbarkeit zu empfinden.

Wie ich ja schon sagte, einige Menschen haben mir gesagt, dass ich der Dankbarkeit mehr Platz zugestehen soll. Und jetzt, in der Fastenzeit, in der mich ein Fastenkalender jede Woche vor eine neue Herausforderung stellt, lese ich folgendes:

„Ich bin völlig davon überzeugt, dass Dankbarkeit ein Lebensstil ist, eine Gewohnheit, nicht ein Gefühl und ich möchte ein Mensch sein, der sich dafür entscheidet, dankbar für das zu sein, was ist, statt mich über das zu ärgern, was nicht ist.“

Shauna Niequist

Und zack! Da hat sich auf einmal in meinem Kopf ein Licht entzündet. Es geht nicht darum, dass ich mich dankbar fühle! Das stellt sich vielleicht irgendwann einmal ein, wenn ich diesen Lebenstil, diese Gewohnheit, voll und ganz in meinem Leben integriert habe. Doch auch wenn es sich nicht als Gefühl einstellt, bin ich in der Lage, mich für die Dankbarkeit zu entscheiden. Und mich somit auch gegen alles zu entscheiden, was mich ärgert. Ich bin kein Spielball meiner Gefühle, wie ich mit der Situation umgehen kann, wenn mir die Milch runterfällt. Oder wie ich empfinden kann, wenn meine Kinder über das Mittagessen schimpfen. Ich kann mich dafür entscheiden dankbar zu sein, dass ich noch Milch habe, um mir einen weiteren Cappucchino zu machen. Genauso kann ich mich dafür entscheiden, dankbar für das Essen zu sein, was vielleicht nicht so schmackhaft ist, aber immerhin satt macht. Ich kann dankbar sein, dass meine Familie gesund ist und wir zusammengehören, in allen Höhen und Tiefen. Unser Zuhause bietet uns eine Insel, Schutz und Wärme. Ja und meinen Eltern bin ich unendlich dankbar dafür, dass sie mich mit ihrer Liebe aufgezogen haben und mich zu der Person gemacht haben, die ich bin. In unserer Gemeinde kann ich mit anderen wunderbaren Meschen zusammen unseren großartigen Gott anbeten und gemeinsam mit ihnen immer weiter im Glauben wach.

Ja, die Umstände sind sicher nicht immer so, dass ich auf den ersten Blick die Gründe erkenne, für die ich dankbar sein kann. Aber ich möchte lernen, den Blick tiefer wandern zu lassen und mich dafür zu entscheiden dankbar zu sein, sogar dort, wo es schwierig ist. Es ist meine Entscheidung, wie ich mit der Situation umgehe. Mich hat in diesem Satz von Shauna Niequist diese Ausdrücklichkeit umgehauen, dass ich mich für die Dankbarkeit entscheide, statt im Ärger stecken zu bleiben.

Zu diesem Satz gehört die Aufgabe, in der kommenden Woche 77 Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin. Das bedeutet, jeden Tag 11 Dankesmomente zu sehen und festzuhalten. Das ist nicht mal wenig. Ich habe beschlossen, dass wir diese Aufgabe als Familie angehen. Jeder von uns schreibt jeden Tag in dieser Woche 11 Dinge auf, für die wir dankbar sind. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Kinder darauf einlassen. Gerade mein Großer ist unglaublich gut darin, Dankesmomente zu sammeln, was ich ihm gar nicht so zugetraut hätte. Mir selber fällt es gar nicht leicht, jeden Tag anderes zu finden, für das ich dankbar bin. Aber es ist eben meine Entscheidung, diese Gründe zu finden. Und ich finde sie. Und staune darüber, was mir an einem Tag begegnet, für das ich ohne wenn und aber dankbar sein darf.

Wer weiß, vielleicht füllen sich die Seiten in meinem Büchlein „Die Entdeckung der Dankbarkeit“ ja doch noch. Was für ein wunderbarer Schatz es doch sein kann, wenn die Gefühle wieder stärker werden und ich vor mich hingrummel:“Warum muss ausgerechnet ich eine so undankbare Familie haben….“

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