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Gedanken
Leben

Tortuga

22. März 2017

Heute hatte ich das Vergnügen, mit einer Horde Grundschüler ins Kino zu gehen. Gezeigt wurde der Film „Tortuga – die unglaubliche Reise der Meeresschildkröte“.

Ich muss zugeben, der Film hat mich auf vielerlei Weise angesprochen und berührt. Ich will versuchen, es wiederzugeben, was mich alles bewegt hat.

Zuerst beginnt das Leben einer kleinen Schildkröte mit einem Alleingang. Dabei  ist sie allerlei Gefahren ausgesetzt. Wenn sie aus dem Ei schlüpft, muss sie sich zuerst drei Tage durch einen Haufen Sand kämpfen bevor sie das Tageslicht sieht und final 40 m zum Meer zurück legen muss. Auf diesem Weg lauern jede Menge Gefahren wie Krebse, Seetang, unwegsames Gelände, der den Weg beschwerlich macht und Möwen. Sie alle wollen den kleinen, kinderhandgroßen Tiere ihren Weg abschneiden und sogar beenden. Es sind sehr viele Tierchen auf einmal unterwegs, der Strand brodelt quasi von diesen süßen, hilflosen Wesen. Dennoch ist jede für sich unterwegs. Sie sind nicht egoistisch, sondern sehen einfach nur das rettende Wasser vor sich. Manche schaffen es leider nicht, andere bewältigen jedoch ihren Weg zum Meer. Nur um von der Brandung zurück geworfen zu werden und letztlich am Strand zu verenden.

Diejenigen, die es schaffen, schwimmen los mit ihren winzigen Paddelflossen, welche die Größe von Schmetterlingsflügeln haben. Und sie schwimmen und schwimmen. Mich hat es fasziniert, woher sie wissen, wohin sie schwimmen sollen. Aber irgendetwas zeigt ihnen den Weg zu einem Strom. Dort landen sie nach 2 Tagen und 2 Nächten auf einer Insel aus Seegras. Und endlich, endlich können sie schlafen und essen. Der Strom trägt sie und sie sind geschützt. Zumindest erst einmal.

Ist das nicht absolut beeindruckend? Dass sie zuerst ihrem Überlebensdrang folgen, um dann, am Ende ihrer Kräfte, endlich durchatmen zu dürfen?

Mir geht es da manchmal ganz ähnlich. Nur bin ich versucht viel früher aufzugeben. Die Insel habe ich zwar vor Augen, jedoch weiß ich nicht, in welcher Richtung sie sich befindet. Somit paddle ich immer weiter durch den Strom. Oftmals sogar gegen den Strom. Diese kleinen Einzelkämpfer haben unglaublich viel Kampfgeist und Überlebenswillen. Sie wissen, wohin sie schwimmen müssen. Sie kennen, heimlich geleitet oder unsichtbar geführt, den Weg den sie nehmen sollen. Und sie haben anscheinend unglaubliches Vertrauen, dass es ein Ziel gibt, an dem sie sich ausruhen können. Ein Ziel, wo es Ruhe, Frieden und Essen gibt. Naja, natürlich ist das auch nur augenscheinlich so. Denn an diesem Ziel gibt es andere Gefahren.

Mein Leben ist doch genauso. Ich laufe und laufe, im schwimmen bin ich eher eine Niete, um meinem Ziel entgegen zu gehen. Dieses Ziel ist für mich die Ewigkeit. Ankommen bei Gott. Das ist meine Insel. Dort kann ich mich ausruhen und habe Frieden. Augenscheinlich wie bei der Schildkröte. Denn natürlich „lauern“ auch hier noch Gefahren auf mich, solange ich auf dem Weg bin und dieses Ziel noch vor Augen habe. Meine Gefahren bestehen weniger darin gefressen zu werden. Aber im übertragenen Sinne fühle ich mich durchaus manchmal, als würde ich gefressen werden.

Meine Gefahren heißen z.B. Abhängigkeit, Egoismus, Ungeduld, Zorn, Bequemlichkeit. Davon lasse ich mich manches Mal bestimmen. Und wenn ich diese „Gefahr“ erkannt habe, mache ich mich von neuem auf den Weg, um dieser Bedrängnis zu entgehen.

Eine Situation im Film war folgende: Die Insel wurde zerstört und die Schildkröte stand vor einer neuen Herausforderung. Sie machte sich, dank ihres Überlebenswillens, auf den Weg, um ihrem endgültigen Ziel entgegen zu gehen. Jedoch fand sie nichts essbares. Sie war sehr erschöpft, durch den Hunger und das selbständige Schwimmen. Da sah sie verlockende Dinge im Meer. Sie glänzten wie Fischschuppen in der Sonne. Sie schwamm, von Hunger gepackt, auf diese glänzenden Gegenstände zu schnappte danach. Das menschlichen Auge erkannte diese lecker aussehenden Dinge sofort als Müll, den wir Menschen im Meer entsorgen. Die Schildkröte hatte eine Folie im Mund, spuckte diese aber zum Glück wieder aus. Sie hatte erkannt, dass dieses lecker aussehende Mahl nicht besonders nahrhaft für sie war. Wenn ich daraus die Parallele für mein Leben ziehe: auch mir begegnen diese verlockend aussehenden Glitzerdinge. Ich erkenne sie im ersten Moment jedoch nicht als Gefahr, sondern ich koste sie. Deiner Vorstellung sind hier keine Grenzen gesetzt, was deine und meine Glitzerdinge sind. Ich glaube, wir kennen alle solche Situationen. Klug bin ich dann, wenn ich bemerke, dass es nicht gesund ist für meinen Körper oder mein Herz. Dann kann ich es schnell wieder ausspucken und abhauen, um meinem Ziel wieder näher zu kommen. Wenn ich es jedoch nicht erkenne, dann habe ich ein Problem. Dann koste ich davon. Es schmeckt im ersten Moment lecker. Ich nehme noch einen Bissen. Und es macht mich zuerst statt. Dann jedoch bekomme ich langsam Bauchschmerzen. Mir wird vielleicht sogar schlecht. Und spätestens jetzt ist der Moment gekommen, wegzurennen. So schnell es nur geht. Dann habe ich erkannt, dass diese Glitzerdinge überhaupt nicht gut sind für mich. Auch wenn sie noch so verlockend aussehen und auch so schmecken.

Das ist allerdings nicht immer so einfach. Manchmal fällt es mir wirklich schwer, die Finger von dem Glitzerzeug zu lassen. Ich rede mir sogar ein, dass ein bisschen Übelkeit und Bauchschmerzen nicht schlimm sind. Macht ja nichts. Jeder ist doch mal krank, oder nicht so ganz auf der Höhe. Und ich halte mich nicht fern von den Glitzerdingen. Doch zum Glück kam bisher jedes Mal der Punkt in meinem Leben, an dem ich zumindest erkennen durfte, dass diese Glitzerdinge nicht gut sind. Dass sie mich sogar von meinem Ziel abbringen. Aufgehalten werde ich durch sie allemal. Aber sie verleiten auch sehr dazu, dass ich mein Ziel nicht erreiche. Denn wenn ich nicht die Finger davon lasse, werde ich sterben und die Ewigkeit nicht erreichen. Das ist meine Gefahr. Dabei will ich es doch um jeden Preis. Gott in seiner Herrlichkeit in Ewigkeit sehen. Ihn anbeten. Ihn preisen und loben. Darauf ist mein Herz ausgerichtet. Das ist meine Sehnsucht, meine Bestimmung. Und in all den Verlockungen, die um mich herum sind, ist er meine Rettung, mein Fels. Der, der den Finger auf die Glitzerdinge legt und sagt: „Das ist nicht gesund für dich. Lass das lieber. Ich gebe dir das, was du wirklich zum Leben brauchst. Und nicht nur für dein irdisches Leben. Sondern vor allem für dein ewiges Leben.“

In der Bibel sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.“ (Joh. 14,6 NGÜ)

Und ganz genauso ist es. Nur durch meinen „Kompass“ Jesus komme ich ans Ziel meiner Sehnsucht. Dabei komme ich mir oft vor, wie ein Einzelkämpfer. Genauso, wie die kleine Meeresschildkröte. Ich muss diesen Weg scheinbar allein gehen.Vielleicht treffe ich mal auf jemanden, der ein Stück des Weges mit mir beschreitet. Doch letztlich steht über mir der Schöpfer dieses unglaublichen Lebens und führt, lenkt und leitet mich. Ich habe lediglich die Aufgabe zu hören, wo ich hingehen soll. Klar, das ist wohl das Schwierigste, was ich machen muss. Nur hören hört sich so leicht an. Aber im zuhören bin ich nicht immer besonders gut. Wenn dann die Stimme nicht mal zu einem Körper gehört, ist es für mich noch herausfordernder. Dennoch darf ich wissen: wenn die Verlockungen auf dem Weg allzu sehr glitzern und funkeln, hält er doch seine Hand über mich und bringt mich auf meinem selbst gewählten Unachtsamkeitsumweg wieder in die richtige Richtung. Um meinem Ziel immer näher zu kommen und am Ende meine Bestimmung zu erreichen.

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