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Fasten – Wozu?

15. März 2017

Jetzt hat sie begonnen, die 3. Fastenwoche. Fasten? Wofür und wozu? Was soll das bringen und was faste ich?

Seit 20 Jahren schon faste ich in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern  Süßigkeiten. Inspiriert wurde ich durch meine damalige Mitbewohnerin, die an Aschermittwoch in die Kirche ging und mit einem Aschekreuz auf der Stirn wiederkam. Ich fragte sie nach der Bedeutung und dem Grund, warum sie fastet. Ich erinnere mich leider nicht mehr an ihre Antwort. Aber ich erinnere mich noch gut, wie beeindruckt ich war, dass eine damals 19-jährige so konsequent ist und auf Süßigkeiten verzichtet. Die Sache mit dem Aschekreuz fand ich zusätzlich spannend. Denn wer geht schon gern mit einem schwarzen Fleck auf der Stirn spazieren? Das alles machte ihr nichts aus und mich hat das beschäftigt.

In die Kirche bin ich damals nicht gegangen, aber mal 7 Wochen auf Süßigkeiten verzichten, das wollte ich auch schaffen. Und es ging sogar ganz gut. Also habe ich die Jahre darauf auch in dieser Zeit auf Süßigkeiten verzichtet. Manchmal kam noch Fernsehfasten dazu. Das war dann Hardcore. Also, auf etwas zu verzichten, was mein Leben oft sehr bestimmt, ist nicht leicht. Das konnte ich auch sehr gut ohne an Jesus zu glauben. Oder es mit ihm in Verbindung zu bringen. Es hat mir das Bewusstsein für andere Dinge geöffnet. Statt fern zu sehen, habe ich in der Zeit mehr gelesen, oder etwas für meine Arbeit erledigt. Statt Süßigkeiten zu essen, habe ich mich wieder auf Obst eingelassen. Also war es auf jeden Fall ein Gewinn.

Dann lernte ich Jesus kennen und nahm ihn in mein Leben auf. Seit dem hat die Fastenzeit eine andere Bedeutung für mich. Verzicht fällt mir grundsätzlich nicht leicht. Ich bin eher jemand, der gern alles und das gleich am besten jetzt sofort haben möchte. Ok. Ich möchte es nicht nur, ich will es sogar. Ganz anders, als Jesus gelebt hat. Er hat nie überstürzt gehandelt. Er war besonnen. Und er hat sich in Zeiten, die sehr trubelig waren, extra zurückgezogen um zu beten. Um vor seinen Vater zu kommen. Wenn ich diese Stellen in der Bibel lese, dann bin ich jedesmal aufs neue bewegt. Wenn der Stress am größten ist, wenn die Menschen am meisten von ihm gefordert haben, zog er sich zurück, um zur Ruhe zu kommen. Um sich neu auszurichten. Auf jemanden, der größer ist.

Dieses Jahr faste ich Süßigkeiten (die müssen immer sein), Facebook und 2 Tage die Woche verzichte ich außerdem auf mein Smartphone. Und weißt du, was mir am schwersten fällt? Aufs Smartphone zu verzichten. Hier mal schnell eine Whatapp verschicken. Dort mal eben ein Foto machen. Ich weiß was nicht? Dann kann ich ja mal eben googeln… Ach nein, das geht ja nicht. Mein Smartphone ist ja… aus. Genau. Ich fühle mich abgeschnitten. Nicht dazu gehörig. Denn ich könnte ja was verpassen. Und ich spüre wieder mehr  diese Sehnsucht, dazuzugehören. Genau das ist es aber, was mich neu aufrichtet. Vielmehr gesagt, ausrichtet. Ich wende mich eher an Gott, statt an einen „gewöhnlichen“ Menschen. Ich beziehe ihn wieder mehr in meine Leben ein. Rede mehr mit Jesus, statt eine Nachricht zu verschicken. Und ich wünsche mir, dass es sich an den restlichen Tagen, an denen ich wieder Zugriff habe auf die Welt, auch so regelt, dass ich es Jesus gleich tu und meinen himmlischen Ratgeber einbeziehe.

Meine Aufgabe diese Woche ist, dass ich mir die Schönheit der Schöpfung bewusster mache. Innehalte, staune, danke, anbete, aufnehme. Einmal habe ich ein wunderschönes Himmelsschauspiel erleben dürfen. Wir haben einen Abendspaziergang gemacht und der Vollmond schien hell und riesig über den Feldern. Es war wirklich mit Worten nicht zu beschreiben. Mein Herz war voll des Staunens über dieses Schauspiel. Mein erster Griff war zu meinem Smartphone. Schnell ein Foto machen, damit ich dieses Wunder aufnehmen kann. Leider war mein Smartphone-Fastentag. Somit hatte ich nicht die Möglichkeit, es auf eine externe Speicherkarte zu bringen. Ich musste meine interne Speicherkarte bemühen. So blieb ich einen Augenblick stehen und nahm alles bewusst in mich auf. Der große, helle Mond an einem wolkenlosen Himmel. Die Felder, die sich sanft wölbend vor meinen Augen erstreckten. Die noch kahlen Bäume, die sich vom Abendhimmel klar abzeichnteten. Und sonst nur Stille. Ich sehe jetzt, wo ich das so schreibe alles wieder deutlich vor mir. Und ich danke Gott so sehr dafür, dass er diese Welt so wunderschön und einzigartig gemacht hat. Er hat an alles gedacht und perfekt gestaltet. Und zwischendrin verwöhnt er uns auch noch mit diesen Naturschauspielen. Er will, dass wir alles bewusst wahrnehmen und nicht durch die Gegend rennen wie aufgescheuchte Hühner. Er tut jeden Tag soviel, um unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Er stellt den Mond in einer Größe in den Himmel, wie wir es nur selten sehen können. Er malt den Himmel mit den schönsten Farben an, damit wir den Blick heben und auf IHN, den Schöpfer, aufmerksam werden. Er schenkt den Pflanzen neues Leben, damit wir erfahren dürfen, dass der Tod nicht das Ende, sondern ein Neuanfang ist.

Und obwohl ich alles das gern auf meiner externen Speicherkarte hätte, weiß ich, dass ein Blick in die richtige Richtung das ist, was mir viel mehr bringt. Der Blick in den Himmel. Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Ps 121, 2 NL) Der Blick auf die Pflanzen, die sich ein neues Leben erkämpfen. In ihnen sehe ich die Botschaft, die Gott gebracht hat: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,25 NL) Und das ist wahr. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass mir alles zu viel wird, dass ich drohe unterzugehen, weiß ich, dass Jesus die Auferstehung und vor allem das Leben ist! Das sehe ich, sobald ich den Blick nach draußen wende. Nur muss ich es mir immer wieder bewusst machen. Und dafür ist so eine Zeit des Fastens, des Verzichtes doch wunderbar geeignet. Finde ich.

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